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  ISUV-Report Nr. 142 (Seite 1)


Die Großeltern - die Oma


Ruhe geben: die erste Pflicht der Großeltern

Grundsätzlich wurde ich von Richter W. belehrt: "Inhalt und Umfang einer Umgangsregelung sowie der Umgangsausschluss liegen immer im Ermessen des Gerichts. Auf einen konkreten Antrag eines Beteiligten kommt es nicht an." Hätte ich gewusst, dass meine Anträge keinen Sinn haben, sondern der Richter nach seinem Weltbild entscheidet, hätte ich wahrscheinlich schnell resigniert. Nach all den Erfahrungen, Gesprächen mit anderen Betroffenen ist mir aber klar, dass ich als Großmutter wichtig bin - insbesondere wichtig werden kann. Daher will und werde ich mich als Oma nicht einfach "zur Ruhe setzen lassen".

Hintergründe

Ich hatte von Anfang an der Mutter - noch vor der Geburt - angeboten ihr zu helfen, da ich Zeit und entsprechende häusliche Möglichkeiten habe. Die Mutter lehnte das von vornherein ab, sie sah das als Einmischung an. Ich suchte Kontakt zum Jugendamt in 0., wollte mich beraten lassen, aber es erfolgte keinerlei Engagement. Ich hatte den Eindruck, dass die Weichen schon anders gestellt waren, auf jeden Fall dachte man dort nicht daran ein familiales Netzwerk aufzubauen und zu fördern.
Nach der Geburt wurde das Kind zu Pflegeeltern gegeben ohne dass mein Sohn - der leibliche Vater, geschweige denn ich auch nur gefragt oder miteinbezogen worden wären. Lapidar bekamen wir zur Antwort, "die Mutter möchte das nicht". Ich musste lernen, dass die Mutter im deutschen Familienrecht bei nichtehelicher Partnerschaft immer noch das Kindeswohl verwaltet, auch dann sogar, wenn sie das Kind nicht will und es in Pflege gibt. Ich musste mich damit abfinden, auch wenn ich es willkürlich und autoritär fand. Inzwischen habe ich mich damit abgefunden, dass mein Enkelkind in einer Pflegefamilie lebt und es sich um eine Dauerpflege handelt.

Mein Anliegen - meine Auffassungen - meine Kritik

Ich habe und poche auf mein Recht, dass ich als Großmutter mit "meiner" Enkeltochter Kontakt haben möchte. Ich wehre mich dagegen, dass das Jugendamt nach der Maxime handelt, wenn leiblicher Vater und Mutter miteinander Stress haben, dass dann ein Umgangsrecht der Großmutter automatisch auch ausgeschlossen wird.
Ich akzeptiere die Verhältnisse, wie sie jetzt sind, ich akzeptiere aber nicht die Aussage des Jugendamtes: "die andauernden und wiederkehrenden Eingaben des Kindesvaters und seiner Mutter belasten die Pflegeeltern und somit auch das Kind psychisch". - Ich frage mich, wie die Umstände ein inzwischen zweieinhalbjähriges Kind psychisch belasten sollen, wenn es von den Umständen gar nichts wissen soll. Mir ist unklar, wie ich in die Situation Unruhe gebracht haben soll?
Auch hier habe ich zuerst den direkten Weg gesucht, wollte eine außergerichtliche Regelung mit der Mutter, die ja weiterhin das Sagen hat. Die Mutter muss dem Umgang zustimmen, auch wenn das Kind in der Pflegefamilie lebt. Erst nachdem ich von der Mutter kein Einverständnis zum Umgang bekam, habe ich den gerichtlichen Weg beschritten.
Ich bin der Auffassung, dass ich ein Recht auf Umgang mit dem Kind habe, auch wenn die Mutter keinen Kontakt mit mir haben will. Schließlich handelt es sich primär um das Recht des Kindes auf "seine" Großmutter.
Unverständlich ist mir die Argumentation: Wenn ich dem "Enkelkind Geschenke zukommen lasse, verunsichere ich möglicherweise das Kind, weil ihm dann möglicherweise signalisiert werde, dass es den Haushalt der Pflegeeltern verlassen müsse". Diese abwegigen Unterstellungen sind aus der Luft gegriffen und haben mich dazu veranlasst den gerichtlichen Weg zu gehen, in der Hoffnung so mein Anliegen durchzusetzen.
Fakt ist, dass ich bis heute noch nicht Kontakt zu meinem Enkelkind hatte. Ich bin ihr als Großmutter nicht bekannt. Ich vermute, dass es nach dem Wunsch des Jugendamtes auch so bleiben soll. Ich bin der Auffassung, dass ein Kind mit zweieinhalb Jahren, das in den Schnupperkindergarten geht, auch zwischen Spielgefährten und Erziehern unterscheiden kann. Es wird die Erzieher auch nicht als Elternersatz ansehen. Ich kann nicht sehen, dass der Umgang mit mir zu einer Verunsicherung des Kindes beiträgt, ansonsten dürfte man Kinder nicht in den Kindergarten schicken.
Was mich ärgert, ist das ständige Vertrösten und Verschieben mit nebulösen Nebelkerzen: Nach einer Zeit der Ruhe und Verlässlichkeit soll ein gemeinsamer Konsens zur Veränderung erarbeitet werden, bei dem sich zeigen werde, welche Bedürfnisse zu berücksichtigen seien. - Ich frage mich, wann der richtige Zeitpunkt zu Veränderungen gekommen sein soll? Je mehr Zeit verstreicht umso sicherer ist dass ich aus dem Leben des Enkelkindes als Großmutter ausgeblendet bin.
Ich habe den Eindruck, dass die Herkunftsfamilie des Kindes von Seiten des Jugendamtes, des Gerichts, der Pflegefamilie völlig ausgeblendet werden soll. Gerade der offene Umgang mit der Herkunftsfamilie - leibliche Eltern und Großeltern - ist im Interesse des Kindes.
Die Verfasserin ist der Redaktion bekannt

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