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Der Enkel kommt nicht mehr 
ZDF Volle Kanne [26.08.2015] Sie waren gern Oma und Opa, haben mit ihrem Enkel gespielt und sind zusammen in den Urlaub gefahren. Doch seit vier Jahren haben Manfred und Hilde Fischer aus Seelen (Pfalz) nichts mehr mit dem Enkel unternommen.

Damals starb ihre Tochter und kurze Zeit später verbot ihnen ihr Schwiegersohn jeglichen Kontakt zu dem Jungen. Dabei wohnen sie im Haus direkt nebenan.

Manfred Fischer zieht vor Gericht um den Umgang einzuklagen. Ein Vergleich wird geschlossen, laut dem der Umgang haben darf, soweit der Enkel es von sich aus wünscht. Doch er kommt nicht mehr.

Auf Nachfrage erklärt der Kindesvater, dass er seinem Sohn erklärt habe, dass er seine Großeltern besuchen könne wann immer er dies möchte, er wolle jedoch nicht.

SWR Landesschau Rheinland Pfalz [05.03.2015] Einmal im Monat treffen sich die Fischers in einer Selbsthilfegruppe in Kaiserslautern mit anderen verlassenen Omas und Opas. Der Austausch mit anderen Betroffen gibt ihnen neue Kraft. Bis vors Oberlandesgericht ist das Ehepaar schon gezogen, um ihren Enkel wiedersehen zu können. Bislang jedoch ohne Erfolg.

Die neuen Großeltern 
Ein Film von Grit Fischer [15.12.2014] Die Autorin Grit Fischer begleitet unterschiedliche Großeltern-Typen und ihre Enkel. Sie zeigt aber auch, was es für Großeltern bedeutet, wenn sie ihre Enkel nicht sehen dürfen.

Die Dokumentation geht der Frage nach, welche Rolle Großeltern heute spielen. Ist es eine andere als früher? Und was hat sich verändert in der Großelterngeneration?

In Deutschland wird heute jedes dritte Kind unter sechs Jahren mindestens einmal wöchentlich von Oma und Opa betreut. Und bei gelegentlichen Babysittereinsätzen setzen sogar zwei Drittel aller Eltern auf ihre eigenen Mütter und Väter. Eine ganze Generation verlässt sich bei der Erziehung der Kinder auf Großeltern: finanziell und organisatorisch. Doch die Großeltern sind mehr als nur Helfer in der Not, sie sind wichtige emotionale Bezugspunkte für die Enkelgeneration. Und auch umgekehrt: Die Enkel geben vielen Großeltern einen Sinn im Leben, halten sie jung.

Umgangsrecht Großeltern-Enkel 
ARD Buffet [13.10.2014] Mehr als 150.000 Kinder in Deutschland verlieren jährlich den Kontakt zu einem Elternteil und damit oft auch zu den Großeltern. Welche Rechte Großeltern haben, weiß Rechtsexperte Karl-Dieter Möller.

Haben Großeltern einen Anspruch auf Umgang mit ihren Enkeln?

Ja. Das Gesetz spricht ihnen ausdrücklich solche ein Recht zu, wenn es dem Kindeswohl dient. Notfalls können Großeltern dieses Recht sogar gerichtlich ein klagen. Gerichte gehen grundsätzlich davon aus, dass der Umgang mit den Großeltern dem Wohl des Kindes dient.

Was, wenn es Streit über das Umgangsrecht zwischen Eltern und Großeltern gibt?

Bei einem Streit nehmen die Gerichte an, dass das Erzwingen des Kontaktes zu einem Loyalitätskonflikt bei dem Enkelkind kommen kann. In der Regel wird dann das Umgangsrecht der Großeltern abgelehnt.

Wie kann ein Umgangsrecht durchgesetzt werden?

Die Großeltern müssen beweisen, dass intensive Kontakte schon über lange Zeit bestehen; dass sie die Enkel betreuen, weil die Mutter/Vater berufstätig sind, dass sie mit den Enkeln im Urlaub waren; Enkel hat den Wunsch seine Großeltern zu sehen (ältere Kinder werden hier gefragt) Spricht ein Gericht den Großeltern ein Umgangsrecht zu, kann es auch (Theoretisch) mit Ordnungsgeld oder Ordnungshaft durchgesetzt werden.

Haben Großeltern ein Erziehungsrecht?

