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Viel Geld für viel Leid  
Wie Gerichtsgutachter Familien zerstören
Ein Film von Christiane Cichy und Jürgen Magister [04.11.2015] Familienpsychologische Gutachten sollen bei Gericht klären, was mit Kindern passiert, wenn sich die Eltern nach einer Trennung nicht auf das Sorge- oder Umgangsrecht einigen können.

Fehlerhafte Gutachten können zu fatalen Entscheidungen führen. Sie sind oft das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt sind; sie sind teuer und folgenschwer.

Mit Kindern Kasse machen?  
Wie Heimkinder ins Ausland verbracht werden
Ein Film von Nicole Rosenbach, Naima El Moussaoui, Jan Schmitt [30.04.2015] Wenn das Jugendamt einschreitet und Kinder aus Familien heraus nimmt, schlägt die Stunde der privaten Träger, die sich um die Unterbringung der Jugendlichen kümmern sollen.
Ein riesiger Markt, der offenbar kaum kontrolliert wird und der ganz neue Geschäftsmodelle schafft. MONITOR-Recherchen decken ein System auf, in dem Jugendliche in dubiosen Einrichtungen im Ausland eher verwahrt statt pädagogisch betreut werden, während die Verantwortlichen in Deutschland dafür öffentliche Gelder kassieren.

Gutachten mangelhaft  
Ein Film von Daniela Hoyer und Judith Schneider [16.04.2015] Ob ein Tatverdächtiger die Wahrheit sagt oder ein Elternteil für die Erziehung geeignet ist - bei vielen Fragen müssen sich Richter auf Fachleute verlassen. Das hat oft bittere Folgen für die Betroffenen. Prof. Christel Salewski hat 116 psychologische Gutachten untersucht und kommt zu einem
verheerenden Ergebnis: Hier herrscht Willkür, von wissenschaftlicher Methodik kaum eine Spur. Ein Systemfehler?

Jedes Jahr werden in Deutschland rund 170.000 Ehen geschieden. Davon sind etwa 140.000 Kinder betroffen. Elmar Bergmann hat als Richter unzählige Gutachten in Auftrag gegeben. Seit seiner Pensionierung arbeitet er als Anwalt für Familienrecht. Sein Urteil nach 40 Jahren Berufserfahrung ist eindeutig: Mehr als die Hälfte der familienpsychologischen Gutachten sind unbrauchbar. Die angeblichen Sachverständigen sind häufig unqualifiziert. Ihre Empfehlungen beruhen allzu oft auf Vorurteilen und Bauchgefühl. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass viele Gutachter pseudo-wissenschaftliche Testverfahren verwenden.

Die Hälfte der Gutachten hat erhebliche Mängel

Wie häufig sind Gutachten mangelhaft? Dazu gibt es bislang kaum wissenschaftliche Erkenntnisse. Die Psychologin Christel Salewski von der Fernuniversität Hagen will das ändern. Für eine Studie überprüfte sie mehr als 100 familienpsychologische Gutachten an verschiedenen Gerichten in Nordrhein-Westfalen. Bei der Hälfte der Gutachten fand sie erhebliche Mängel. Jedes dritte stützt sich auf fragwürdige Diagnose-Methoden. Und: Nur jedes vierte untersuchte Gutachten wurde von einem zertifizierten Fachpsychologen erstellt. Eine weitere Schwachstelle ist die Verständlichkeit. Sogar für Richter ist das Fachvokabular oft zu kompliziert.

Gutachter heißen streng genommen Sachverständige. Sie besitzen "Sachverstand" zu einer speziellen Fragestellung und dienen als Gehilfen des Richters. Das Problem ist, dass beispielsweise im Familienrecht dieser "Sachverstand" nicht näher definiert ist. Und es existieren keine verbindlichen Qualitätskriterien für psychologische Gutachten. Bei Strafprozessen gilt: Begutachtende Psychologen oder Psychiater müssen einen Hochschulabschluss vorweisen. In der Regel durchlaufen sie Fortbildungen in Rechtspsychologie. Dazu verpflichtet sind sie nicht.

Signale erkennen und verstehen

Wegen mangelhafter Gutachten sitzen immer wieder Menschen unschuldig im Gefängnis. Wie lässt sich ein solches Versagen des Systems vermeiden? Im Strafrecht steht häufig Aussage gegen Aussage. Um Lügner zu entlarven, können Gutachter auf eine Reihe Signale achten. Sie müssen diese Signale aber erkennen und verstehen. Die wohl größte Herausforderung für einen Gutachter sind Zeugen, die Unwahres berichten, ohne sich dessen bewusst zu sein. Ihre Erlebnisse sind nur eingebildet, sie tragen Pseudo-Erinnerungen vor - aber glauben fest daran.

Psychologen können Pseudo-Erinnerungen aufspüren, indem sie die Entstehung der Aussage nachverfolgen. Straftäter können ohne Schuld sein - und trotzdem gefährlich sein. Die Allgemeinheit muss vor ihnen geschützt werden. Solche meist psychisch kranken Täter landen deshalb im Maßregelvollzug. Dann wird regelmäßig geprüft: Ist der Täter noch immer gefährlich? Oder kann er entlassen werden? Ein Psychiater erstellt dazu ein Risikoprofil des Täters.

Gutachter verfügen über eine große Macht, ihr fachliches Urteil entscheidet über den Verlauf von Menschenleben. Und doch kommt es vor, dass Gutachten fehlerhaft und unprofessionell unter Missachtung wissenschaftlicher Standards erstellt wurden.

Mit Kindern Kasse machen  
Ein Film von Nicole Rosenbach und Anna Osius [23.02.2015] Jeden Tag werden im Durchschnitt 100 Kinder und Jugendliche aus ihren Familien genommen und in Einrichtungen untergebracht. Die Jugendämter wollen sie vor ihren Eltern schützen und verhindern, dass sie vernachlässigt oder gar misshandelt werden. Diese "Inobhutnahmen" sind seit 2005 um 64
Prozent gestiegen. Sie sind traumatisierend für die Seelen der Kinder. Aber nötig und sinnvoll, wenn sie zuhause wirklich in Not sind und in Heimen besser betreut werden und sich entfalten können.

Die Jugendämter, die diese "Inobhutnahmen" beschließen, sind unter Druck: Fehlentscheidungen können das Leben der Kinder und ihrer Familien zerstören. Doch sie sind allerorts überlastet. Nicht selten betreuen Mitarbeiter bis zu 90 Familien. Sie beauftragen freie Träger, sich um die Unterbringung der Kinder zu kümmern. Eine der sensibelsten Aufgaben des Staates, die Betreuung von Kindern und Jugendlichen in Not, ist nahezu komplett privatisiert.

