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ZEIT ONLINE  [Beitrag von Wiebke Toebelmann, 28.11.2011]    Seite 1/2

In Margrit Thomas' Schaukelstuhl sitzen heute zwei Puppen. Er erinnert an die Zeit, als sie noch Oma sein durfte. Damals hatte sie jeden Abend darin gesessen und ihre beiden Enkelinnen in den Schlaf gewiegt.

Jetzt sieht sie Sarah (14) und Leonie (12)* nicht mehr, sie darf ihnen nicht schreiben und nicht mit ihnen telefonieren. Ein letztes Treffen fand unter Aufsicht des Jugendamts statt. Das war vor zweieinhalb Jahren.

Was Margrit Thomas widerfahren ist, passiert vielen Großeltern. Sie verlieren den Kontakt zu den Enkeln, nachdem deren Eltern sich getrennt haben. Die Gründe sind vielschichtig. Mal möchte der sorgeberechtigte Elternteil auch die Familie des Ex-Partners aus seinem Leben streichen. Mal entlädt sich der Frust beider Partner an Oma oder Opa oder es sind alte Verletzungen im Spiel, die zu Rachegelüsten führen.

Die heute 60-jährige Margrit Thomas hatte früher im Haus ihrer Tochter und ihres Schwiegersohns gewohnt. Jeden Abend hat sie die Mädchen ins Bett gebracht und war unentbehrlich geworden. Doch dann zerbrach die Ehe.

Die Tochter zog aus. Die Oma blieb zunächst noch und kümmerte sich um die Enkelinnen. Ihr Schwiegersohn bezahlte sie als Tagesmutter. Doch als er eine neue Frau kennen lernte, landete sie zwischen den Fronten. Sie zog aus und sah die beiden Mädchen nur noch selten. Sie fühlte sich auf dem Abstellgleis. "Die Kinder wurden hin- und hergeschoben. Und ich konnte nur verlieren."

Margrit Thomas glaubt, dass es zum endgültigen Bruch gekommen sei, als sich Tochter und Ex-Schwiegersohn gegen sie, die Großmutter, solidarisiert hätten. Irgendwann sei der Punkt erreicht worden, an dem die Beteiligten nicht mehr miteinander redeten. Sie durfte Sarah und Leonie gar nicht mehr sehen.

Margrit Thomas hat in Hamburg die Selbsthilfegruppe Verstoßene Großeltern gegründet. Im Gästebuch der Website melden sich viele betroffene Omas und Opas zu Wort, aber auch die Gegenseite.

Da schreibt eine Tochter: "Meine Eltern haben mich beschimpft aufs Übelste, bedroht und ignoriert. Gleichzeitig versuchten sie, meinen Sohn zu manipulieren (...) Dann ist der Kontaktabbruch die letzte Rettung, wenn Reden nicht geht. Nicht nur Eltern instrumentalisieren Kinder, das können auch Großeltern." In einem anderen Eintrag heißt es: "Liebe Großeltern – seid auch mal ehrlich zu euch selbst und macht uns, den abtrünnigen Kindern/Schwiegerkindern, das Leben nicht zur Hölle. Zur Trennung gehören immer zwei!"

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