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Ein Hilferuf

Wir wohnen mit Tochter, Schwiegersohn und unserem Enkelkind in einem Haus. Da unsere Tochter und der Schwiegersohn Probleme miteinander hatten, die wir nicht akzeptieren konnten und uns auf die Seite des Schwiegersohnes stellten, entzog unsere Tochter uns unser Enkelkind. Nun ist unser Schwiegersohn entgegen seiner Aussage auszuziehen doch bei unserer Tochter geblieben, was uns für unser Enkelkind sehr freut, denn es braucht Vater und Mutter. Seitdem die Beiden wieder zusammen sind, entzieht auch unser Schwiegersohn uns das Enkelkind. Unsere Tochter ist sehr verhasst auf uns und der Schwiegersohn ordnet sich ihr unter damit er seine Ruhe hat. Beide tragen diesen Hass auf dem Rücken dieses kleinen Mädchens aus. Das bringt meinen Mann und mich psychisch und seelisch an unsere Grenzen, zumal wir die Kleine jeden Tag hatten. Wir sterben jeden Tag ein wenig mehr. Nichts macht uns mehr Freude. Ich gehe mit Weinen zu Bett und stehe auch damit auf. Ein furchtbarer Tag nach dem anderen. Wir wissen damit nicht umzugehen. Können sie uns helfen?

Oktober 2009
Die Verfasserin ist uns bekannt.



Die Antwort

Liebe Frau [....],

ich habe Ihre Mail erhalten und kann gut nachvollziehen in welchem Zustand Sie und Ihr Mann sich befinden. Sie bitten um Hilfe. Ich kann Ihnen drei Ratschläge geben, um ihrem kleinen Enkelkind zu helfen.

Versuchen Sie, wenn möglich ein Gespräch mit Ihrer Tochter und dem Schwiegersohn mit Hilfe eines/einer Mediator/in zu organisieren. Adressen dazu finden Sie im Internet. Sollte das keinen Erfolg haben, versuchen Sie es schriftlich an Ihre Kinder heranzutreten indem Sie ihnen aufzeichnen, dass es doch einzig und allein dem Kind schadet, wenn es von Oma und Opa getrennt wird und bitten um Antwort. Versuchen Sie über Ihren Schatten zu springen und zu tolerieren, was Ihre Tochter tut und wie der Schwiegersohn damit umgeht. Meist reagieren die jungen Leute schon darauf, weil sie einsehen, dass es auch schlecht für das kleine Mädchen ist, was sie dort veranstalten. Ich habe leider sehr schlechte Erfahrung mit den Jugendämtern gemacht und möchte Ihnen deshalb nicht raten ein Jugendamt um Hilfe zu bitten. Leider gibt es dort zu wenig geschulte Mitarbeiter, die sich Mühe geben.

Die letzte Möglichkeit die Ihnen bleibt ist, sich einen Anwalt zur Hilfe zu nehmen. Diese Möglichkeit würde ich nur anwenden, wenn die beiden vorhergehenden Möglichkeiten nichts bringen. Auf Anwälte und Gericht wird von den jungen Leuten sehr sauer reagiert, da sie sich leider immer unschuldig an der Situation fühlen und keine Rücksicht auf die Seele ihres Kindes nehmen, sei es aus Unwissenheit oder Egoismus, bzw. Rache.

Es gibt die Cochemer Methode, die mit sehr viel Erfolg in Cochem und auch in anderen Bundesländern schon angewendet wird. Hinweise dazu finden Sie auf unserer Website.

Mit freundlichen Grüßen

Selbsthilfegruppe Verstossene Grosseltern
[....]


Das Resultat

Ich möchte mich erst einmal ganz herzlich für Ihre schnelle Antwort bedanken. Habe Ihre Mail bestimmt 10 mal gelesen und kann sie schon fast auswendig. Musste dabei auch weinen, weil alles wieder hoch kam, aber danach ging es mir etwas besser. Ich bin Ihnen sehr dankbar für die tollen Ratschläge und Lösungsversuche. Ich habe mir dann ein Herz gefasst und suchte das Gespräch mit meiner Tochter. Während dieses Gespräches hatte ich meinen ganzen Stolz, den ich hatte, in den Keller gebracht und mich auch bemüht ihn dort zu lassen. Ich hatte nur einen Gedanken dabei, dass ich und mein Stolz nicht wichtig sind, sondern nur mein über alles geliebtes Enkelkind. Ich musste sehr viel schlucken und angenehm war dieses Gespräch auch nicht, aber ich dachte hier geht es nicht mehr um Recht und Unrecht, hier geht es nur um dieses kleine Mädchen.Ich versuchte ihren Ratschlag ( das Verhalten meiner Tochter zu tolerieren ) zu befolgen. Nach diesem Gespräch war ich sehr niedergeschlagen,weil ich mehr erhofft hatte. Meiner Meinung nach war so gar nichts dabei rum gekommen. Plötzlich klopfte es an meiner Tür und meine Tochter brachte mir die Kleine. Sie selbst verschwand sofort wieder.Ich konnte meine Tränen nicht mehr zurück halten und drückte nur noch meine Kleine an mich, die ich so sehr vermisst habe. Wir spielten zusammen und ich war einfach nur noch glücklich, aber zugleich hatte ich auch grosse Angst und Sorgen, wie es wohl in Zukunft weiter gehen würde. Mein Mann wusste von dem Gespräch mit meiner Tochter und mir nichts. Als meine Tochter dann später runter kam um die Kleine wieder abzuholen, nahm ich sie in den Arm und weinte. Ich sagte ihr, dass es mir sehr leid täte, wie alles gelaufen ist. Als die Kleine schlief, rief sie mich an und fragte ob ich mit ihr einen Kaffee trinken wollte. Ich willigte gern ein. Mein Schwiegersohn war auch anwesend. Ich nahm auch ihn in den Arm und fragte ob wir uns nicht wieder vertragen wollten. Er drückte mich und willigte ein. Wir wollen alle versuchen uns wieder anzunähern. Ich habe es meiner Tochter sehr hoch angerechnet, dass sie mir die Kleine gebracht hat. In Zukunft werde ich versuchen mir immer wieder Ihre Worte ins Gedächtniss zu rufen, mehr Toleranz walten zu lassen. Ohne Ihren, für mich sehr wertvollen Brief, hätte ich mich nicht getraut diesen Schritt zu wagen. Vielen vielen Dank dafür. Wenn ich Sie jetzt hier vor mir stehen hätte, würde ich Sie ganz lieb in den Arm nehmen und Sie drücken. Sie sind eine ganz tolle Frau und haben mir sehr geholfen. Bei all dem stellt sich mir die bange Frage, ob Sie vielleicht auch betroffen sind von dem Schicksal der "verstossenen Grosseltern"? Das tät mir unendlich leid, zumal ich ja selber erfahren habe, wie man sich dabei fühlt. Ich grüsse Sie von ganzem Herzen, Ihre [....]

Oktober 2009
Die Verfasserin ist uns bekannt