Der Markt der stationären Einrichtungen wächst und ist lukrativ. Ein einziger Platz in einem Heim kostet die Kommunen im Jahr rund 50.000 Euro. Doch ob dieses Geld wirklich zum Wohl der Kinder und Jugendlichen verwendet wird, wird kaum überprüft: Den Jugendämtern fehlt die Zeit und ihre Eltern sind dazu nicht in der Lage.

Wenn junge Menschen über Missstände in ihren Einrichtungen klagen, dann wird ihnen wenig Gehör geschenkt. So gerät das Heer der freien Jugendhilfeträger – darunter Privatunternehmer, Verbände, gemeinnützige Vereine – selten ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Doch nicht allen geht es allein um das Wohl der ihnen anvertrauten 140.000 Kinder und Jugendlichen. Längst ist die Jugendhilfe auch ein großes Geschäft geworden.

Mut gegen Macht
Wenn Gerichtsgutachten Familien zerstören
Ein Film von: Justine Rosenkranz und Jan Schmitt [13.10.2014] Gutachter an Familiengerichten können über die Zukunft ganzer Familien entscheiden – über die Frage, ob ein Kind beim Vater oder der Mutter lebt, wie oft ein Elternteil es sehen darf oder ob es sogarin einem Heim leben
muss.

Dieser Film erzählt von Fällen, bei denen Gutachten nachgewiesenermaßen gravierende Mängel aufweisen, die zu hanebüchenen Urteilen führen und ganze Familien zerstören. Nur mit Mut und Durchhaltewillen können Eltern dagegen vorgehen, denn die Gutachter haben vor Gericht viel Macht.

Doch ob sie überhaupt für diese wichtige Aufgabe qualifiziert sind, ist gesetzlich nicht vorgeschrieben. Auch kontrolliert werden die Gutachter von niemandem. Der Film geht dramatischen Fällen nach, erzählt die Leidensgeschichten betroffener Eltern und Kinder und zeigen, dass unser Justizsystem hier dringenden Reformbedarf hat.

Mut gegen Macht
Gespräch mit dem Rechtsanwalt und ehemaligen Familienrichter
Elmar Bergmann
[13.10.2014] Zahlreiche Gutachten haben gravierende Mängel, ordnet unser Gesprächspartner Elmar Bergmann ein, die die Richter nicht bemerken. Elmar Bergmann hat in seinem Berufsleben viele dieser Fälle begleitet -
zunächst als Familienrichter, dann als Rechtsanwalt. Die Ausbildung der Gutachter sei ein riesengroßes Problem, erklärt er im Interview.

Norbert Blüm - Einspruch!
Interview mit Dr. Norbert Blüm [18.09.2014] Jahrelang hat er für die Rente gekämpft. Nun knöpft sich Norbert Blüm die deutsche Justiz vor: In seinem neuen Buch prangert er Urteile an, die an Zynismus und Tragik kaum zu überbieten sind.

Das Kind ist weg
Mangelhafte Gutachten, fragwürdige Urteile
Ein Film von: Anett Wittich [15.10.2014] "Das war das Schlimmste, was ich je erlebt habe", sagt Anna heute. An jenem Montag im Oktober vergangenen Jahres holen Vertreter des Jugendamtes das völlig ahnungslose Mädchen aus dem Unterricht. Vor den
Augen von Klassenkameraden und Lehrern.
Das Kind wird in eine fremde Stadt ins Heim gebracht. Ganze acht Monate, getrennt von Familie und Freunden. Über das Sorgerecht für ein Kind entscheidet das Familiengericht meist auf der Grundlage familienpsychologischer Gutachten von Sachverständigen. Die Richter folgen fast immer deren Empfehlungen und genau hier liegt das Problem: In etwa jedes zweite Gutachten sei fehlerhaft, kritisieren Wissenschaftler der Fernuniversität Hagen in einer aktuellen Studie. Die oft mangelhafte Qualität der Expertisen hängt mit einem weiteren Problem zusammen. Viele, die ein Sorgerechtsgutachten erstellen, sind unzureichend ausgebildet, die Tests häufig veraltet. Und: Gutachter ist kein geschützter Beruf. Theoretisch kann jeder zum Sachverständigen vor Familiengerichten ernannt werden. Die Zeche zahlen die Kinder, die völlig unnötig aus ihrem Umfeld gerissen werden und Monate oder Jahre lang in Pflegefamilien oder Heimen leben müssen.

Was taugen familienpsychologische Gutachten tatsächlich? Wer wacht darüber, ob sie geltende wissenschaftliche Standards einhalten? "Exakt – Die Story zeigt den Alltag und das emotionale Chaos der betroffenen Kinder und wie sie versuchen, damit fertig zu werden. Warum sind so viele Gutachten mangelhaft? Und welche Möglichkeiten gibt es, die jetzige Situation zu verändern? Es werden dazu Antworten auf diese Fragen mit Eltern, Kindern und Experten gesucht.

Aktenzeichen Pflegekind
Ein Film von: Gesine Enwaldt und Kersten Schüßler [05.03.2013] Jugendämter entscheiden über Pflegekinder häufig nur nach Aktenlage. "Panorama - die Reporter" hat drei Pflegefamilien ein Jahr lang begleitet und bestürzende Entwicklungen erlebt.
Dennis hat seinen Eltern ein Bild gemalt. "Für Mama und Papa" steht auf dem Papier neben drei Kritzelmännchen. Doch der Sechsjährige darf die Menschen, die er Papa und Mama nennt und bei denen er sein ganzes Kinderleben verbracht hat, kaum noch sehen.

Das Jugendamt hat Dennis gegen seinen Willen im Heim untergebracht. "Dabei hatte er hier seine Freunde, freute sich auf unseren gemeinsamen Urlaub und wusste schon, wen er zu seinem Geburtstag einladen will", erzählt Pflegemutter Anja Schneider.

Ämter entscheiden nach Aktenlage

Die Pflegeeltern wollen weiter um den Jungen kämpfen, obwohl sie gesundheitlich und finanziell am Ende sind. Ämterkrieg und teure Gerichtsverfahren haben sie zermürbt. Es sind Geschichten wie diese, die zeigen, wie unsicher die Situation von Pflegekindern häufig ist. In vielen Fällen entscheiden Jugendämter vor allem nach Aktenlage und kennen die Familien kaum. Zu viele Fälle auf dem Schreibtisch, zu wenig Zeit für Besuche.

Mancher Behörde sitzt auch noch der Spardruck im Nacken - und ein Kind zurück in die Herkunftsfamilie zu geben, kann für das Amt die kostengünstigere Variante sein. Viele Pflegeeltern werden kaum betreut und unterstützt, sie durchleben eine emotionale Achterbahnfahrt.

