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Schmerzhafte Trennung  Fortsetzung Nr. 1

Ich konnte mich leider nicht damit abfinden, keinen Kontakt zu meinen geliebten Enkelkindern zu haben. Nach mehrmaligen, gescheiterten Versuchen den Kontakt zu meiner Tochter wieder herzustellen und somit auch zu meinen Enkelkindern, beschloss ich die Selbsthilfegruppe "Verstossene Grosseltern" zu gründen; ich wurde dabei von KISS (Paritätischer Wohlfahrtsverband Hamburg e.V.) unterstützt. Nach sehr kurzer Zeit meldeten sich viele Großeltern bei mir, denen es ähnlich ging und von da an kam es zu regelmäßigen Treffen der Gruppe.

Angespornt durch die einzelnen Schicksale, ich möchte sie einfach so bezeichnen, fasste ich wieder den Mut, etwas zu tun um den Kontakt zu meinen Enkelkindern herzustellen. Ich schrieb ihnen zwar Briefe und Karten, bekam aber leider nie eine Antwort von den Beiden. Geschenke zum Geburtstag oder zu Weihnachten liegen immer noch bei mir und warten darauf von Beiden in Empfang genommen zu werden.

Nun schrieb ich einen Brief an das Gericht mit der Bitte, mir bei der Umsetzung des gerichtlichen Beschlusses, die Kinder einmal im Monat zu sehen, behilflich zu sein. Ich bekam zuerst nach ca. 6 Wochen eine Antwort, mit der ich absolut nichts anfangen konnte. Auf ein weiteres Schreiben meinerseits bekam ich die Antwort, die Sache doch noch einmal gerichtlich regeln zu lassen.
Meine Anwältin wurde nun im September 2009 von mir beauftragt ein Vermittlungsverfahren anzustreben, das zuerst von der Proberichterin - die zu dieser Zeit beim Gericht als Familienrichterin fungierte - mit der Begründung abgelehnt wurde, dass das Gesetz ein Vermittlungsverfahren nur für zerstrittene Eltern vorsieht und Grosseltern darauf kein Recht hätten. Nach einem Gespräch meiner Anwältin mit der Richterin wurde nun das Ganze auf der Basis einer Beantragung von Ordnungsgeld geführt.

Ich bekam einen Anruf vom Jugendamt und zwar von jener Mitarbeiterin, die mir die Hilfe versagte den vorherigen Gerichtsbeschluss durchzusetzen. Nachdem ich sie auf unser damaliges Gespräch aufmerksam machte und sie auch eine Aktennotiz fand, wurde sie schon milder. Sie unterbreitete mir den Vorschlag einen begleiteten Umgang in den Räumen des Jugendamtes durchzuführen, wo nur sie und ich mit den Kindern zusammentreffen würden. Damit war ich sofort einverstanden und versprach mir dadurch nun endlich wieder einen Kontakt zu meinen Enkelkindern aufbauen zu können.
Ende November 2009 kam endlich die Ladung zur Anhörung bei Gericht, die am 14.01.2010 stattfinden sollte.

Jedes meiner Enkelkinder erhielt zu Weihnachten eine schöne Karte, worauf ich als Antwort von meiner älteren Enkeltochter einen Tag vor dem Heiligen Abend einen bitterbösen Brief bekam, der keineswegs dem Wortlaut eines zwölfjährigen Mädchens entsprach. Von meiner jüngeren Enkeltochter bekam ich eine Karte am Silvestertag, dessen Wortwahl ich entnehmen konnte, dass ihr diese diktiert wurde. Sie teilten mir beide mit, dass sie kein Interesse hätten den Kontakt zu mir aufzunehmen, da ich ihren Vater ins Gefängnis bringen möchte. Meine große Enkeltochter schrieb mir, dass sie jede Post vom Gericht lesen würde und genauestens über alles informiert wäre. Nun waren meine Hoffnungen, jemals wieder einen vernünftigen Kontakt zu den beiden Kindern zu bekommen, völlig begraben. Ich hatte nur noch einen winzigen Hoffnungsschimmer, bei dem begleiteten Umgang den Zugang zu meinen Enkeln zu bekommen.

Ich ging im Januar 2010 voller Hoffnung zur Anhörung im Gericht. Als die Gegenseite auftauchte, traute ich meinen Augen nicht. Mein Ex-Schwiegersohn hatte meine große Enkeltochter mitgebracht. Sie wurde von den Leuten, die noch mitkamen so abgeschirmt, dass ich sie kaum sehen konnte. Als wir dann in den Gerichtssaal gerufen wurden, tauchte plötzlich eine weitere Dame dort auf. Wie sich dann herausstellte, war es besagte Mitarbeiterin vom Jugendamt, die ich bis dato nur durch Telefonate kannte. Mein Ex-Schwiegersohn hatte sich ganz kurzfristig entschlossen, auch einen Anwalt hinzuzuziehen. Die Richterin befragte mich zuerst und anschließend meinen Ex-Schwiegersohn, der seinen Anwalt reden ließ. Dieser wollte mit aller Gewalt, dass meine Enkeltochter befragt wird, da diese extra mitgekommen wäre um der Richterin zu sagen, dass sie mit mir nichts mehr zu tun haben möchte. Dies lehnte die Richterin jedoch ab und betonte, dass beide Kinder zu einem anderen Zeitpunkt befragt würden, den Termin würde sie bestimmen und nicht der Vater der Kinder oder dessen Anwalt. Es wurde dann beschlossen einen begleiteten Umgang auf einem Spielplatz stattfinden zu lassen. Ort und Zeit sollte das Jugendamt bestimmen.

