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Kinderrechte

Kinder haben Rechte! Kein Mensch ist das Eigentum eines anderen. Was heute vielerorts selbstverständlich ist, war lange nicht so. Bis zur Neuzeit galt: Ein Kind ist das Eigentum seiner Eltern. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts begann sich das Bewusstsein durchzusetzen, dass das Kind kein Eigentum ist und besonderen Schutz benötigt. 1989 verabschiedet die UNO die UN-Kinderrechtskonvention. Das Ziel: Alle Kinder der Welt sollen die gleichen Rechte haben.

Die Kinderrechtskonvention stützt sich auf vier Grundprinzipien:
  1. Das Recht auf Leben und Förderung der eigenen Entwicklung.
  2. Das Recht auf Gleichbehandlung und Schutz vor Diskriminierung, unabhängig von Religion, Herkunft und Geschlecht.
  3. Das Recht auf Wahrung des Übergeordneten Wohls des Kindes.
  4. Das Recht auf Anhörung und Partizipation/Mitbeteiligung.

Alle Länder, abgesehen von den USA und Somalia, haben die Kinderrechtskonvention ratifiziert. Die UN-Kinderrechtskonvention markierte einen Wendepunkt in der Geschichte der Menschenrechte: Der Anspruch auf Wohlergehen und Respekt eines Kindes ist seit diesem Zeitpunkt im Gesetz verankert. Dies bedeutet, dass die Unterzeichnerstaaten die Pflicht haben, menschenwürdige Lebensverhältnisse für Kinder und Jugendliche zu schaffen und sie in ihrer Entwicklung zu fördern.

Ein Grossteil der Kinder- und Jugendgesetze weltweit basieren auf der UN-Konvention für Kinderrechte.

Alle fünf Jahre müssen die Unterzeichnerstaaten vor dem UN-Komitee über die Rechte des Kindes Rechenschaft ablegen. In vielen Ländern, so auch in Deutschland, haben sich Nichtregierungsorganisationen zu Nationalen Koalitionen für Kinderrechte zusammengeschlossen, die den Regierungsbericht kritisch kommentieren. Allerdings gibt es keine übergeordnete Instanz, die die Staaten zur Einhaltung ihrer Verpflichtung zwingen könnte. Auch begründet die Konvention keine von Einzelnen einklagbaren Rechtsansprüche.

Die Kinderrechtskonvention ist ein wichtiges Instrument der Zivilgesellschaft. Sie hat das Bewusstsein für Verstöße gegen Kinderrechte geschärft und in vielen Ländern zu besseren Schutzgesetzen geführt. Sie hat auch in den Industrieländern zu mehr Aufmerksamkeit für benachteiligte und ausgeschlossene Kinder geführt. Kinder werden heute ernster genommen und beteiligen sich. Allerdings klafft bis heute zwischen der formalen Anerkennung der Kinderrechte und ihrer Verwirklichung eine tiefe Lücke.

© Pro Juventute (CH)
© Unicef (D)