Sie befinden sich hier: Wissenswertes > Printmedien


Hamburger Abendblatt  [Von Mensch zu Mensch - "Ich möchte so gern wieder meine Enkelsöhne sehen", 14.12.2013]


"Ich möchte so gern wieder meine Enkelsöhne sehen"

Eine Großmutter hat seit Jahren ihre Tochter und die Enkelsöhne nicht mehr gesehen. Sie bittet um Tipps, wie sie wieder Kontakt bekommen kann. Dazu antwortet Magrit Thomas von den "Verstoßenen Großeltern".

Foto: picture-alliance

Es ist schön, Großvater zu sein


Frage: "Seit drei Jahren habe ich meine Enkelsöhne nicht gesehen. Immer wieder habe ich darum gebeten, aber meine Briefe werden von Seiten der Mutter, meiner Tochter, ignoriert. Ich hatte bis dahin ein enges und sehr liebevolles Verhältnis zu den Jungen. Sie verbrachten Ferientage bei mir und ich besuchte sie regelmäßig, holte sie sogar nach meiner Arbeit aus dem Kindergarten ab. Auch mein letztes Schreiben, worin ich auf das Umgangsrecht hinwies, blieb unbeantwortet. Die Sommerferien sind verstrichen, ohne das ich die Jungen sah. Inzwischen bin ich unglaublich wütend. Meine jahrelange Erfahrung mit Betroffenen zeigt, dass es jedem passieren kann, ganz plötzlich, aus nichtigem Anlass und aus heiterem Himmel. Was ist in Kinder gefahren, die selber Mütter sind und ihren eigenen Müttern so etwas antun? Was kann ich tun, um wieder Kontakt zu meinen Enkeln zu bekommen?

Gudrun K.

Magrit Thomas von der Selbsthilfegruppe "Verstoßene Großeltern" antwortet:

Es ist sehr schlimm, was Ihnen mit Ihren Enkelkindern widerfahren ist, aber wie Sie auch schreiben, kein Einzelfall. Sie können nur versuchen, Ihrer Tochter aufzuzeigen, dass sie mit der Trennung der Enkelkinder von Ihnen (der Oma) den Kindern sehr weh tut und ihre Kinder als Waffe gegen Sie einsetzt. Die Frage, warum Töchter das tun, kann auch ich Ihnen nicht beantworten, da ich sie mir aus eigener Erfahrung immer wieder selbst stellen muss.

Natürlich leiden auch Sie sehr unter der Trennung, allerdings gehen wir Erwachsenen damit anders um als unsere Enkelkinder. Sie haben das Recht, Ihr Problem einem Richter vorzulegen, denn §1685 des Bürgerlichen Gesetzbuches besagt, dass auch Großeltern ein Recht auf Umgang mit den Enkeln haben. Allerdings müssen Sie dann beweisen, dass dieser Umgang dem Kindeswohl dient, ein fast unmögliches Unterfangen, so zeigen es die meisten Gerichtsurteile.

Leider kann ich nur aus meiner Erfahrung sagen, dass Kinder von der Mutter oder auch vom Vater so manipuliert werden, dass sie, wenn sie von einem Richter befragt werden, aus Loyalitätsgründen nur das sagen, was ihnen die Eltern vorgeben, um sich nicht mehr mit den Problemen der Erwachsenen auseinandersetzen zu müssen. Die Folge ist, dass Kinder, so zeigen Studien, oftmals unter PAS (Parental Alienation Syndrome, zu deutsch: einem Eltern-Kind-Entfremdungs-Syndrom) leiden. Sie sollten Ihren Enkelkindern durch Karten und kleine Geschenke zeigen, dass Sie an sie denken und für sie da sein möchten. Allerdings besteht natürlich die Möglichkeit, dass diese Sachen die Kinder nicht erreichen. Heben Sie deshalb einfach Quittungen und dergleichen auf, oder fertigen Sie Kopien an. Wenn die Kinder selbst entscheiden können und die Frage "Oma, warum hast Du Dich nicht um uns gekümmert?" auftaucht, können Sie den Kindern zeigen, dass sie sehr wohl an sie gedacht und um sie gekämpft haben.

Geben Sie die Hoffnung nicht auf, dass die Kinder eines Tages vor Ihrer Tür stehen. Kinder suchen Ihre Wurzeln!

Weitere Infos unter: Selbsthilfegruppe "Verstoßene Großeltern" info@verstossene-grosseltern.de, www.verstossene-grosseltern.de

Haben Sie Fragen an einen Experten schreiben Sie gern eine E-Mail an: mensch@abendblatt.de unter dem Stichwort: Lebensnah