Kinder werden vor Gericht gezwungen

Auch die fünfjährige Sandra lebte in den letzten Jahren in einem Zustand dauernder Verunsicherung: Muss sie zu ihren leiblichen Eltern zurück oder darf sie bei ihren Pflegeeltern bleiben? Gegen die angeordneten Besuche bei ihrer Herkunftsfamilie sträubte sich das Mädchen heftig. Schließlich mutete ihr das Amt sogar einen Gerichtsprozess zu, der sie schwer belastet. Dabei bräuchten gerade solche Kinder dringend Sicherheit und ein stabiles Umfeld.

Juristen fordern Reformen

Doch ein Pflegeverhältnis ist juristisch eher als Unsicherheitsverhältnis angelegt. Rechtsanwalt Peter Hoffmann, der in den letzten Jahrzehnten rund 1.500 Pflegekind-Verfahren bestritten hat, fordert Reformen: "Ein Pflegeverhältnis kann jeden Tag aufgelöst werden und der Entzug der elterlichen Sorge kann auch bei schwer geschädigten Kindern immer wieder rückgängig gemacht werden. Wir brauchen eigentlich strukturell etwas völlig Neues, zugeschnitten auf die so geschädigten Kinder."

Gutachter   [Satire]:
Erwin Pelzig - Der Fall Mollath  [Neues aus der Anstalt]
[25.06.13] Erwin mit dem Cord-Hütli wieder in Hochform: Mit einem Whiteboard, einem Stift und diesem Ding hinter der Tafel führt er den ganzen Irrsinn der Affäre um Gustl Mollath vor.

Familiengerichte: Jedes zweite Gutachten mangelhaft
Beitrag: Jasmin Klofta [12.08.2014] Sie sind oft Grundlage für richterliche Entscheidungen - doch Gerichtsgutachten weisen häufig gravierende Mängel auf, denn es gibt für ihre Erstellung keine Regeln.        

Offensichtlich mangelhaftes Gutachten

Constanze K. fällt aus allen Wolken, als ein Gerichtsgutachter seine Beurteilung vorlegt. Im Sorgerechtsstreit um ihren Sohn Anton hatte der Richter vom Familiengericht mit Hilfe eines Gutachtens klären lassen, ob die Mutter fähig sei, die Erziehung ihres Sohnes zu übernehmen. Und das Gutachten besagt: Constanze K. sei nicht erziehungsfähig, sondern psychisch krank und könnte sogar ihren Sohn umbringen. Unter welcher Krankheit die Mutter leiden soll, und wie der Gutachter darauf kommt, steht nicht im Gutachten. Trotz offensichtlicher Mängel folgt der Richter dem Gutachten. Die Folge: Sohn Anton darf nicht mehr bei seiner Mutter leben und wird beim Vater untergebracht.
Wie die Mutter ihren Sohn nun besuchen darf, soll ein zweites Gutachten entscheiden. Erst das erlöst die Mutter von dem Alptraum. Im zweiten Gutachten heißt es plötzlich: Es lägen "keine begründeten Anhaltspunkte" vor, dass die Mutter sich oder ihren Sohn töten könnte. Vielmehr weise das erste Gutachten "erhebliche Mängel" auf. Das glaubt nun auch der Richter. Sohn Anton darf vorerst wieder nach Hause. Warum das Gericht dem offensichtlich mangelhaften Gutachten folgte und Mutter und Sohn wochenlang trennte, wollte es gegenüber Panorama nicht erklären. Auch der vom Gericht eingesetzte erste Gutachter wollte sich nicht äußern.
Über 50 Prozent weisen Mängel auf

Wie mangelhaft Gutachten an Familiengerichten oftmals sind, ist jetzt erstmals systematisch nachgewiesen worden. In einer Studie der FernUniversität Hagen wurden alle Gutachten von vier exemplarisch ausgewählten Gerichten untersucht. Diese Vollerhebung über zwei Jahre zeigt erstmals das ganze Ausmaß: Über 50 Prozent der untersuchten Gutachten weisen gravierende Mängel auf. "Das ist natürlich eine völlig intolerierbare Zahl von Gutachten", sagt Prof. Dr. Stefan Stürmer vom Institut für Psychologie. Denn so ist es "ein Lotteriespiel, ob man ein gutes Gutachten bekommt oder ein schlechtes. Und das ist für einen rechtsstaatlichen Prozess natürlich nicht hinnehmbar."

Die Auswirkungen für die Betroffenen können katastrophal sein. In Familiensachen sind Gutachten die wichtigste Grundlage für die richterliche Entscheidung. Wenn ein Gutachten wegen Qualitätsmängeln zu einem falschen Ergebnis kommt, könnte auch ein Richter eine falsche Entscheidung treffen.

Nur im Einzelfall Fehler?

Obwohl die Studie mit Unterstützung des Justizministeriums von Nordrhein-Westfalen und dem Oberlandesgericht Hamm entstanden ist, wollten sich beide über acht Monate zu den Ergebnissen der Studie nicht äußern. Erst in diesem Monat gibt es doch ein Interview: Nur "im Einzelfall" hätten Richter Fehler gemacht, sagt Christian Nubbemeyer vom OLG Hamm. Grundsätzlich liege der Fehler nicht bei den Richtern, sondern bei der Qualifikation der Gutachter. Die Studie gebe auch keinen Aufschluss darüber, ob die Mängel der Sachverständigen sich kausal auf die gerichtliche Entscheidung ausgewirkt hätten, also "nachher eine mangelhafte gerichtliche Entscheidung herauskommt", sagt Nubbemeyer. Das ist richtig. Doch richtig ist auch: Der Richter sucht sich den Gutachter selbst aus.

Anders die Reaktion von Joachim Lüblinghoff vom Deutschen Richterbund: "Wir waren nicht nur überrascht, wir waren schockiert von den Ergebnissen der Studie". Der Experte für Familienrecht im Präsidium des Richterbundes räumt ein, dass eine Vielzahl von Fehlern in den Gutachten unbemerkt blieben. "Die überwiegende Anzahl“ der Gutachten sei vor Gericht "nicht verwertbar" und dürfte einer Entscheidung "nicht zu Grunde gelegt werden". Nach Lektüre der Studie will auch der Richterbund Fehlentscheidungen von Richtern an Familiengerichten nicht ausschließen. Nun müssen sich die Richter "selbstkritisch hinterfragen", sagt Lüblinghoff, "warum wir es nicht gemerkt haben".

