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  02.11.2013

Leserbriefe zu: Enkel-Verbot lässt Träume platzen

Das deutsche Familienrecht ging schon aus dem kaiserlichen Besitzrecht hervor. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass unser Staat im Gegensatz zu dem in Frankreich Eltern gestattet, ihren eigenen Kindern einen Kontakt zu ihren Großeltern ohne weitere Rechtfertigung zu verbieten.

Das Kindeswohl spielt dabei eine untergeordnete Rolle, weil die „Kindesopfer“ weder gefragt noch aus den Konflikten der Erwachsenen herausgehalten werden.

Sie werden vielmehr manipuliert und als Waffe gegen die eigenen Großeltern eingesetzt.

Kümmert das unseren Gesetzgeber?

Nein! Erst kürzlich hat der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages einen betroffenen Großvater auf Anfrage beschieden, dass hier kein Handlungsbedarf vorliege. Wie in dem unsäglichen Streit um unser Bildungssystem, auf welche Weise man ein Kind (Behältnis) mit welchem Wissen bis zur Gänze befüllen soll, spielt das fantastische junge menschliche Wesen mit ungeahntem Potenzial und seinen eigenen Bedürfnissen in all diesen Überlegungen überhaupt keine Rolle. Den Kindern wird die notwendige liebevolle Unterstützung zur Entfaltung der eigenen Persönlichkeit schlichtweg in diesem Land verweigert.

Arme Kinder, dummes Deutschland, traurige Zukunft!

Manfred Keilmann
Bad Zwischenahn



Nach der sogenannten Cochemer Praxis, in weiten Teilen der Republik schon angewandt, setzen sich die an Familiensachen beteiligten Professionen wie Familienrichter, Jugendamt, Fachanwälte, Mediatoren, Sozialarbeiter und gegebenenfalls Sachverständige (...) zusammen, um zu tragfähigen guten Ergebnissen zum Beispiel in der Frage des Umgangsrechts „zum Wohle der Kinder“ außerhalb einer gerichtlichen Entscheidung zu gelangen. Dadurch will man erreichen, dass gesprochen und nicht strittig geschrieben wird.

Warum wird dieses Verfahren bei uns im Nordwesten durch die Familiengerichte nicht praktiziert? Wir Selbsthilfegruppen haben bei allen Professionen – mit Ausnahme der Familiengerichte in den hiesigen Amtsgerichten – offene Türen für Gespräche gefunden. Familiengerichte verweigern dieses mit Hinweisen auf eine „mögliche“ Befangenheit bei nachfolgenden Verfahren, obwohl wir ja keine Einzelfälle ansprechen wollen. Oder sie verweisen auf die Entscheidungsfreiheit der Richter und darauf, dass sie als Amtsgerichtsdirektoren nicht Vorgesetzte der Familienrichter sind. (...)

Es wäre zu wünschen, dass in einer Bürgergesellschaft auch diese „Festungen Amtsgerichte“ mehr Bürgernähe praktizieren. Gerade jetzt, wo doch die Landesregierung die Bürgerrechte stärken und auch die richterliche Eigenverantwortung hervorheben will.

Auch von der Anwaltskammer wünschen wir uns, dass sie ihre Fachanwälte für das sensible Familienrecht immer wieder auf den abgelegten Eid hinweist, in Familiensachen streitschlichtend und rechtsgestaltend zu wirken. Das erfordert auch eine Einbindung der eigenen Mandanten.

Karin Gebauer
Selbsthilfegruppe „Enkel brauchen ihre Großeltern“ bei KISS/Paritätischer Friesland, Varel


(...) Auch ich habe in Hamburg eine Selbsthilfegruppe für verstoßene Großeltern gegründet, weil ich nicht allein mit meinem Problem auf diesem Planeten bin. Seit der Gründung der Gruppe und Errichtung unserer Website, bekomme ich mehrmals wöchentlich Reaktionen von Betroffenen, die in ganz Deutschland beheimatet sind.

In den vergangenen Jahren konnte ich feststellen, dass dieses Thema von vielen Medien aufgegriffen und veröffentlicht wird. Ich persönlich bin sehr dankbar dafür, dass es doch noch viele Betroffene gibt, die sich nicht verstecken, sondern für ihre Rechte und die unserer Enkelkinder kämpfen.

Leider wird bisher nur in einigen wenigen Amtsgerichten die sogenannte „Cochemer Praxis“ mit sehr positivem Ergebnis für alle Betroffenen angewendet. Zu wünschen wäre, dass auch andere Gerichte sich an dieser Praxis ein Beispiel nehmen. Weiterhin wäre es angebracht, wenn sich die Politik dieser Thematik annehmen würde und den (...) Paragrafen 1685 dahingehend ändert, dass nicht das Recht der Großeltern auf Umgang mit ihren Enkeln, sondern das Recht der Enkel auf Umgang mit ihren Großeltern fest geschrieben wird.

Margrit Thomas
Norderstedt