Die Jugendamtmitarbeiterin teilte meinem Mann den Termin telefonisch mit. Während dieses Telefonats zerstreute sie seine Bedenken - der Kindesvater könnte durch Gesten, Blicke und Worte die Kinder beeinflussen - indem sie meinem Mann versicherte, dass sie sich mit meinem Ex-Schwiegersohn weitab vom Geschehen aufhalten würde.

Der begleitete Umgang fand Anfang Februar 2010 abends um 17:00 Uhr auf dem Spielplatz der Grundschule meiner kleinen Enkeltochter statt. Es war ein sehr kalter und schneereicher Nachmittag, die Dunkelheit begann schon einzusetzen. Leider kam Frau P., die Mitarbeiterin des Jugendamtes, nicht pünktlich, sodass ich vor dem Schultor auf sie wartete um zu vermeiden allein den Vater meiner Enkelkinder zu treffen.

Das Treffen verlief völlig anders als vorher angedacht und von Frau P.versprochen.

Frau P. und ich begrüßten die Kinder - die ich in diesem Bericht "Prinzessin" und "Engelchen" nennen möchte - und den Kindesvater mit Handschlag, wobei ich den Eindruck hatte, dass die Kinder sehr verschüchtert reagierten. Frau P. begann sofort ein Gespräch mit den Kindern, auf das sie sich auch einließen; der Vater stand dabei etwas abseits vom Geschehen. "Prinzessin", heute 13 Jahre, saß auf der Barrenstange, der eines der drei Spielgeräte dieses Spielplatzes darstellte. Engelchen, heute 10 Jahre, willigte ein, nachdem der Vater sie dazu animierte, mit Frau P. ihr Klassenzimmer von außen zu besichtigen. Auf meine Frage, ob ich mitgehen könne, meinte "Engelchen" erst, dass sie es nicht wisse und nach Blickaustausch mit ihrem Vater kam ein "nein, lieber nicht". Frau P. und "Engelchen" entfernten sich nicht etwa zehn Meter - wie Frau P. in ihrem späteren Bericht an das Gericht angab - sondern mindestens 50 Meter vom Spielplatz.

Mit "Prinzessin", die mit ihrem Vater in der Nähe stand, versuchte ich in's Gespräch zu kommen. Auf meine Frage, ob sie immer noch so gut lerne, bekam ich von ihr zur Antwort, dass sie mir das nicht sagen würde... es ginge mich nichts an. Ich fragte "Prinzessin" dann, warum sie mir das nicht sagen möchte, worauf von ihrem Vater in einem sehr barschen Ton die Antwort kam, dass ich das wohl selbst wissen würde. Frau P. war zu dieser Zeit immer noch vor dem Fenster des Klassenzimmers.

Ich sagte dann in einem sehr ruhigen Ton zu ihm gewandt, dass ich es nicht wüsste und wir doch endlich das Kriegsbeil begraben sollten. Mit erhobener Stimme "teilte er mir mit" , dass es kein Kriegsbeil zu begraben gäbe und er mit mir nichts zu tun haben will. Nun kam endlich Frau P. dazu und forderte uns zur Ruhe auf mit den Worten, dass es wahrscheinlich nötig wäre einen Mediator einzuschalten. Der Vater der Kinder wollte keinesfalls ein Gespräch mit mir und ließ sich nicht beruhigen, worauf Frau P. sagte, dass sie dieses Treffen sofort abbrechen und einen erneuten begleiteten Umgang in den Räumen des Jugendamtes - allerdings ohne die Anwesenheit des Vaters - veranlassen würde. Sie sagte dem Vater, dass er sich wie eine Mauer vor seine Kinder stelle und die Kinder dadurch keine Gelegenheit hätten frei zu entscheiden. Er stritt das ab und kam sofort mit Gegenargumenten, wie z.B. "keine Zeit die Kinder ins Jugendamt zu bringen, da sie ja nach der Schule zum Sport gingen", worauf Frau P. antwortete, er wäre der Vater und hätte dafür zu sorgen, dass seine Kinder Termine wahrnehmen können.
Ich ergriff die Gelegenheit und sprach ein paar Worte mit "Engelchen", die hinter mir stand. Ich sagte ihr, dass ich sie sehr lieb habe, immer für sie da sein werde wenn sie mich brauche, sie sehr groß geworden wäre, sie mit ihren langen Haaren ein sehr hübsches Mädchen sei und dass ich fast jede Nacht von ihr und ihrer Schwester träume. Als ich dann fragte, ob sie zu mir Kontakt haben möchte, sagte sie leise "ja Oma".