Keine verbindlichen Mindeststandards

Die Studie untersuchte den bundesweit größten Gerichtsbezirk in NRW, doch handelt es sich nicht um ein regionales Problem. In ganz Deutschland gibt es keine verbindlichen Mindeststandards für die Erstellung von Gutachten. Zudem fehlen Regelungen, wer überhaupt ein familienrechtspsychologisches Gutachten verfassen darf. Da der Beruf des Gutachters nicht geschützt ist, darf sich jeder Gutachter nennen. Und auf Grund der richterlichen Unabhängigkeit kann der Richter jeden zum Gutachter am Gericht ernennen.

Panorama berichtete bereits im vergangenen Jahr über einen Vater, der am Amtsgericht Dortmund um das Sorgerecht für seine Kinder kämpfte. Das Amtsgericht Dortmund wurde nicht in der Studie untersucht. Ein Gutachter sollte für das Gericht beurteilen, ob der Vater erziehungsfähig ist. Den Auftrag erhielt aber kein Fachpsychologe, sondern eine Heilpraktikerin. Der Vater verlor und ging in die zweite Instanz an das OLG Hamm. Wieder durfte die Heilpraktikerin ein Gutachten schreiben und wieder verlor der Vater.

Dass die Qualität von Gutachten im familiengerichtlichen Bereich verbessert werden muss, hat offenbar auch das Bundesjustizministerium verstanden. Anfang Juli lud es 13 Berufsverbände nach Berlin ein, um die "in den Medien vorgebrachte Kritik" wie die von Panorama zu besprechen. Es herrschte "Einigkeit", so steht es in einem internen Protokoll des Ministeriums, dass es "Mängel" bei den Gutachten gibt, diesbezüglich also ein "Missstand" vorliegt. Nur wie dieser Missstand nun abgestellt werden soll, ist weiterhin unklar.

Nach einer neuen Gerichtsentscheidung dürfen Constanze Kikels und Sohn Anton nun wieder gemeinsam zu Hause sein. Von allein darauf gekommen ist der Richter aber nicht. Er hatte für diese Entscheidung tatsächlich noch einen dritten Gutachter einbestellt.

Wenn Gutachter über Familien richten
Beitrag: Maria Kusnezow, Anett Wittich [30.10.2013] Bei welchem Elternteil soll ein Kind leben? Eine schwierige Entscheidung für Familiengerichte, die in diesen Fällen Gutachter auf den Plan rufen.

Gutachter: Die heimlichen Richter    (Ausschnitt)
Beitrag: Anke Hunold, Jasmin Klofta [30.10.2013] Seit mehr als einem Jahr darf David S. seine drei Kinder nur noch ein bis zwei Mal im Monat sehen. Eine Gutachterin erklärte den 30-Jährigen für "nur teilweise erziehungsfähig".

Eine der Begründungen: Er leide an einer "reaktiven Depression" und verweigere eine Therapie. Wie genau die Gutachterin auf diese schwerwiegende Diagnose kam, steht allerdings nicht im Gutachten. Die Folge: David S. verliert das Sorgerecht für seine drei Kinder.

Dieses von einem Familienrichter beauftragte Gutachten hat nicht etwa eine Psychologin erstellt, die Gutachterin absolvierte gerade mal Ausbildungen zur Altenpflegerin und Heilpraktikerin. Kein abgeschlossenes Studium, sie hat nur Kurse in Psychologie belegt.

Jeder kann Gutachter werden

Das Problem: In Deutschland darf sich jeder Gutachter nennen. Und ein Gericht darf wegen der richterlichen Unabhängigkeit jeden zum Gutachter oder Sachverständigen ernennen, wie beispielsweise an Familiengerichten. "Wenn der Richter meint, seine Oma sei sachkundig und der Richter sie bestellt, dann ist sie sachkundig", sagt Elmar Bergmann, ein pensionierter Familienrichter.

Bundesweite, einheitliche Mindeststandards für Gutachten, beispielsweise an Familiengerichten, gibt es nicht. Studien belegen: Die Qualität vieler dieser Gutachten ist ungeheuerlich schlecht. Die Auswirkungen für die Betroffenen können katastrophal sein.

Die bessere Gutachterin war krank

Wie bei David S.: Ob die Entscheidung mit einem anderen Gutachter anders gelaufen wäre, ist unklar. Die Heilpraktikerin stellte auf Anfrage jedenfalls fest: Nur ein Psychologiestudium garantiere noch kein gutes Gutachten. Ihres hat das Gericht inhaltlich offenbar nicht hinterfragt.

Doch warum verlässt sich ein Gericht bei solch schwierigen Fragen überhaupt auf diese Gutachterin? Das zuständige Gericht sagt, dass der Gutachter, den die Richterin normalerweise bei solchen Fragen beauftrage, zu dem Zeitpunkt überlastet war. Deshalb habe man, da eine Bewerbung der Gutachterin auf dem Tisch lag, auf diese Gutachterin zurückgegriffen.

Fehlende Kontrolle durch Richter

Dass die Qualität von Gutachten auch desaströs sein kann, merken Richter häufig nicht. Der pensionierte Familienrichter Elmar Bergmann hat dafür eine einfache Erklärung: "In aller Regel wird die Zusammenfassung gelesen und damit hat es sich. Und das wird auch übernommen." Dabei müsse der Richter eigentlich jede Seite des Gutachtens überprüfen.

Fünf Jahre unschuldig im Gefängnis


Fehlende Kontrolle durch den Richter - war das auch der Grund dafür, dass Ralf Witte fünf Jahre lang unschuldig im Gefängnis saß? Ein Mädchen beschuldigte ihn, sie mehrfach brutal vergewaltigt zu haben. Doch das Mädchen wurde von ihm nie vergewaltigt. Es hatte gelogen. Dennoch bestätigen drei Gutachter die Übergriffe, machen aus dem Familienvater Witte einen brutalen Kinderschänder. "Das muss ja ein Monster sein", dachte Ralf Witte als er die Gutachten las. Dann fiel ihm ein: "Die schreiben ja über dich."

Zweifel kamen dem Gericht nicht. Es folgte den Gutachten und verurteilte Witte zu 12 Jahren und acht Monaten Haft. Erst nach fünf Jahren im Gefängnis wird das Verfahren wieder aufgerollt. Erst jetzt wird deutlich: alle drei Gutachter haben die Aussagen des Mädchens nie wirklich kritisch hinterfragt, wichtige Untersuchungen und entscheidende Testverfahren nicht durchgeführt. Das Gericht hatte die massiven Mängel in den Gutachten nicht erkannt.

Stellung nehmen will heute niemand; weder das Gericht noch die Gutachter selbst. So bleibt nur das traurige Resümee: Während Witte fünf Jahre seines Lebens unwiederbringlich genommen wurden, hatte das Verfahren für Richter und Gutachter keine Folgen.

