Aktualisierung vom 15. Mai 2016
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Eine Großmutter: «Eigentlich habe ich immer einen sehr guten und sehr engen Draht zu meinen Enkeln gehabt. Heute darf ich sie nicht mehr sehen, nicht mehr mit ihnen telefonieren und ihnen keine Briefe schreiben.»

Das Thema "verstoßene Großeltern" ist so sehr tabuisiert, dass die Betroffenen sich schämen, darüber zu reden, und sich völlig allein gelassen fühlen.

Für Großeltern, die ihre Enkel nicht mehr sehen dürfen ist es, als ob ihnen der Boden unter den Füßen weggezogen wurde. Sie plagen sich oft mit Selbstvorwürfen: "Ich muss wohl einiges falsch gemacht haben".

Dazu noch das Gefühl des Verlusts, wenn die eigenen Kinder, die Schwiegertochter oder der neue Lebensgefährte der Tochter den Umgang mit den Enkeln untersagen bzw. untersagt und jedes Gespräch verweigern bzw. verweigert. Großeltern, die nicht mehr der Rede wert sind und Kinder,  deren Recht auf Umgang mit ihren Großeltern - nicht selten mangels entsprechender Unterstützung des Gesetzgebers - verwehrt wird.
Wo andere Richter das Verfahren verschleppen, bis sich die Angelegenheit wegen Entfremdung des Kindes von den Großeltern von selbst erledigt hat, gibt es aber auch Richter, die auf "Bindungsakzeptanz" drängen und für eine zügige Abwicklung bei Umgangsregelungen sorgen. Das heißt, dass der sorgeberechtigte Elternteil akzeptiert, dass das Kind Bindungen auch zu den nicht Sorgeberechtigten unterhält.

Wenn es Ihnen auch so geht, dann könnten Sie sich einer Selbsthilfegruppe anschließen - oder gründen Sie eine. In der Gruppe können Sie sich austauschen, die positiven und negativen Erfahrungen teilen und gemeinsam nach Wegen suchen, wie die Situation verbessert werden kann. Mit jemandem reden können; den Tag streng strukturieren; sich den Schmerz und die Trauer von der Seele schreiben; Kontakt zu anderen aufbauen; vielleicht Spiritualität als heilsam erleben; klare Grenzlinien ziehen, um die eigene Würde zu wahren.

"Wenn man keinen Kontakt zu seinen Enkelkindern hat, ist das ein Riesenloch im Leben." Die Betreiber dieser Seiten wissen selbst, wie das ist – und dass es unmöglich ist zu vergessen. Denn überall begegnen ihnen Kinderwagen, Kinderlärm, Kinderlachen, Kinderweinen. "Wie’s einem da geht, das ist nicht zu schildern."

Sicherlich machen auch Großeltern manch einen Fehler! Wahrnehmungsverschiebungen auf beiden Seiten verhindern Missverständnisse zu klären; einen Knopf, seine Gefühle auszuschalten, gibt es jedoch nicht. Doch, so schreibt es eine verlassene Großmutter: "Ich habe mich für ,Leben’ statt ,Leiden’ entschieden. Ich fühle mich mittlerweile ,heiler’ und ,kompletter’ als zu jener Zeit, als ich zuließ, dass die Eltern meiner Enkel auf mir rumtrampelten, und ich versuchte, ihnen genehm zu sein – und mich genau dadurch ständig tief verletzen ließ."

Was wir alleine nicht schaffen
Das schaffen wir dann zusammen
Dazu brauchen wir keinerlei Waffen
Unsere Waffe nennt sich unser Verstand
Und was wir alleine nicht schaffen
Das schaffen wir dann zusammen
Nur wir müssen geduldig sein
Dann dauert es nicht mehr lang
© Xavier Naidoo
Kommentar von Sandra Bengsch, Hamburger Abendblatt vom 27. August 2009:

Dass es vielen Müttern und Vätern im Trennungsfall nicht gelingt, die eigenen Interessen hinter das Wohl ihres Kindes zurückzustellen, ist Zeichen eines grenzenlosen Egoismus.

Noch schlimmer wird die Sache, wenn Jugendamt, Richter und Psychologen dabei tatenlos zusehen. Spätestens dann werden Lücken im Rechtssystem offenkundig. Es wird höchste Zeit, dass diese Lücken geschlossen und die Rechte der Kinder gestärkt werden. Das Cochemer Modell bietet eine solche Möglichkeit. Im Interesse der Kinder sollte das dort beschriebene Verfahren als verbindlicher Standard eingeführt werden. Schnellstmöglich, damit nicht noch weitere Töchter, Söhne, Enkel auf makabere Weise instrumentalisiert werden können. Denn diese Kinder leiden unter der psychischen Misshandlung - auch wenn man keine blauen Flecken sieht.

"Tötet jemand den Körper, wird er zum Tode verurteilt; wer aber die Seele tötet, entkommt unerkannt."
Khalil Gibran (Dichter und Philosoph)
Familiäre Vertreibungen - egal wen sie treffen - sind nicht weniger aggressiv als Vertreibungen im Zuge kriegerischer Auseinandersetzungen.

Kinder an Vertreibungen zu beteiligen, oder sie aktiv dazu anzutreiben, ist in hohem Maße aggressiv. Es ist eine besondere Weise, die Kinder zu missbrauchen.
Professor Gerhard Amendt