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Schmerzhafte Trennung  [Mai 2009]

Bis zur Trennung meiner Tochter und meines Schwiegersohnes lebte ich zusammen mit ihnen und meinen beiden Enkeltöchtern, heute 11 und 9 Jahre alt, in einem gemeinsamen Haus. Meine Tochter und ich teilten uns die Betreuung der Mädchen, weil wir beide in Teilzeit tätig waren. Vor 7 Jahren verließ meine Tochter die Familie und zog zu einem anderen Mann. Die Kinder blieben beim Vater und bei mir im Hause, was auch gerichtlich festgelegt wurde. Als mein Schwiegersohn aber nach ca. einem Jahr eine neue Frau mit Kind ins Haus holte, war ich überflüssig geworden und mir wurde recht schnell bewußt, dass ich dieses Haus verlassen muss. Bis dato war ich nicht nur Oma für die Kinder, sondern auch Mutter, da beide Elternteile nur noch an sich dachten. Es war der schwerste Schritt in meinem Leben, den ich jemals gegangen bin, als ich das Haus verliess. Mein Schwiegersohn drohte mir schon damals, dass er dafür sorgen werde, dass ich irgendwann keinen Kontakt mehr zu meinen beiden Enkelinnen haben werde. Die Kinder und auch ich litten wahnsinnig unter dieser Trennung, was bei mir bis heute noch anhält.

Ich versuchte mit meiner Tochter wieder einen halbwegs normalen Kontakt herzustellen und hatte dadurch auch die Möglichkeit meine beiden geliebten Enkelkinder so oft wie nur möglich zu sehen. Vor ca. 3 Jahren schaffte es mein Ex-Schwiegersohn mit Hilfe seiner neuen Lebenspartnerin meine Tochter so zu beeinflussen, dass man den Kindern erzählte ich wäre im Urlaub und dadurch könnten sie mich nicht mehr sehen. Nach 8 Wochen konnte ich dann meine Tochter dazu bringen sich mit mir und den Enkelkindern an einem neutralen Ort zu treffen. Die Kinder und ich waren einfach nur glücklich, dass wir uns wieder sahen.

Da mein Ex-Schwiegersohn weitere Treffen mit mir untersagte, blieb mir nur noch der Weg zum Anwalt. Vor Gericht wurde dann mein jetziger Ehemann als Sündenbock hingestellt, da er es wagte auf eine Mail — in der mir von der neuen Partnerin meines Ex-Schwiegersohnes verboten wurde an meine Enkelkinder Geschenke zu schicken und dass diese bei Nichtbeachtung dieses Verbots im Mülleimer entsorgt werden würden — zu antworten und mich zu verteidigen. Mit der Absicht wieder Ruhe im Streit zwischen den Erwachsenen einkehren zu lassen machte mein Mann während der Anhörung den Vorschlag während der Besuchstage der Kinder nicht anwesend zu sein und erklärte sich bereit an diesen Tagen unsere Wohnung zu verlassen. Aufgrund dieses Verzichts beschloss der Richter im Juli 2005 mir das Recht zu gewähren die Kinder einmal im Monat für 6 Stunden bei mir haben zu dürfen.

Es war sehr schwer den beiden klar zu machen, dass sie bei ihrer geliebten Oma nicht mehr schlafen und nur an diesen Tagen für diese kurze Zeit bei mir sein dürfen. Wir genossen diese Zeit trotz allem und unternahmen immer etwas Schönes. Es wurde den Kindern von Seiten des Vaters und der Stiefmutter klargemacht, dass ihre Oma mit einem "bösen Mann" zusammen ist und er deshalb nicht anwesend sein darf, wenn sie bei mir sind. Ich wich den Fragen der Kinder nach dem Grund dieser Behauptung aus und versuchte ihnen zu erklären, dass Erwachsene nicht immer alles richtig machen. Jedoch erzählte ich ihnen immer die Wahrheit und brachte zum Ausdruck, dass mein Mann sehr wohl ein guter Mensch ist. Sie wollten dann, dass er die Wohnung nicht verlassen sollte wenn sie zu Besuch kämen und meine Tochter unterstütze diesen Wunsch. Als diese "interne Regelung" ca. 1 Jahr lief erzählten mir die Kinder, dass ihr Papa wüßte, dass mein Mann anwesend wäre und er nichts mehr dagegen hätte. Wieso auch, denn meine Tochter lud mich und meinen Mann auch zu Feierlichkeiten ein, wo die Kinder anwesend waren und somit Kontakt zu meinem Mann hatten. Das Angebot meines Mannes, sich zwecks klärendem Gespräch und damit verbundenem "Friedensangebot" mit meinem Ex-Schwiegersohn zu treffen, wurde von diesem ignoriert.

Anfang 2008 bekam ich plötzlich einen Brief von meinem Ex-Schwiegersohn, in dem er mir mitteilte, dass er es nicht dulde, dass sich mein Mann im Hause aufhielte, wenn seine Kinder bei mir wären. Das Jugendamt riet mir, eine gerichtliche Neuregelung herbei zu führen, was ich auch sofort in Angriff nahm.

Ich vermute, dass mein Ex-Schwiegersohn — nachdem er von meinem Vorgehen vernahm — die Kinder negativ beeinflusste, denn von nun an gab es ständig Ausreden um nicht von mir abgeholt zu werden wenn der regelmäßige "Kinder Freitag" herankam. Die Kinder wurden zwar noch an das Telefon geholt, wenn ich sie einmal wöchentlich anrief, aber sie wollten plötzlich nicht mehr zu mir kommen. Meine Tochter, die aufgrund persönlicher Differenzen mit mir plötzlich auf der Seite ihres Ex-Mannes stand, brach den Kontakt zu mir ab.

Im Juni 2008 war die Anhörung vor dem Gericht; meine Tochter erschien gemeinsam mit ihrem Ex-Mann. Da das Jugendamt im Vorfeld schon alle Erwachsenen befragt hatte und ein schriftlicher Bericht vorlag, versuchte der Richter die Sache zum Wohle der Kinder zu regeln und bat die Eltern den Krieg zwischen den Erwachsenen nicht über den Rücken der Kinder auszutragen. Da der Kindesvater stur blieb und an einer Einigung kein Interesse hatte, befragte der Richter die Kinder. Ca. 8 Wochen nach der Anhörung wurde das Urteil gesprochen, das besagte, dass die Kinder weiterhin ihre Oma besuchen dürften ohne dass mein Mann die Wohnung verlassen müsste.

Ich muss davon ausgehen, dass die Kinder nunmehr so beeinflusst wurden, dass sie nichts mehr mit mir zu tun haben möchten. Sie teilten mir mit, dass ich sie nicht anrufen und ihnen nicht schreiben soll und was am Schlimmsten ist, sie wollen mich nicht mehr sehen.

Laut Gerichtsurteil habe ich das Recht, meine Enkeltöchter regelmässig zu sehen. Allerdings fehlt mir die Möglichkeit und/oder der Wille dieses Recht durchzusetzen, denn was soll ich tun? Etwa die Polizei einschalten oder ein Zwangsgeld beantragen? Wohl keine gute Idee, da dieses kaum dem Wohle der Kinder dient. Allerdings gebe ich die Hoffnung nicht auf eines Tages ein normales Verhältnis mit den Kindern haben zu dürfen.

Mai 2009