Abwälzen von Verantwortung

Richter entscheiden, fällen Urteile und sprechen Recht. So soll es sein. Doch sie verlassen sich nicht immer auf ihre eigene Urteilskraft - die Entscheidung scheint der Gutachter zu fällen. Egal ob in Strafprozessen, in Familiensachen oder auch bei einfachsten Verkehrsdelikten. Eigentlich sei der Gutachter ein Gehilfe des Richters, sagt Elmar Bergmann: "Tatsächlich ist es aber so, dass Richter sagen: Sachverständiger, mach Du mal, mach mir mal Entscheidungsvorschläge."

Und der Vorsitzende Richter des 2.Strafsenats am Bundesgerichtshof, Thomas Fischer, sagt: "Natürlich ist es eine Erleichterung für die eigene Entscheidung und natürlich aber auch eine Erleichterung für die eigene Verantwortung." So schaffen Gutachter nicht nur Fakten für den Richter, sondern werden dadurch selbst de facto zu Richtern.

Deutscher Richterbund sieht kein Problem

Doch wie können überflüssige Gutachten verhindert werden? Wie kann die Qualität der Gutachter und der Gutachten garantiert werden? Wie stellen Richter sicher, dass sie Mängel in Gutachten erkennen? Der Deutsche Richterbund, die größte Vertretung von Richtern in Deutschland, sieht keinen Handlungsbedarf.

Andrea Titz, stellvertretende Vorsitzende des Richterbundes, sagt, dass der Richterbund sich nicht explizit mit der Problematik befasse, "weil es kein manifestes Problem ist". Vielmehr würden die Richter verantwortungsvoll mit Gutachten umgehen und diese auch überprüfen - "im Rahmen ihrer Möglichkeiten aber natürlich nur".

Kindesentführung aus Verzweiflung
Beitrag: Anett Wittich, Andreas Kawohl [11.09.2013] Nach einer 32jährigen Frau und ihrem sechsjährigen Sohn wird gefahndet. Der Mutter war das Borderline-Syndrom attestiert worden. Hat das Jugendamt übereifrig reagiert?

Klage gegen das Jugendamt
Beitrag: Jochen Hilgers [30.10.2012] Nach dem Tod des misshandelten Pflegekinds Anna in Königswinter wurden immer wieder Vorwürfe gegen das Jugendamt erhoben. Das Mädchen war vor zweieinhalb Jahren von seiner Pflegemutter ertränkt worden.

Jetzt erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage gegen eine Jugendamts-Mitarbeiterin - weil sie Hinweise auf Misshandlungen ignoriert haben soll.

Jugendamt ruiniert Familien
Film von: Gesine Enwaldt u. Kersten Schüßler [Ausschnitt, 08.11.2012] Jugendämter sollen sich um das Kindeswohl kümmern. Doch beim Jugendamt Itzehoe geht es allem Anschein nach vor allem darum, die Kosten möglichst gering zu halten.

Lara und Lea sind Schwestern, elf und neun Jahre alt. Doch seit einiger Zeit leben sie - nach Intervention des Jugendamtes von ihren Eltern getrennt - in Pflegefamilien. Jede Schwester in einer anderen, so können sie sich noch nicht einmal untereinander regelmäßig sehen. Das Jugendamt Itzehoe hatte sie eines Tages aus der Schule abgeholt - ohne Vorwarnung, ohne Vorbereitung.

Die Lebensumstände in ihrer Herkunftsfamilie waren schwierig, zugegebenermaßen. Ein Gericht hatte über die Herausnahme entschieden, doch die Art und Weise, wie das Jugendamt diesen Entschluss umsetzte, hat das Dorf schockiert. Die beiden Mädchen waren in ihrem Heimatort integriert, waren im Sportverein, hatten Freunde und Bezugspersonen. Dann waren sie plötzlich weg - und keiner wusste etwas über ihren Verbleib.

Kostensenkung als einziges Ziel?

Hintergrund dieses merkwürdigen Handelns scheint der Sparzwang im Jugendamt Itzehoe zu sein: Schon vor Jahren haben Mitarbeiter mit Hilfe von Überlastungsanzeigen versucht, sich gegen mögliche eigene Fehler durch Überarbeitung abzusichern. Beobachter kritisieren, fachlich-professionelle Kriterien würden vernachlässigt, weil dem Amt das Geld fehle. Und so werde nicht mehr für alle Kinder ordentlich gesorgt.

Nun hat das Jugendamt Itzehoe endlich neues Personal bekommen, nach jahrelanger Kritik und Berichterstattung. Eine Methode der Problemlösung, die man Kindern in anderen Städten ersparen sollte.

Gutachten im Familienrecht
Beitrag: Frank Frenzel [10.04.2001] Der Beitrag beschäftigt sich kritisch mit der von Joseph Salzgeber (und vormals Michael Stadler) geleiteten "Gesellschaft für wissenschaftliche Gerichts- und Rechtspsychologie" (GWG).

Kampf ums Pflegekind
Ein Film von: Gesine Enwaldt und Kersten Schüßler [06.03.2012] Familiär vernachlässigte Kinder kommen in staatliche Obhut. Doch beim Thema Pflegekinder scheinen Jugendämter immer wieder zu versagen. Ist "Vater Staat" ein Rabenvater?
Sandra ist erst fünf Jahre alt und musste schon einiges durchmachen. In ihrer Familie bekam sie keine Zuwendung und keine Förderung, ihre Verwahrlosung begann. Dann kamen die Behörden und nahmen das Mädchen in Obhut. Sandra wurde an eine Pflegefamilie vermittelt und lebt seitdem zum ersten Mal in liebevollen und stabilen Verhältnissen. Trotzdem muss sie ihre neuen Eltern womöglich wieder verlassen. Das Jugendamt betreut den Fall vor allem nach Aktenlage. Die zuständigen Mitarbeiter haben das Kind praktisch nie gesehen, obwohl ein monatlicher Besuch gesetzlich vorgesehen ist.

Es ist schon fast alltäglich, dass sich "Vater Staat" um Pflegekinder kümmern muss. Manchmal ist es sogar noch schlimmer. Die kleine Klara ist von Geburt an auf staatliche Betreuung angewiesen, weil ihre Mutter sie einfach im Krankenhaus gelassen hat. Der Säugling ist krank und bräuchte dringend eine Pflegefamilie. Doch lange Zeit geschieht nichts. Der Entscheidungsprozess gerät ins Stocken. In Zeiten, in denen die Jugendämter immer wieder negative Schlagzeilen machen, begibt sich Reporterin Gesine Enwaldt auf Spurensuche und stellt die Frage: Ist "Vater Staat" ein Rabenvater?

