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Erfolgreicher Kampf

M. kam seit ungefähr seinem 4. Lebensjahr jedes Wochenende und später auch noch fast die ganzen Ferien zu mir. Da er oft ins Krankenhaus musste, habe ich ihn stets die ganze Zeit dort stationär begleitet und ihm in schweren und schmerzhaften Zeiten zur Seite gestanden. All dies hat unser Verhältnis noch inniger gemacht.

Als er 11 Jahre alt wurde, bekam ich plötzlich von der Mutter eine SMS, in der stand, dass ich keinen Kontakt mehr zu ihm haben dürfte. Ein Jahr hörten M. und ich nichts mehr von einander. Wie er mir später sagte, hatte er gedacht, dass ich nichts mehr von ihm wissen wollte und ihm für irgendetwas böse wäre. Er fühlte sich von mir im Stich gelassen und verraten. Ich habe überall herum gehorcht, um zu erfahren, was ich unternehmen könnte, damit wir wieder zusammen kommen dürften.
Meistens gingen die Ratschläge aber daneben! Ich war oft sehr mutlos und verzweifelt. Ich mochte gar nicht daran denken, wie M. sich fühlte.
Nach ungefähr einem Jahr hatte ich Kontakt mit einer Freundin seiner Mutter, bei der M. und ich uns heimlich treffen durften. M. erzählte mir, dass er unbedingt wieder zu mir wollte! Er war auch einverstanden, dass ich mir einen Anwältin nahm und eventuell das Umgangsrecht durch ein Gericht entschieden werden muss. Was dann auch geschah!

Der Richter hat dann beschlossen, dass M. einmal im Monat und die Hälfte der Ferien zu mir kommen durfte, worüber wir schon sehr glücklich waren.

Dann geschah etwas Unvorhergesehenes: M. musste ins Krankenhaus und wurde operiert. Ich habe ihn dann immer heimlich dort besucht. Er sollte dann einen Tag vor Weihnachten nach Hause entlassen werden und weigerte sich zur Mutter und Schwester zu gehen. Er wollte entweder bei mir, seiner Grosstante, oder im Krankenhaus bleiben. Das Jugendamt, mit dem ich vorher bereits Kontakt aufgenommen hatte, wurde eingeschaltet.
Der Mitarbeiter des Jugendamtes sprach mit M., dieser bestätigte ihm, dass er nicht zu seiner Mutter nach Hause wollte und so wurde er mir in Obhut gegeben. M. ist jetzt 14 Jahre alt geworden und kann sagen, wo er leben möchte. M. und ich haben, glaube ich, großes Glück mit dem Jugendamt-Mitarbeiter gehabt! Inzwischen ist M. bereits seit 3 Monaten bei mir, geht hier zur Schule, ist hier gemeldet und fühlt sich hier zu Hause. Er geht alle 14 Tage über das Wochenende zu seiner Mutter, um vor allen Dingen mit seiner Schwester zu spielen, an der er jetzt sehr hängt und für die er alles machen würde. Sein zu Hause ist bei mir und nicht bei der Mutter, das sagt er ganz energisch und er besteht darauf, dass man das akzeptiert. Er selbst sagt, dass er es nicht gut findet, dass seine Mutter und ich uns nicht mehr verstehen und er irgendwie dazwischen steht.

Februar 2010
Die Verfasserin ist uns bekannt.