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Großeltern & Enkel - eine besondere Beziehung  [SWR.de Fernsehen: Ratgeber vom 17.07.2009]

Es ist eine ganz besondere Beziehung: Die von Großeltern und ihrem Enkel. Trotz des großen Altersunterschiedes verstehen sich die beiden Generationen oft besonders gut, Großeltern haben mehr Zeit, mehr Geduld und kümmern sich oft gerne um ihre Enkel. Sie tragen nicht mehr die volle Verantwortung, denn dafür sind ja die Eltern da.

Jedoch ist das Familiengefüge mit Enkelkindern auch nicht frei von Konfliktpotential: Großeltern kritteln am Erziehungsstil der eigenen Kinder herum, die wiederum finden möglicherweise, dass die Großeltern das Kind zu sehr verwöhnen. Tipps für eine gelingende Beziehung gibt unser Experte Peter Rütten von der Familienberatung aus Wittlich.

Großeltern sollten die Eltern als Hauptverantwortliche in der Erziehung der Enkel anerkennen und Regeln, die von den Eltern aufgestellt wurden, nicht unterlaufen. Denn sonst wissen Kinder nicht mehr, an wem sie sich orientieren sollen. Dass Oma und Opa mehr verwöhnen als die Eltern, haben Kinder schnell raus. Klare Absprachen über das, was erlaubt ist oder nicht, helfen allen Beteiligten.

Schließlich sind Großeltern für die Enkel sehr wichtige Bezugspersonen. Das gilt um so mehr, wenn die Eltern sich trennen und eine Scheidung ansteht. Gerade dann können Großeltern eine große Stütze sein, für das Enkelkind sind sie dann der Fels in der Brandung. Gerade in solchen konfliktbeladenen Zeiten, brauchen Großeltern viel Fingerspitzengefühl. Doch auch Großeltern müssen aufpassen, nicht vereinnahmt und als ständige Feuerwehr missbraucht zu werden. Auch hier gilt: wer rechtzeitig Grenzen absteckt, vermeidet Konflikte.

Typische Konflikte

Die Großeltern verwöhnen das Kind zu sehr, zum Beispiel beim Essen oder Fernsehen oder bei den Zubettgeh-Zeiten: Die Eltern haben bestimmte Regeln aufgestellt, die Großeltern halten sich nicht daran. Im Prinzip kann ein Kind das zuordnen, hier bei Oma & Opa gelten andere Regeln, es kann aber auch zur Verwirrung beim Kind führen oder zur Verärgerung bei den Eltern. Wenn das Kind beispielsweise beim Mittagessen in der Familie nichts mehr mitessen mag, weil es vorher bei Oma und Opa zu viel zu naschen bekommen hat.

Klare Absprachen helfen hier, nach Möglichkeit sollten Großeltern sich an die Erziehungsregeln der Eltern halten und diese nicht unterlaufen. Auch "Besserwisser"-Omas und Opas sind meist nicht so willkommen; wer auf die eigene Erfahrung pocht, läuft Gefahr, mit den eigenen Kindern in Streit zu geraten. Ratschläge sind sicher willkommen, aber dauerndes Reinreden sollte vermieden werden.
Wichtig: Wer mit einer aufgestellten Regel nicht einverstanden ist, sollte die Eltern direkt darauf ansprechen; Offenheit ist wichtig.

Gute Großeltern müssen nicht ständig und für alles zur Verfügung stehen; klare Absprachen, klare Grenzen setzen, Großeltern müssen nicht die Dauerfeuerwehr spielen. Man sollte eigene Bedürfnisse klar äußern, auch wenn einem einmal etwas zu viel ist. Kindern und Enkelkindern klar sagen, was man nicht mag oder aufgrund des Alters auch nicht mehr kann.

Trennen sich die Eltern, bedeuten unbeeinträchtigte Kontakte zu den Großeltern beider Seiten für das Kind Stabilität in einer sich verändernden familiären Welt. Sie lernen verstehen, dass sich zwar Vater und Mutter trennen, dass es aber auch vertraute familiäre Beziehungen gibt, die bestehen bleiben. Aus dem Konflikt der Eltern nach Möglichkeit raushalten. Für das Kind da sein, Gesprächsangebote machen, zuhören. Dem Kind ein Stück "Normalität" bieten in einem auseinanderbrechenden Familiengefüge – die Großeltern können da Halt geben.
Die eigene Loyalität gilt in dem Ehekonflikt meist dem eigenen Kind, trotzdem das Enkelkind aus diesem Konflikt raus halten und nicht schlecht vom anderen Ehepartner, also Schwiegersohn oder Schwiegertochter sprechen, um es nicht in Loyalitätskonflikte zu bringen. Man sollte versuchen, mäßigend auf die Konflikte einzuwirken, wenn das möglich ist und die streitenden Ehepartner dazu zu bringen, im Sinne des Kindes eine einvernehmliche Trennung zustande zu bringen. Möglicherweise Hilfe von außen holen (Familienberatung oder Mediation)

Wenn Großeltern durch eine Scheidung selbst den Kontakt zu den Enkeln verlieren, haben es die Großeltern schwer, den Anspruch auf den Umgang mit den Enkeln durchzusetzen. Wenn die Situation eskaliert und der Umgang mit den Enkeln erschwert wird, lieber offen das Gespräch suchen oder einen Mediationsprozess in die Wege leiten.
Den Eltern klar machen, dass das Kind ein Anrecht auf beide Eltern und auch beide Großelternpaare hat und ihm der Umgang auch gut tut. Das wird aber nur überzeugend gelingen, wenn sich Großeltern nicht in den Ehekrieg einmischen und Partei ergreifen. Wenn die Großeltern das Enkelkind nicht mehr sehen dürfen, sollten sie versuchen, weiter Kontakt zu halten über Briefe, Geschenke zum Geburtstag und zu Weihnachten, später übers Telefonieren, über E-Mail und SMS.
Die Botschaft: "Wir haben dich lieb, aber wir können dich nicht sehen, weil die Mama oder der Papa es nicht möchten. Und wir möchten nicht, dass du deswegen Ärger bekommst", erspart dem Kind Zerrissenheitsgefühle. Liebe kann in dem Fall auch heißen, loszulassen.

Familienberatungsstellen sind auch für Großeltern da; es kann im Extremfall durchaus passieren, dass Großeltern auf Missstände in der Familien aufmerksam machen – bei Alkoholismus der Eltern oder Missbrauchsverdacht. So schlimm muss es ja nicht gleich kommen, auch bei kleineren Konflikten kann eine Beratung oder Mediation hilfreich sein und entlasten und wichtige Impulse geben.