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Umgangsrecht für Großeltern - auch gegen Willen des sorgeberechtigten Vaters
[Quelle: haufe.de, 06.10.2009]

Wenn es dem Kindeswohl dient, haben Großeltern ein eigenständiges Umgangsrecht mit ihrem Enkel. Auch der Vater kann den Kontakt nicht verbieten, selbst wenn er das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht hat und die Ex-Schwiegereltern nicht (mehr) mag.

Das Gesetz sieht mittlerweile nicht nur für den getrennt lebenden Elternteil ein Umgangsrecht vor, sondern in Abstufungen auch für andere Bezugspersonen. Bei der Entscheidung über solche Kontakte steht das Wohl des Kindes im Vordergrund.


KG: angemessener regelmäßiger Umgang mit Opa + Oma

Auch wenn der sorgeberechtigte Vater den Umgang seines Sohnes mit den Großeltern ablehnt, steht diesen ein angemessener regelmäßiger Umgang mit ihrem Enkel zu.

Im fraglichen Fall lebte der achtjährige Sohn bei seinem Vater, der das Aufenthaltsbestimmungsrecht hatte.

Seine Mutter sah der Junge jedes zweite Wochenende. Den Großeltern mütterlicherseits war es nicht gelungen, ihr eigenes Umgangsrecht durchzusetzen und gegen die gerichtlich angeordnete Besuchsregelung legte der Vater Beschwerde ein: Der Kontakt zu den Großeltern schade dem Kind, unter anderem, weil diese sich nicht an seine Erziehungsvorgaben hielten.


Einmal monatlich für fünf Stunden

Die Richter sahen es anders und bestätigten die Regelung, nach der der Junge seine Großeltern einmal monatlich für fünf Stunden sehen kann. Übereinstimmende Schilderung der Familienverhältnisse hat das Gericht überzeugt, dass der regelmäßige Kontakt des Jungen zu seinen Großeltern dem Kindeswohl diene.


Tiefe Ablehnung zwischen Vater und Großeltern kein Hindernis

Der Vater habe seine Ablehnung der Grosseltern mütterlicherseits hintanzustellen. Der Vater hatte im Umgangsverfahren der Mutter den Hilfeleistungen der Großeltern mütterlicherseits beim Abholen und Zurückbringen zugestimmt.

Wenn der Vater diesen - ihm nützlichen - Kontakten der Großeltern zum Enkelkind an den Wochenenden zustimme, könne der auf lediglich einen Nachmittag im Monat beschränkte weitere Umgangskontakt zwischen den Großeltern und dem Kind auf dieses keine abträgliche Wirkung haben.


Umgang autonom gestalten

Auch müssten die Grosseltern an dem einzigen Nachmittag im Monat, den sie mit ihrem Enkel verbringen würden, keine Erziehungsvorgaben erfüllen und etwa mit dem Enkel Schulaufgaben machen.


(Kammergericht Berlin, Urteil v. 20.3. 2009, 17 UF 2/09).