Das Versagen der Jugendhilfe
Ein Film von: Beate Frenkel und Joe Sperling [05.06.2012] Die Wahrheit ist schockierend, hinter einer Statistik, die vor einigen Tagen öffentlich wurde: Jede Woche sterben drei Kinder .... drei Kinder, die Opfer des Versagens von Erwachsenen werden, weil Eltern oder Pfegefamilien sie
vernachlässigen oder misshandeln und in vielen Fällen Mitarbeiter von Jugendämtern und private Helfer das nicht mitbekommen. In der Jugendhilfe lässt sich mit möglichst vielen Fällen viel Geld verdienen, das Los der Kinder scheint unwichtig zu sein. Beate Frenkel und Joe Sperling haben in diesem Geschäft recherchiert.

Wie kann es sein, dass in Obhut immer wieder Kinder zu Tode kommen?

Die Wut der Scheidungskinder.
Wenn die Liebe zu den Eltern erlischt
Ein Film von: Nicolas Pallay und Emmanuelle Bressan-Blondeau [30.05.2012] Immer häufiger gehen Familien in die Brüche. Für die betroffenen Kinder ist es meistens eine Katastrophe. Sie stehen im Zentrum von Sorgerechtsstreitereien und müssen zwischen mehreren Wohnungen hin
und her pendeln. Oft machen sich die zerstrittenen Expartner vor den Kindern gegenseitig schlecht. Kein Wunder, wenn die Liebe zu den Eltern erlischt. Die Psychologen sind sich einig: So banal und alltäglich Scheidungen inzwischen geworden sind, der emotionale Druck für betroffene Kinder ist immer noch hoch.

Die Trennung der Eltern ist eine tiefe Erschütterung, die alles in Frage stellt. Hinzukommt, dass beim Auseinanderbrechen der Familie sich die zerstrittenen Partner oft gegeneinander ausspielen und versuchen, die Kinder für sich zu gewinnen - Kinder als Waffe und Ziel im Rosenkrieg. In dieser Belastungssituation reagieren die Kinder oft mit einer emotionalen Blockade gegenüber einem Elternteil, brechen den Kontakt ab, lassen keinerlei Zuwendung mehr an sich heran.

Die Trennung der Eltern ist eine tiefe Erschütterung, die alles in Frage stellt. Hinzukommt, dass beim Auseinanderbrechen der Familie sich die zerstrittenen Partner oft gegeneinander ausspielen und versuchen, die Kinder für sich zu gewinnen - Kinder als Waffe und Ziel im Rosenkrieg. In dieser Belastungssituation reagieren die Kinder oft mit einer emotionalen Blockade gegenüber einem Elternteil, brechen den Kontakt ab, lassen keinerlei Zuwendung mehr an sich heran.

Betroffene (Schweizer) Eltern und Kinder sprechen mit erstaunlicher Offenheit über ihre Gefühle: Sowohl "verstoßene" Eltern wie auch "verstoßende" Kinder erzählen von der Wunde gescheiterter Liebe.

Die Gutachter
[20.02.2012] Gutachter schaffen Klarheit nur für das Gericht, nicht für das Kind. Kinder wollen keinen Elternteil verlieren. Gutachter sind aber keine Anwälte von Kinderinteressen, sondern Handlanger egoistischer Erwachsener. Gutachter
kann jeder werden. So gut wie keine Universität vermittelt den Psychologiestudenten ein spezielles Wissen über Scheidungskinder, geschweige über das so genannte Kindeswohl. Ausschlaggebend ist allein seine Ernennung zum Gutachter durch das Gericht. Und dafür genügt allein die Mitteilung, dass man bereit sei, für das Gericht als solcher tätig zu werden.

Zitat: « Man findet heutzutage für alles einen Gutachter, fürs Gegenteil auch. »

Einen Blick auf den Gutachter und die Qualität seiner Arbeit wirft Gert Postel, der in den 1990er Jahren in Sachsen als angeblicher Facharzt für Psychiatrie unbeanstandet mehr als zwei Dutzend Gutachten fertigten konnte:
Zitat: « Wer die psychiatrische Sprache beherrscht, der kann grenzenlos jeden Schwachsinn formulieren und ihn in das Gewand des Akademischen stecken! »

Wenn nun aber selbst unter "Kollegen" und "Experten" ein falscher Gutachter und Psychologe nicht als Hochstapler auffällt, wie soll dann ein Familien­richter die Qualität eines Gutachten einschätzen, auf die er maßgeblich sein Urteil in einem so sensiblen Bereich wie der Familie stützen will? Müssen nicht vielmehr Väter, Mütter und Kinder befürchten, dass das Wohl und Wehe von modernen Kaffeesatzlesern abhängt? Die Glaubwürdigkeit der Familien­gerichte steht auf dem Spiel, wenn die seriöse Basis fehlt. Auf den pseudo­wissen­schaftlichen Charakter des Genderismus wurde schon an anderer Stelle hingewiesen. Angesichts der Kosten, die Gutachter verursachen, und dem dürftigen Ergebnis wäre über "Würfeln beim Familien­gericht" als kostengünstige Alternative nachzudenken. Aber das wird die Helferindustrie zu verhindern wissen, weil ihr sonst immense Verdienstmöglichkeiten entgehen würden.

Mitunter führen vom Gericht bestellte Gutachter bedeutsam klingende Phantasietitel wie "Rechtspsychologe", "Gerichtspsychologe", "Fachpsychologe für Rechtspsychologie" und "Gerichtssachverständiger" oder auch "Gerichtsgutachter". Wenn außer dem Titel Diplompsychologe der Gutachter noch einen anderen Titel führt, dann sollte überprüft werden, ob dieser Titel rechtlich geschützt und damit anerkannt ist. Diese Phantasietitel sind überwiegend nichts wert und sollen dem Gericht lediglich eine besondere Qualifikation vortäuschen.

Wer darauf vertraut, der Gutachter würde die Dinge wieder ins rechte Licht rücken, die das Jugendamt angeordnet und der Richter bestätigt haben, wird schwer enttäuscht werden. Die Aufgabe des Gutachters besteht nämlich weniger darin, den Kindern oder den Eltern gerecht zu werden als vielmehr dem Jugendamt und Familien­gericht eine Legitimation für ihr Handeln zu verschaffen.

Zitat: « Das einzige, was an Gutachten im Familienrecht solide ist, ist die beträchtliche Honorarrechnung. Richter setzen meistens immer die gleichen Gutachter ein, besondere "Bekannte", die damit eine Lizenz zum Gelddrucken erlangen. »

© Videobeitrag: RTL
© Text: Peter Thiel ("Gutachten im familiengerichtlichen Verfahren")

Wie gewissenhaft arbeiten die Jugendämter?
[03.04.2011] Ja, die Jugendämter haben große Belastungen, sie haben finanzielle und personelle Defizite. So darf jeder argumentieren, der seine Arbeit nicht (gut genug) schafft und in Verzug geraten ist. Es gibt gewiss gute, intensiv
geschulte (das hat nichts mit den Arbeitsjahren zu tun!) und sehr gewissenhafte Mitarbeiter. Doch selbst Insider bekennen selten mal in den Medien, dass viele Kollegen da nicht hin gehörten. Es ist eben ein "Amt" - die besten würden nie unter solchen Bedingungen arbeiten wollen.

