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  30.Mai 2012

Der Hass einer Schwiegertochter; bzw. das Kind als Waffe

Als die Ehe ihres Sohnes zerbrach, hätte Andrea nie gedacht, dass dies noch ein sehr bitteres Nachspiel haben würde. Ihre Schwiegertochter wollte den Großeltern den Umgang mit Enkeltochter Emily verbieten. Das Ganze landete sogar vor Gericht...

Der Brief unserer Schwiegertochter Gila kam, drei Tage nachdem die Scheidung von unserem Sohn Patrick ausgesprochen war. Sie teilte uns in dürren Worten mit, dass sie uns jeden Kontakt zu unserer Enkelin Emily untersagte. Sollten wir dies missachten, würde sie ein Gericht einschalten, um das Verbot amtlich bestätigen zu lassen.

Mein Mann Kurt und ich waren fassungslos. „Das ist nicht wahr", sagte ich. „Das ist unmöglich, das darf sie nicht." Doch der Brief sprach eine deutliche Sprache. Ich verstand Gila nicht. Wusste sie denn nicht, was das für die Achtjährige bedeutete? Nach der Trennung vom Vater sollte sie nun auch noch die Großeltern verlieren, die einzige sichere Insel in einem neuen, unsicheren Leben.

Niemals mischten wir uns in den Streit ein

„Warum", fragte ich, „warum denn nur? Emily liebt uns doch, und wir lieben sie. Gila weiß das. Warum denkt sie nicht an das Mädchen? Und...", meine Tränen erstickten meine Stimme, „an uns? Was haben wir ihr denn bloß angetan?"

Wir fragten uns, was sie der Kleinen wohl erzählt und wie die es aufgenommen hatte. Ich stellte mir immer wieder meine zarte Emily vor, die sich so gern auf meinen Schoß kuschelte. Ich konnte nicht aufhören zu weinen. Kurt werkelte draußen in seiner Modell-Werkstatt, und ich wusste, dass er dabei unentwegt an unsere Enkelin dachte. Das Basteln war seine Art, sich abzulenken.
Ganz sicher vergoss auch mein Mann dabei ein paar Tränen. Nur sehen sollte das niemand. Doch Kurt war genauso verzweifelt wie ich. Immer wieder stellte ich mir die Frage: Warum hasste unsere Ex-Schwiegertochter uns denn nur so? Es gab dafür keine Erklärung.

Wir hatten uns bewusst zurückgehalten, als es in der Beziehung unseres Sohnes zu kriseln begann und schließlich die Ehe zerbrach. Niemals machten wir ihm oder Gila deswegen einen Vorwurf. Auch dann nicht, als unsere Schwiegertochter aus Unzufriedenheit mit ihrem Mutter- und Hausfrauenleben immer ungenießbarer und ungerechter wurde. Natürlich bemerkten wir, dass sogar Emily darunter litt. Nein, wir mischten uns dennoch nicht ein, sondern boten unsere Hilfe an. Wir hätten uns gern um das Kind gekümmert, wenn Gila eine Stellung gefunden hätte. Aber sie bekam nur Absagen auf ihre Bewerbungen, und das machte sie noch unzufriedener.
Wir hielten uns auch dann noch zurück, als sie schließlich einen Seitensprung unseres Sohnes dazu benutzte, die Scheidung durchzusetzen. Unser Ziel war nur: weiterhin mit ihr auszukommen. Sie war die Mutter unserer Enkelin. Uns lag an Harmonie, auch nach dem Auseinandergehen der Erwachsenen. Sie aber hasste uns, und wir wussten nicht warum.

Nach vielen schlaflosen Nächten fassten wir endlich einen Entschluss. Wir wollten unsere Emily sehen, wollten wissen, wie es ihr ging, miterleben, wie sie sich entwickelte. Wenn dies auf friedlichem Wege nicht zu erreichen war, mussten wir eben kämpfen. Unser Sohn bestärkte uns darin. Er wollte uns helfen, dabei litt er selbst unter seiner Machtlosigkeit.
Wir engagierten einen Rechtsanwalt. Der machte uns Hoffnungen. Denn auch Großeltern hätten ein einklagbares Umgangsrecht, wenn es „für das Kindeswohl förderlich sei". Da Emily eine Zeit lang bei uns gelebt hatte, als unsere Schwiegertochter sich noch in der Ausbildung befand, hatten wir gute Aussichten auf Erfolg. So ermutigt, wagten wir tatsächlich den Schritt zum Gericht. In der Verhandlung sollte dann sogar gegen Gilas Willen meine zauberhafte Emily gehört werden. Mit zitternden Herzen fuhren wir zu diesem Termin.

Unsere Ex-Schwiegertochter kam allein ins Familiengericht. Ihre Feindseligkeit war mit Händen zu greifen. Als der Richter sie fragte, wo die Tochter sei, sagte sie aggressiv. „Sie wartet unten. Ich hoffe, Sie ersparen dem Mädchen diesen Zirkus."

Die Kleine flog lachend in unsere Arme

Und dann erklärte Gila, dass sie Angst hätte, dass wir Emily gegen sie aufhetzen würden, redete sogar von Entführung. Das traue sie uns zu. Meinem Mann und mir blieb beinahe das Herz stehen. Doch der Richter blieb bei diesen Anschuldigungen ganz ruhig. Er fragte immer wieder nach, bis sie schließlich einräumte, dass es für ihre Befürchtungen nicht den geringsten Anlass gab.
„Könnte es sein, dass sich alle Enttäuschungen Ihres Lebens in einem völlig sinnlosen und für Ihre Tochter schädlichen Hass gegen Ihre ehemaligen Schwiegereltern bündeln?", fragte der Richter schließlich. Sie zuckte nur mit den Schultern und senkte den Kopf. Diese Geste war Antwort genug.

Den Ausschlag gab aber schließlich Emily. Als sie hereingerufen wurden, flog sie in unsere Arme. „Oma, Opa!" Sie lachte und weinte. Das Mädchen war so aufgeregt, dass es abwechselnd Kurt und mich umarmte. Und dann drehte sich unsere Enkelin plötzlich zum Richter um und sagte mit leiser Stimme: „Bitte, Herr Richter, bitte, bitte! Lassen Sie mich wieder zu Oma und Opa gehen. Ich habe sie doch beide so lieb."

Damit war es entschieden. Gila stützte vor Scham und Wut den Kopf in ihre Hände. Kurt und ich aber weinten vor Glück. Hand in Hand mit unserer Süßen verließen wir das Gericht. Emily wollte an diesem Tag bei uns bleiben.
Ihre Mutter erlaubte es wortlos. Dann verschwand sie, ohne sich umzusehen. In diesem Moment tat sie mir richtig leid. Es wird der Tag kommen, an dem wir ihr verzeihen können. Ich hoffe, dass sie dann wieder mit uns spricht. Um Emilys willen. Wir alle sind es dem Kind schuldig.



Unser Kommentar: Endlich ein Urteil zum Wohle des Kindes!