"Prinzessin" verfolgte währenddessen sehr aufmerksam das Gespräch zwischen Frau P. und ihrem Vater, der dann anbot den Spielplatz zu verlassen und außerhalb des Geländes zu warten. Er äußerte sehr laut, dass er mit mir nichts zu tun haben möchte, es wäre ihm auch völlig egal, wenn ich tot wäre. Er möchte endlich in Ruhe gelassen werden und seine Kinder könnten selbst entscheiden.
"Prinzessin" wandte sich an mich und sagte: "Oma du hast schöne Jahre mit uns verbracht und nun bist du nicht mehr bei uns und wir möchten nichts mit dir zu tun haben. Vielleicht komme ich in ein oder zwei Jahren wieder zu dir, das weiß ich aber heute noch nicht". Für ihre Schwester könne sie das aber nicht entscheiden. Sie würde auch der Richterin sagen, dass sie mit mir keinen Kontakt haben möchte. Ich antwortete ihr darauf, dass ich sie beide immer lieben werde und ihnen auch keinesfalls deshalb böse sei, sondern ihrem Wunsch entsprechen werde.

"Prinzessin" sagte dann noch, dass sie ja kein Geburtstagsgeschenk und keine Karte von mir erhalten hätte.

(Anmerkung: merkwürdig, denn ich habe mehrfach geschrieben und Geschenke geschickt. Sollten diese womöglich von der Stiefmutter in die Mülltonne geworfen worden sein?)

Frau P. bot an, dass ich die Geschenke in Zukunft zum Jugendamt schicken solle und sie diese dann weiterleiten werde. Es können dann keine Missverständnisse entstehen. Frau P.´s Frage an "Prinzessin", ob Oma ihr schreiben dürfe, sie aber nicht darauf antworten müsse, wurde von "Prinzessin" bejaht.

Frau P. beendete dann das Treffen und verabschiedete sich von mir mit der Bemerkung, dass wir uns im März zur Anhörung sehen würden. Ich gab Frau P., "Prinzessin" und "Engelchen" die Hand und sagte den Kindern nochmals, dass ich nicht auf sie böse wäre und ging dann vom Spielplatz. Frau P. blieb noch eine Weile mit den Kindern und dem Kindesvater zurück.

Der von Frau P. verfasste Bericht vom obigen Treffen, in dem wesentliche Tatsachen weggelassen und/oder verdreht wurden, lässt mich vermuten, dass mit dem Kindesvater während meiner Abwesenheit irgendwelche - für mich nachteilige - Absprachen getroffen wurden.

Ich rief einige Tage vor der Gerichtsanhörung im Jugendamt an und bat Frau P. ihr Versprechen einzulösen und ein Geschenk, dass ich für "Engelchen" zum Geburtstag schicken wollte, weiterzuleiten. Darauf bekam ich von ihr zur Antwort, dass sie dieses erst mit der Richterin besprechen müsse, ehe sie meinem Wunsch entsprechen könne. Nunmehr wusste ich hundertprozentig, dass es keine Möglichkeit mehr gab, den regelmäßigen Kontakt zu meinen Enkeln wieder herzustellen.

An der Anhörung im März nahm ich nicht mehr teil. Meine behandelnde Ärztin riet mir von einer Teilnahme ab, da ich psychisch nicht in der Lage war eine Anhörung - in der die Wahrheit kräftig verdreht wurde, der Bericht des Jugendamtes lag mir vor - zu ertragen und zuzusehen wie meine beiden Enkelkinder mit Unterstützung des Jugendamtes und des Gerichts weiter gequält werden.
Die Dame vom Jugendamt, war zu dieser Anhörung nicht erschienen, wie ich später von meiner Anwältin erfuhr.

Es wurde von der Proberichterin festgestellt, dass die Kinder wohl keinen Kontakt zu mir wünschen, sie diesem Wunsch entsprechen wird und die Kinder selbst entscheiden können, ob sie irgendwann wieder den Kontakt zu mir aufnehmen wollen.

Dem Antrag vom Vater der Kinder, das Umgangsrecht ganz zu kippen wurde nicht entsprochen, es wurde aber auch kein Ordnungsgeld erhoben.

Das mir im Jahre 2008 gerichtlich gewährte Umgangsrecht hat weiterhin Bestand, ich sehe aber leider keine Möglichkeit dieses in die Realität umzusetzen. Es wäre nur mit polizeilicher Gewalt möglich und das werde ich keineswegs meinen Enkelkindern antun. Ich schreibe ihnen nun monatlich einen Brief und schicke auch kleine Geschenke mit, habe aber bis heute noch keine Reaktion darauf bekommen.

September 2010