Kindeswohl?? Wer mit dem Jugendamt zu tun hatte, warum auch immer, weiß, wie dehnbar und willkürlich der Begriff dort benutzt wird. Es ist eine Worthülse, mit der die "Mitarbeiterinnen" (es sind ja fast nur Frauen) alles erschlagen können. Meist sind sie selbst Mütter, bei Trennungen etwa wissen sie genau, was Mütter brauchen . . . Eine Amtskonstruktion ohne jede fachliche Kontrollinstanz, in den 20-ern geschaffen und in den 30-ern zu großer Blüte erstarkt. Die Kontinuität in den Behörden der Nachkriegszeit lässt grüßen. Kindeswohl nach modernen Lebenseinstellungen des 21. Jahrhunderts?

"Allmacht" ist die präzise Kennzeichnung des Systems Jugendamt.

© Videobeitrag: RTL
© Text: Johannes Zink

Amtsmißbrauch
Wenn Jugendämter Kinder zu Unrecht aus ihrer Familie reißen
Johannes B. Kerner [09.09.2010] Das Jugendamt, das Deutschlands umstrittenes Familienrechtssystem beherrscht, entzieht Kinder, wann immer es will und zwar aus ganz normalen Familien. In Deutschland werden täglich etwa 90 Kinder aus ihren
Familien geholt.
Schlagzeilen Über verhungerte oder vernachlässigte Kinder haben den Druck auf die Jugendämter erhöht. Nach dem am 10. Oktober 2006 Kevin in Bremen tot aufgefunden wurde, stiegen die Zahlen der Herausnahmen. Solche schrecklichen Vorfälle dürfen aber im Umkehrschluss nicht dazu führen, dass Kinder zu früh, zu schnell oder ohne nachvollziehbare Begründung zu Unrecht aus dem Elternhaus rausgerissen werden. Drei Jahre lang war Wakiya Schulz von seiner Familie getrennt.

Drei Jahre lang hat ihn die Sehnsucht das Gemüt zerrieben. Der heute elfjährige Junge hat in zwei Heimen gelebt und einen Selbstmordversuch überlebt. Doch Mutter Heidi Schulz kämpfte wie eine Löwin – und bekam endlich das Sorgerecht für ihren Jüngsten zurück. Wakiyas innigster Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Doch das Trauma bleibt: Die Behörden haben Wakiya drei Jahre seiner Kindheit genommen.

Wieder offenbart ein dramatischer Fall die Schwächen eines Systems, das nach wie vor auf die Autonomie der einzelnen Jugendämter und nicht auf Fachstandards setze.

Ein Familienrichter als prügelnder Vater
[© SPIEGEL ONLINE, 04.11.2011]
Ein Opfer schlägt zurück - auf YouTube
Der Gewaltexzess des texanischen Familienrichters William Adams hat in den USA für Aufsehen gesorgt. Ein Video, das auf die Internetplattform YouTube hochgeladen wurde zeigt, wie der 51-Jährige seine damals
16-jährige Tochter mit einem Gürtel verprügelt. Das Mädchen wimmert, fleht, bittet. "Hör auf", sagt sie immer wieder. Doch der Mann, der über sie gebeugt steht und sie mit einem Gürtel schlägt, lässt nicht ab. Mehr als ein Dutzend Mal trifft er sie, an den Beinen, am Rücken.

Aufnahmen der Szene, 2004 gefilmt, sind auf YouTube zu sehen. Das Siebeneinhalb-Minuten-Video ist nur schwer zu ertragen. Es zeigt Richter William Adams aus dem Bezirk Aransas in Texas wie er seine damals 16-Jährige Tochter Hillary misshandelt. Adams hat zugegeben, dass er der Angreifer ist. Auch Adams' Ex-Gattin Hallie schlägt ihre Tochter mit einem Gürtel. Zwischendurch ruft sie, Hillary solle sich wie vom Vater gewünscht auf den Bauch legen und die Hiebe "ertragen wie eine 16-Jährige! Wie eine erwachsene Frau!".

Das Perfide an der Szene liegt darin, dass der Vater seiner Tochter die Schuld für seinen Gewaltausbruch zuschreibt. "Bist du glücklich, ungehorsam gewesen zu sein?", fragt er seine Tochter. "Du verdienst es nicht, in diesem Haus zu sein." Früher sei sie ein braves, gehorsames Mädchen gewesen. "Jetzt lügst du, betrügst du, stiehlst du."

Auslöser für den Gewaltexzess war dem Vater zufolge, dass Hillary illegal Musik und Spiele aus dem Internet heruntergeladen hatte. "Gottverdammter Computer ... siehst du, welche Probleme er verursacht?", schreit Richter Adams.

"So viele Leute dachten, er sei ein guter Mensch"

Heute ist Hillary Adams 23 Jahre alt. Gewalt sei in ihrer Familie keine Ausnahme gewesen. "Es passierte für eine gewisse Zeit regelmäßig", sagte sie. Bis vor wenigen Tagen wussten nur wenige ihrer Freunde davon.

Weit mehr als zwei Millionen Mal wurde die Szene angeklickt, internationale Medien wie CNN berichteten über den Fall. Hillary ist nicht länger bloß das wehrlose Opfer. Die 23-Jährige sagt, sie habe seit der Veröffentlichung unglaublich viel Unterstützung bekommen. Das Video erst jetzt zu posten erlaube ihr, mit Abstand auf die Sache zu blicken.

Ihre Mutter, die 2007 nach 22 Jahren Ehe von Richter Adams geschieden wurde, sagt heute, Gewalt sei für ihren Ex-Mann eine Sucht gewesen, das Ganze ein "Familiengeheimnis". Ihr Ex-Mann habe sie einer totalen Gehirnwäsche unterzogen und kontrolliert. "Ich habe alles getan, was er getan hat", sagte sie dem TV-Sender NBC. Hillary hat ihrer Mutter verziehen.

Ein wenig bereue sie die Veröffentlichung, sagt Hillary. "So viele Leute dachten, er sei ein guter Mensch", sagte sie. Das Private ist nicht nur öffentlich geworden, sondern auch politisch.

