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Wenn die eigenen Kinder plötzlich die Bande zwischen Großeltern und Enkeln kappen, beginnt für beide Seiten oft ein leidvoller Weg

Dorsten. Intakte familiäre Bindungen - in unserer heutigen Zeit keine Selbstverständlichkeit mehr. Und in vielen Fällen werden in unserer Wegwerfgesellschaft bei einer Trennung die Großeltern gleich mit "entsorgt". Wenn ich meinen Partner nicht mehr will, warum soll ich dann seine Eltern noch akzeptieren? Und dem "Ex" wohlmöglich über den Kontakt zu seinen Eltern vielleicht doch noch ein Hintertürchen ins Familienleben oder in die Herzen der Kinder öffnen.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch Unstimmigkeiten zwischen Kindern und ihren Eltern. Da wird der Kontakt zueinander dann nicht nur auf Erwachsenenebene gekappt, sondern die (Enkel-)Kinder gleich mit ins Boot gesetzt. Ob sie wollen oder nicht. Mitunter verstehen die meisten Kinder gar nicht, warum sie Opa und Oma nicht mehr besuchen oder nicht mehr mit ihnen telefonieren dürfen. Nur selten folgen Erklärungen. Noch seltener die Möglichkeit, dass die Kinder selbst entscheiden, ob sie Opa und Oma trotz der Unstimmigkeit der Erwachsenen weiter sehen möchten.

Kinder sind ein beliebtes und somit leider auch ein oft missbrauchtes Druckmittel. "Wenn Du nicht nach meiner Pfeiffe tanzt, nicht das tust, was ich möchte, dann siehst Du eben Deinen Enkel nicht mehr. Du hast die Wahl", hat ein Großelternpaar aus Dorsten sich beispielsweise immer wieder sagen lassen müssen. Sie haben jahrelang nachgegeben, sind auf die Geldforderungen der Tochter eingegangen - aus Liebe zu den Enkeln.

Die Gründe, warum Familienbande zerschnitten werden, sind vielfältig. Und es gibt sicherlich mitunter auch berechtigte Gründe dafür, "auf Abstand" zu gehen.

Aber es ist ein tränenreicher Weg. Ein mit sehr viel Leid besetztes Thema. Eines, das viele Großeltern seit Jahren mit sich alleine ausmachen. Andere dagegen haben jetzt den Weg in eine Selbsthilfegruppe mit Sitz in Essen-Katernberg gewählt. Sieben Teilnehmerpaare davon kommen aus Dorsten.