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Fachtagung: «Parental Alienation Syndrome»

[SHG "Entsorgte Eltern und Großeltern" in Kooperation mit LEUPHANA, 11.06.2011 in Lüneburg]


Dr. jur. Jorge Guerra Gonzales informierte über die Rechtsgrundlage:

Leid durch Familienzerstörung

"Entsorgte Eltern und Großeltern" fordern mehr Rechte gegen "Kinderklau "

inaLüneburg. Eine Galerie trauriger Bilder beherrscht den Flur der Leuphana Universität. Anklagende Fotografien wie die eines unglücklich dreinblickenden Vaters, der das Porträt seiner Tochter in die Kamera hält. Trennung, Isolation, Verzweiflung - der Fotograf und betroffene Vater Gerhard Scheidig gibt die Gefühle der von ihren Kindern entfremdeten Eltern und Großeltern in 17 Szenen berührend wieder. Die Idee, die Fotos in der Ausstellung "Bilder beginnen, wo Worte enden" zu präsentieren, entstand bei einer Versammlung des Vereins PAS-Eltern, dessen Ziel es ist, die Öffentlichkeit über die negativen Auswirkungen der Eltern-Kind-Entfremdung aufzuklären und eine Kultur des Hinschauens und Handelns entstehen zu lassen.

Die Abkürzung PAS steht für "Parental Alienation Syndrome" - dem Thema der Fachtagung im Hörsaal 3 des Instituts für Psychologie. Moderiert von der Psychologin Sabine Unrau referierten auf Einladung der Selbsthilfegruppen "Entsorgte Eltern und Großeltern" in Lüneburg und Geesthacht Experten und Betroffene über die leidvolle Lage von Menschen mit Trennungsschmerz.

Prof. Dr. Wollgang Klenner informierte die 250 Anwesenden über die Aspekte "Vom Urvertrauen (nach Erikson) zur Entfremdung (nach Gardner)" und dem Erkennen und Handeln angesichts eines Kinderschicksals. Die Autorin Manuela Rösel ("Weil du mir gehörst - wenn Borderline-Eltern um ihr Kind kämpfen") sprach über die Auswirkungen von Familientraumata auf das Scheidungsgeschehen. Doch nicht nur die Konsequenzen für Psyche und Seele spielen für die Getrennten eine entscheidende Rolle. Auch die aktuelle Rechtslage provoziert Unmut und Kummer. "Seit Jahren verstoßen zahlreiche deutsche Familienrichter gegen deutsche und internationale Gesetze", behauptet das ausgelegte Faltblatt. "Gerichtsverfahren finden grundsätzlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, deswegen sind ihre Beschlüsse/Urteile nicht nachprüfbar."

Zur besseren Klärung der Gesetzeslage referierten hierzu Hans-Christian Prestien, ehemaliger Familienrichter und Vorsitzender des Verbands "Anwalt des Kindes", sowie der Lüneburger Dozent Dr. Jorge Guerra Gonzales zum Thema "Entfremdung kommt nicht von allein - Der Beitrag des Familienrechts zur Entstehung von PAS".

Seine Kritik gilt vor allem der Nichtanwendung zweier Artikel des Grundgesetzes: "Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden" und "Gegen den Willen der Erziehungsberechtigten dürfen Kinder nur auf Grund eines Gesetzes von der Familie getrennt werden, wenn die Erziehungsberechtigten versagen oder wenn die Kinder aus anderen Gründen zu verwahrlosen drohen".

Dass auf die zuständigen Juristen künftig viel Arbeit zukommt, belegen die Zahlen: Pro Jahr gibt es 220.000 neue Fälle, für die sich die Frage nach der Erklärung des gemeinsamen Sorgerechts stellt.

Quelle: Lüneburger Landeszeitung