Wiederwahl erst in drei Jahren

In Texas werden Richter gewählt, und Hillary möchte verhindern, dass ihr Vater seinen Posten behält. Er sei nicht geeignet, auch nur in der Nähe eines Gerichtssaals zu sein, wenn er nicht einmal als Elternteil angemessen urteilen könne, heißt es in der Video-Beschreibung. "Erlaubt nicht, dass dieser Mann jemals wiedergewählt wird." Ob Hillary die Kommentare verfasst hat, ist unklar. Die Facebook-Gruppe "Wählt Richter William Adams nicht wieder" hatte am Freitagmorgen mehr als 30.000 Mitglieder.

Adams hat sein Amt seit 2001 inne und wurde darin im vergangenen Jahr bestätigt. Seine mögliche Wiederwahl steht in drei Jahren an. Er verdient mehr als 138.000 Dollar im Jahr, als Familienrichter muss er auch über Missbrauchsfälle urteilen. Allein im vergangenen Jahr hat er 349 Familiensachen entschieden.

Die Prügelattacke wird allerdings keine juristischen Folgen haben. Es sei zwar davon auszugehen, dass eine Straftat vorgelegen habe und normalerweise wäre es auch zu einer Anklage gekommen, sagte ein Sprecher der Polizei von Rockport. Das Video sei jedoch bereits 2004 entstanden - und die Verjährungsfrist von fünf Jahren damit überschritten. Der Bezirksstaatsanwalt habe deshalb entschieden, keine Anklage zu erheben.

"Video sieht schlimmer aus, als es ist"

Nach der Veröffentlichung der Aufnahmen sprach Adams kurz mit dem TV-Sender KZTV. Das Video "sieht schlimmer aus, als es ist", sagte er. "Meiner Ansicht nach habe ich nichts Falsches getan." Er habe lediglich sein Kind "diszipliniert, nachdem sie beim Stehlen erwischt worden sei." Er habe die Beherrschung verloren, sich aber entschuldigt.

"Das ist ein Ausdruck seiner Persönlichkeit, er denkt, er macht nie etwas falsch. Er verschleiert lieber etwas, als etwas zuzugeben", sagte Hillary. Sie will das Video nicht als Rache verstanden wissen. Sie habe es veröffentlicht, damit ihr Vater gezwungen sei, sich Hilfe zu suchen. Zudem habe er sie schikaniert und sie habe gehofft, die Aufnahme könnte das künftig verhindern.
[© dapd video GmbH]

Die "Begründung" dieses Menschen    [© SPIEGEL ONLINE, 04.11.2011] Nach der Veröffentlichung der Aufnahmen sprach Adams kurz mit dem TV-Sender KZTV. Das Video "sieht schlimmer aus, als es ist", sagte er. "Meiner Ansicht nach habe ich nichts Falsches getan." Er habe lediglich sein Kind "diszipliniert, nachdem sie beim Stehlen erwischt worden sei." Er habe die Beherrschung verloren, sich aber entschuldigt.
Film: «Kampf ums Kind»
Ein Film von Rainer Fromm und Michael Stompen [26.10.2011] Wenn Eltern unverheiratet waren oder sich nicht einigen können, haben beim Streit ums Kind meist Familienrichter und von ihnen beauftragte Gutachter das letzte Wort. Sie entscheiden, welches Elternteil für das Kind
besser geeignet sein soll. Psychologen kritisieren, dass Familienrichter Eltern dabei häufig in Gewinner und Verlierer unterteilen und das Kind nur einem Elternteil zusprechen, weil sie das für eine eindeutige und dauerhafte Lösung halten. "Doch ein Urteil, das für Kinder den Verlust eines Elternteils bedeutet, ist kein Schlussstrich, wie heute immer noch etliche Richter wie auch Gutachter glauben", beklagt der Psychologie-Professor und Familienrechtsgutachter Uwe Jopt aus Lemgo. Dann ginge der Streit meist erst richtig los und würde die kindliche Psyche noch mehr verletzen, mit fatalen Auswirkungen, so der Psychologe.

ZDFzoom geht der Frage nach, warum deutsche Familiengerichte das eigentliche Ziel - das Wohl des Kindes - so häufig aus den Augen verlieren. Warum gießen Gutachter im Sorgerechtsstreit Öl ins Feuer statt eine einvernehmliche Lösung im Sinne des Kindes zu finden?

Film: «Können Scheidungskinder glücklich werden?
Oder: Kinder wollen keine Scheidung!
[Beitrag vom 20.09.2011] Remo H. Largo und Monika Czernin machen Eltern Mut, die in der schwierigen Situation einer Scheidung sind: Kinder müssen unter der Trennung der Eltern nicht leiden – es gibt Wege, sie glücklich aufwachsen zu
lassen. Scheidungen sind heute schon beinahe der Normalfall, jedes Jahr scheitern fast 200.000 Ehen. Jede dritte Ehe wird geschieden. Oft gibt es kein großes Gezeter, der Großteil der Scheidungen geht ziemlich zivilisiert über die Bühne. Aber ob zivilisiert oder im großen Streit: Bei immerhin circa 50.000 Kindern muss jedes Jahr über das Sorgerecht und über Umgangs- und Besuchsregelungen entschieden werden. Aber um das Sorge- und Umgangsrecht wird häufig und heftig vor Gericht gestritten. Und immer mehr Väter fühlen sich regelrecht entsorgt, denn manchen Frauen gelingt es, die Kinder trotz festgelegter Umgangsregelung Wochen- oder sogar Monatelang von den Vätern fernzuhalten. Väter können mit Engelszungen reden, sich beim Jugendamt beschweren, das Gericht einschalten, auf das für Umgangsboykott im Gesetz durchaus vorgesehene Zwangsgeld pochen - es bleibt meistens bei einer Ermahnung.

Fragt sich, ob solche Auseinandersetzungen dem Wohl des Kindes dienen. Denn Kinder stürzen natürlich in ein Gefühlschaos, wenn sich die Eltern trennen. Und dieses emotionale Chaos verschärft sich durch solche Konflikte noch erheblich. Aber sollten unglücklich verheiratete Eltern etwa um ihrer Kinder willen zusammenbleiben? Oder funktioniert getrennt leben, aber gemeinsam erziehen doch irgendwie?

Über diese und weitere Fragen diskutiert Jacqueline Stuhler mit ihren Gästen und zeigt, wie Kinder unter der Trennung der Kinder weniger leiden müssen und wie Eltern sich bei einer Trennung dem Kind gegenüber richtig verhalten.

Buchtipp:
Glückliche Scheidungskinder:
Trennungen und wie Kinder damit fertig werden

Autor: Remo H. Largo, Monika Czernin
Verlag: Piper Taschenbuch
Erscheinungsdatum: 9. Auflage 2004
Umfang: 336 Seiten
Kosten: 9,95 €
ISBN 978-3492241588