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Überforderte Tochter und gefährdetes Enkelkind

Wir sind zwei Großeltern mit einer etwas anderen Geschichte. Wir wollen unsere Geschichte gerafft erzählen.

Im Nov. 2009 bekam unsere Tochter ein Kind, sie lebte zu diesem Zeitpunkt noch zuhause. Die Beziehung zu unserer Tochter war seit dem 16. Lebensjahr schwierig (lügen,beklauen etc.). Die Schwangerschaft hatte sie angeblich nicht erkannt, wir und auch viele Freunde haben nichts bemerkt.

Unsere Tochter hatte am besagten Tag im November einen Routinetermin beim Frauenarzt, dort wurde die Schwangerschaft festgestellt und vor lauter Schreck platzte gleich die Fruchtblase. Also zwischen, "Sie werden Großeltern" und der Entbindung lagen 4-5 Stunden. Während man unserer Tochter auf der Station die Zeit liess in die Mutterrolle hineinzuwachsen haben wir zuhause gewirbelt, ihr Zimmer entkeimt und zum ersten Nest umgestaltet.

Was dann folgte, waren Behördengänge, Hebammensuche usw., wir mussten ja nun schnellstens das erledigen, wofür im Normalfall fast 9 Monate Zeit wären. Da der Gesetzgeber für Bedarfsgemeinschaften eine eigene Definition hat und wir fortan finanziell keine Unterstützung bekommen hätten, zog unsere Tochter mit der kleinen ****** in eine eigene Wohnung.

Wir hatten verständlicher Weise nicht viel Zeit mit der neuen Situation klar zu kommen, taten aber trotz der vielen Nackenschläge, was Eltern tun, wenn sie gebraucht werden, funktionieren. Das erste halbe Jahr funtionierte so einigermaßen, wir unterstützten und gaben Hilfestellung. Danach ließ sich unsere Tochter immer mehr gehen, es wurden keine neuen Versorgungsanträge beim Amt gestellt, die wohnliche Situation für Mutter und Kind entglitt immer mehr. Da unsere Tochter immer wieder lügt konnten wir vieles auch nicht rechtzeitig erkennen und darauf reagieren. Wann immer es ging, haben wir die kleine ****** zu uns genommen um unserer Tochter Freiräume für sich und die täglichen Verrichtungen im Haushalt zu gewähren. Wenn es die Situation in unseren Augen erfordert hatte, haben wir ****** auch kurzer Hand "in Gewahrsam" genommen.

Es kam wie es kommen musste, die Situation lief aus dem Ruder, der Vermieter kündigte fristlos, der Energieversorger wollte abklemmen, der Kitaplatz wurde gekündigt. Irgendwann, nach vielen Versuchen holten wir das Jugendamt mit ins Boot, die bestellten dann eine Mutter-Kind-Betreuerin. Diese war zwar "aktuell immer auf gutem Wege" aber die Situation besserte sich nicht.

Vor gut einem Jahr war dann der Zustand so, dass wir das Kindeswohl massiv gefährdet sahen und es dem Jugendamt gemeldet haben. Es folgte ein Gesprächstermin und unsere Tochter musste entscheiden, ob sie mit Kind in eine Muter-Kind-Einrichtung geht, oder aber die kleine ****** nicht mehr bei ihr leben würde.
Sie entschied sich für ein Leben mit Kind.
Ende April letzten Jahres waren beide auf einmal weg, in einer Nacht- und Nebelaktion hatte man sie in die Einrichtung gebracht. Wir wussten tagelang nicht wo die zwei waren und ob es ****** gut ging.

Durch eigene Recherche fanden wir dann die Einrichtung und versuchten uns mit der neuen Situation zu arrangieren und hofften auf bessere Zeiten. Nach anfänglich einvernehmlichen Kontakten stellten wir auch dort pflegerische Defizite bei der kleinen ****** fest, das reichte von ungenügender Pflege bis hin zu bedrohlichen Situationen (****** hat gelegentlich sehr harten Stuhlgang und wenn sie keine Hilfe bekommt hat sie verständlicherweise Schmerzen). Diese Probleme haben wir selbstredend in der Einrichtung angesprochen, auch bei unserer Tochter (wenn sie uns nicht gerade aus dem Weg ging).

Inzwischen ist die Sachlage so, dass unser 14-tägiger Wochendumgang (Sonnabend früh bis Sonntag Abend) auf nur noch einen Tag ohne Übernachtung gekürzt wurde. Dagen haben wir versucht zu intervenieren,Jugendamt, Tochter und Einrichtung weisen jeweils die Verantwortung den anderen zu. Wie oben beschrieben, ist die Angelegenheit noch vielschichtiger, aber Fakt ist, dass ****** dort nicht gut aufgehoben ist, sie ist nicht altersgemäß entwickelt und uns selbst belastet diese Situation am allermeisten.

Die gegenseitige Bindung zwischen unserer Enkeltochter und uns ist auf Grund der Situation als sehr elterlich und fürsorglich zu bescheiben.

Vielleicht können Sie uns ja Hinweise und Tipps geben oder kennen Hilfemöglichkeiten in unserer Nähe.


Februar 2013
Die Verfasserin ist uns bekannt.