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Tönisvorsterin will Selbsthilfegruppe für verstoßene Großeltern gründen
Von Werner Dohmen [24. September 2012]

Tönisvorst. Mit Oma einen Kuchen backen. Opa beim Unkrautjäten helfen. Und dann mit beiden zusammen in den Zoo: Für Großeltern und Enkelkinder ist ein gemeinsamer Tag ein Traum. Doch der kann schnell zum Albtraum werden, wenn die Kinder im Streit von Erwachsenen als Waffe eingesetzt werden. "Dann werden Großeltern mit dem Entzug ihrer Enkel bestraft", berichtet eine Tönisvorsterin, die anonym bleiben möchte. Gemeinsam mit einer anderen Betroffenen möchte sie deshalb im Raum Krefeld/Kreis Viersen eine Selbsthilfegruppe gründen.

Ohne psychologischen Beistand geht es oft nicht

Die Gründe, warum Großeltern ihre Enkel nicht sehen dürfen, sind vielfältig. Mal verstehen sie sich nicht mit der Schwiegertochter oder dem Schwiegersohn, mal haben die eigenen Kinder den Kontakt abgebrochen. Oder eine Scheidung hat die Familie zerrissen. "Plötzlich stehen sie dann ganz allein da", berichtet die Tönisvorsterin. Die Folgen sind Selbstvorwürfe, Frustration, Trauer und Verzweiflung. "Ohne psychologischen Beistand kommen sie da nicht raus", sagt die Frau.

Sie selbst hat sich den Beistand eines Profis gesucht. Nun möchte sie auch anderen Betroffenen in der Selbsthilfegruppe "ein bisschen Mut machen". "Dort merken viele dann erst, dass sie gar nicht die Einzigen mit diesem Problem sind." Zuvor machen die Betroffenen ihr eigenes Leid häufig nur mit sich aus. Sie reden nicht darüber, weil sie sich schuldig fühlen, weil sie sich schämen.

In einer Selbsthilfegruppe, so die Tönisvorsterin, könnten die "verstoßen Großeltern" mit anderen über ihre Erfahrungen sprechen. Gemeinsam könne dort nach Wegen gesucht werden, um mit der Situation fertig zu werden. Bundesweit eine der ersten Gruppen dieser Art ist 2009 in Hamburg gegrüdet worden - ebenfalls von einer betroffenen Frau.

Im Oktober steht die Grüdung einer Gruppe in Düsseldorf bevor. "Doch wie ich weiß, gibt es auch hier in unserem Raum etliche Betroffene", sagt die Tönisvorsterin. Daher strebt sie mit ihrer Bekannten die Grüdung einer eigenen Selbsthilfegruppe an. Der Kontakt soll über die Selbsthilfe-Stelle in Krefeld laufen. "Niemand sollte sich schämen, anzurufen", sagt die Tönisvorsterin.