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  ISUV-Report Nr. 142 (Seite 2)


Die Ursprungsfamilie


Im Fadenkreuz der Erzieher, Helfer, Berater, Experten Anwälte und Entscheider

In diesem Verfahren wird exemplarisch deutlich, welches Geflecht an pädagogischen, psychologischen und juristischen Helfern bei der Frage ums Kindeswohl gleichsam automatisch involviert wird. Die entscheidenden Fragen sind, kommen dadurch mehr "Pluralismus", verschiedene Aspekte und Argumente in den Entscheidungsprozess? Oder „betet" ein Helfer, Entscheider, Experte das nach, was der andere "vorbetet"? Steht die Entscheidung über das Kindeswohl schon von vorne herein fest? Ist das ganze Geschreibe, Bewerten, Begutachten, Beurteilen nur ein rechtspositivistisches Geplänkel, nur oberflächliche Fassade, das die Legitimität, die Maximen von Verfassung vernachlässigt? Ist die Entscheidung übers Kindeswohl letztlich ein Gemauschel von Erziehern, Helfern, Beratern, Experten und Entscheidern, die sich kennen, gut vernetzt sind, wo der eine schon vorher weiß, wie der andere "tickt", wofür er sich ausspricht? - Wer und was bleiben in diesem Prozess auf der Strecke?

Die Pflegeeltern

Es geht nicht darum, die Pflegeeltern in ein bestimmtes negatives Licht zu stellen, sie zu diffamieren. Vielmehr geht es darum, Strukturen aufzuzeigen. Immer ist es so, dass das Jugendamt die Pflegeeltern aussucht. Daher besteht zwischen Pflegeeltern und Jugendamt eine notwendige Vernetzung. Schließlich muss eng abgestimmt werden, was und wann nach der Inobhutnahme des Kinder durch das Jugendamt passiert. Wie weit aber reicht die Vernetzung, besteht noch kritische Distanz?
Grundsätzlich ist aber klar hervorzuheben, dass Pflege in Deutschland ein Geschäft ist. Es besteht nicht nur in diesem Fall der Eindruck, dass derjenige oder diejenigen, die dieses Geschäft stören könnten, auf Ablehnung stoßen - in jedem Fall nicht so recht willkommen sind. Da wird beispielsweise der biologische Vater schnell als "Erzeuger" diskriminiert, mit dem man nur vordergründig kooperiert.
Pflegeeltern geben sich gerne altruistisch, um das Geschäft mit der Pflege zu kaschieren. Da werden Initiativen gegründet, die sich auf die Fahnen schreiben "sich für die Interessen und Belange der Adoptiv- und Pflegekindern einzusetzen." Das spiegelt pädagogischen Eros vor. Bei den Veranstaltungen der Initiative trifft man sich mit den anderen Helfern, Experten halten Vorträge, die auch Gutachten erstellen - kurz man informiert sich gegenseitig und es entsteht Nähe.
Grundsätzlich zeigt sich in vielen Fällen, wo Pflegeeltern im Spiel sind, eine latente Angst, dass das Kind wieder an die Ursprungsfamilie, die biologische Familie zurückgeben werden muss.

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