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Enkel als Pflegekind aufnehmen, geht das?   [Quelle: aktive.rentner.de]

Manchmal sind Eltern nicht mehr in der Lage für ihr Kind zu sorgen und dann stellt sich die Frage ob die Großeltern den Enkel als Pflegekind aufnehmen. Was Sie tun müssen, lesen Sie hier.

Immer mehr Kinder wachsen aufgrund familiärer Probleme nicht mehr bei den Eltern auf, sondern werden in Pflegefamilien untergebracht. Hier stellt sich die Frage, inwieweit es sinnvoll ist, wenn Großeltern einen Enkel als Pflegekind aufnehmen.

Gründe für eine Pflegschaft der Großeltern

Für Kinder ist die Herausnahme aus der eigenen Familie oft sehr belastend, denn trotz schwieriger Verhältnisse ist die Familie das wichtigste Umfeld für ein Kind. Sind die Eltern nicht mehr in der Lage, das Kind zu versorgen, so sprechen verschiedene Gründe für eine Pflegschaft durch die Großeltern. Solche Gründe können sein:

  • Das vertraute Milieu bleibt erhalten
  • Großeltern kennen die Familienproblematik
  • Gute Beziehungen zum Enkel sind (meistens) gewährleistet
  • Hohes Verantwortungsbewusstsein der Großeltern
  • Verständnis und Einfühlungsvermögen der Großeltern für eigene Verwandte
  • Kontakt des Kindes zu den Eltern wird erleichtert

Rechtliche Voraussetzungen, ein Enkel als Pflegekind aufzunehmen

Grundsätzlich dürfen auch Großeltern Enkel als Pflegekind aufnehmen. Hierfür ist nach § 44 I Nr. 3 SGB VIII keine Pflegeerlaubnis erforderlich. Leider lehnt das Jugendamt immer noch später gestellte Anträge auf finanzielle Unterstützung ab, was aber durch den Gesetzgeber in einem Urteil vom 01.10.2005 als rechtswidrig erkannt wurde. Denn Großeltern sind zwar mit ihren Enkelkindern in direkter Linie verwandt, dieses Verwandtschaftsverhältnis stellt aber keinen Hinderungsgrund für eine Hilfegewährung dar.

So gehen Sie vor, wenn Sie einen Enkel als Pflegekind aufnehmen wollen

Wenn Großeltern eines ihrer Enkelkinder in Pflege nehmen möchten, dann sollten sie auf jeden Fall beim Familiengericht einen Antrag auf Pflegschaft und Gewährung von Hilfe zur Erziehung in Form einer Vollzeitpflege stellen. Da ein solcher Antrag vom Jugendamt eventuell abgelehnt wird, sollte innerhalb der gesetzlichen Frist von einem Monat Widerspruch eingelegt werden. Nützt auch dies nichts, hat der Antragsteller wiederum einen Monat Zeit, Klage beim Verwaltungsgericht einzureichen. Kosten einer Pflegschaft durch die Großeltern

Kindergeld beantragen
Großeltern, die ein Enkel als Pflegekind in ihrer Obhut haben, können jederzeit Kindergeld beantragen. Dazu muss aber nachweisbar sein, dass das Kind tatsächlich im Haushalt der Großeltern lebt. Der Antrag wird bei der Familienkasse der Agentur für Arbeit gestellt.

Unterhaltspflicht und Pflegegeld
Ein immer wiederkehrender Streitpunkt zwischen Jugendamt und Antragsteller ist die Unterhaltspflicht von Großeltern für ihre Enkel und die Frage nach dem Pflegegeld. Da die Unterhaltspflicht in der Tat besteht, kann es bei einer Beantragung von Pflegegeld laut § 39 IV 4 SGB (Sozialgesetzbuch) VIII zu Kürzungen kommen. Eine solche Kürzung muss aber angemessen sein. Rechtswidrig ist es hingegen, das Pflegegeld bei Großeltern einfach pauschal zu kürzen, was Jugendämter nicht selten tun. Wird das Pflegegeld vom Jugendamt pauschal gekürzt, sollte Einspruch eingelegt und falls nötig geklagt werden.

Rechte und Pflichten von Großeltern, die ihre Enkel pflegen

Übernehmen Großeltern die Pflegschaft für ihre Enkelkinder, so gelten für sie die gleichen Vorschriften und sie haben dieselben Rechte und Pflichten, wie nichtverwandte Pflegeeltern. Ziel ist es, ein Pflegekind

  • zu erziehen
  • zu versorgen
  • und zu betreuen.

Eine Ausnahme bildet die finanzielle Unterstützung, die sich aufgrund der Unterhaltspflicht von Großeltern mitunter problematischer gestaltet. Der Hauptansprechpartner während einer Pflegschaft bzw. Vollzeitpflege ist das zuständige Jugendamt und die Pflegeeltern (auch die Großeltern) sind zur Zusammenarbeit mit dem Jugendamt verpflichtet. Da eine Pflegschaft in der Regel nur für einen bestimmten Zeitraum übernommen wird und die Kinder anschließend zu ihren Eltern zurückkehren sollen, bleibt es das Recht der leiblichen Eltern, ihre Kinder zu sehen und auf diese Weise den Kontakt aufrecht zu erhalten. Nur in sehr schwierigen Einzelfällen verbietet das Jugendamt diesen Kontakt.