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Enkel brauchen Großeltern      [Beitrag vom 08.02.2010] Seite 1/4

Die Großeltern sind neben den Eltern die wichtigsten Bezugspersonen im Leben eines Kindes. Studien haben zudem gezeigt, dass Kinder, die in engem Kontakt zu den Großeltern leben, über besondere soziale Kompetenzen verfügen, über einen größeren Wortschatz und häufig auch über bessere Schulnoten.

Die Großeltern sind die Menschen, die das Kind - neben den Eltern - am längsten und am intensivsten kennt. Es kommt hinzu, dass die Großeltern die ältesten noch lebenden Repräsentanten der "Wurzeln" des Kindes sind. Aber leider sind sich viele Eltern der Tragweite dieser besonderen Beziehung zwischen Enkel und Großeltern nicht bewusst. Zum Problem kann das werden, wenn sich Eltern trennen.

Oft kommt es in der Folge auch zu einer Trennung von Großeltern und Enkeln. Häufig wird der Umgang seitens der Eltern untersagt, weil diese sich gegenseitig schaden möchten. Leidtragende sind leider die, die nicht am Streit der Eltern beteiligt sind: die Kinder und die Großeltern.

Viele Großeltern denen der Umgang mit dem Enkelkind verweigert wird, ziehen vor Gericht. Nach § 1685 Abs.1 BGB haben sie das Recht auf einen eigenen Umgang, unabhängig davon, wie sich die getrennten Eltern geeinigt haben. Es gibt nur eine Einschränkung: das Umgangsrecht darf dem Wohle des Kindes nicht schaden. Trotzdem gelingt es den meisten Großeltern nicht, ihr Recht vor Gericht durchzusetzen. Das Problem ist, dass die Großeltern beweisen müssen, dass sie dem Enkelkind "wohl" tun.

Umgangsrecht - Kinder brauchen Großeltern

Marianne H. erlebte es hautnah: Von heute auf morgen untersagte ihr die Schwiegertochter den Umgang mit dem Enkel. Grund war die Scheidung der Eltern. Ob am Geburtstag, zu Weihnachten oder am ersten Schultag, Marianne H. durfte die Entwicklung ihres Enkels nur noch anhand von Fotos mitverfolgen. Dabei hätte der Enkel seine Oma gerade in dieser schwierigen Zeit als Trösterin gebraucht. Schließlich lag die heile Welt des Kindes in Trümmern.

Diese Großmutter wollte kämpfen. Vor Gericht stritt sie sich mit dem Jugendamt, aber alles schien vergebens. Es begann eine furchtbare Leidenszeit für die 64-jährige. Zehn Jahre vergingen, in denen ihr einziger direkter Kontakt zu dem inzwischen 13-jährigen Jungen aus Telefonaten bestand. Aus Angst etwas Falsches zu sagen, das die Schwiegertochter verärgern könnte, las sie ihrem Enkelsohn Detektivgeschichten vor. Jeden Mittwoch um 18.00 Uhr wartete der Enkel auf das Telefonat mit der Oma.

Was passiert nach oder während einer Scheidung? Wie wichtig ist dann die Rolle der Großeltern und welche Rechte haben sie? Service:familie hat mit dem Diplom-Pädagogen Ulrich Alberstötter gesprochen:

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass Großeltern ein formales Umgangsrecht mit ihren Enkeln haben. Wenn die Großeltern nachweisen können, dass sie regelmäßigen Umgang mit dem Enkel hatten, dass sie sich gekümmert haben und eine so genannte "vitale Beziehung" geführt haben, können sie das Umgangsrecht auch vor Gericht einklagen. Das Familiengericht trifft dann eine Entscheidung zur Regelung zum Umgang der Großeltern mit den Kindern. Wer dieses Recht gerichtlich einfordert, muss sich allerdings im Klaren darüber sein, dass eine Klage ein langwieriger und steiniger Weg ist, der letztendlich auch den Konflikt innerhalb der Familie verschärft. Im Laufe der Beweisaufnahme müssen Gutachten über die Familie erstellt werden, es müssen Befragungen durchgeführt und Aussagen protokolliert werden.

Für eine Familie, die bereits unter Druck steht, kann das dramatische Auswirkungen haben. Aus diesem Grund rät Diplom-Pädagoge Ulrich Alberstötter von dem Rechtsweg ab und rät allen Familien, sich im Vorfeld darum zu bemühen, dass es zu keinem Bruch zwischen Eltern, Großeltern und Enkeln kommt. Denn in schwierigen Zeiten sind die Großeltern besonders wichtig und können zur Deeskalation eines Konflikts beitragen.

Quelle: © hr | service:familie, 08.02.2010