Großeltern haben nicht das Recht, auf die Erziehung der Enkel einzuwirken. Ein solcher Versuch kann sich negativ auf das Umgangsrecht auswirken. Erziehungsrecht der Eltern hat immer Vorrang. Wenn Eltern nicht mehr in der Lage sind, ihr Erziehungsrecht auszuüben oder das Jugendamt ihnen das Sorgerecht entzieht?

Eine ältere Dame hält die Hand ihres Enkelkindes.

Das Bundesverfassungsgericht hat erst jüngst entschieden: bevor Eltern das Sorgerecht für ein Kind entzogen wird und dieses in einer Pflegefamilie untergebracht werden soll, muss geprüft werden, ob das Kind nicht in die Obhut der Großeltern gegeben werden kann. Großeltern sind also vorrangig zu beachten. (BVerfG Beschl. v. 18.12.2008 – 1 BvR 2604/06; BVerfG Beschl- v.07.04.2014 – 1 BvR 3121/13)

Sind Großeltern gegenüber ihren Enkel unterhaltspflichtig?

Ja. Voraussetzung ist, dass beide Elternteile nicht oder nicht voll leistungsfähig sind. Dann tritt eine Ersatzhaftung der Großeltern ein, und zwar aller Großeltern (väterlicher- und mütterlicherseits). Sie müssen sich den Unterhalt für das Enkelkind teilen. Das Kind hat gegenüber ersatzweise haftenden Großeltern einen Auskunftsanspruch, um die Haftungsanteile aller Großeltern zu berechnen.

Reiche Großeltern - reiche Enkel?

Der Unterhalt für Enkel richtet sich danach, was die Eltern besitzen. Wenn Eltern nicht zahlen können, haben die Enkelkinder gegenüber den reichen Großeltern trotzdem nur Anspruch auf den Mindestunterhalt.

Müssen Großeltern zugunsten der Enkel ihre eigene Versorgung gefährden?

Nein. Es gibt für Großeltern einen Selbstbehalt der höher liegt als bei den Eltern der Kinder(1600,00 Euro plus 1280,00 Euro Düsseldorfer Tabelle ). Großeltern müssen nicht um ihren finanziellen Lebensabend fürchten.

Können Unterhaltsansprüche der Enkel auch rückwirkend geltend gemacht werden?

Nein, Unterhaltsansprüche entstehen erst ab dem Monat, in dem jemand zur Unterhaltszahlung aufgefordert wurde oder in dem ein Großelternteil z.B. vom Jugendamt aufgefordert wird, seine Vermögensverhältnisse offen zu legen, damit eine mögliche Unterhaltsverpflichtung geprüft werden kann.

Müssen umgekehrt die Enkel im Notfall auch für ihre Großeltern zahlen?

Nach dem Gesetz haben die Großeltern Anspruch gegen ihre Enkel auf Unterhalt. Im konkreten Fall aber würden Großeltern Sozialhilfe beantragen. Der vom Sozialamt an die bedürftigen Großeltern gezahlte Unterhalt kann seitens des Sozialamtes nicht von den Enkeln zurückgefordert werden (anders bei Eltern und Kindern).

Schenkungen an Enkelkinder

Um späteren Enttäuschungen vorzubeugen, sollten Großeltern z.B. Schenkungen mit Auflagen versehen oder bei Grundstücksübertragungen eine Rückforderungsklausel einbauen (damit sie das Vermögen zurückfordern können, wenn Enkel z.B. vor seinen Eltern stirbt, wenn es sich scheiden lässt, wenn es sich weigert, die vereinbarte Pflegeleistung für die Eltern zu erbringen). Wenn z.B. der Enkel das Erbe verjuxt, kann im Falle einer Insolvenz verhindert werden, dass das Haus in fremde Hände gerät. Bei selbstbewohnten Immobilien sollte ein lebenslanges Wohnrecht eingetragen werden. Schenkung an die Enkel erspart aber Erbschaftssteuer. Alle 10 Jahre 200.000 Euro schenken.

Bundesverfassungsgericht: Starkes Recht für Großeltern 
Beitrag: Joachim Pohl [25.07.2014] Wer darf sich um ein Kind kümmern, wenn die Eltern es nicht können? Oma und Opa haben Vorrang, entschied das Bundesverfassungsgericht. Zumindest, wenn es eine enge Bindung zum Enkelkind gibt. Allerdings gilt immer der Einzelfall.                         


Starkes Grundrecht

Immer wieder müssen Jugendämter Kinder in ihre Obhut nehmen. Aber: Es ist stets eine Gratwanderung, Eltern Kinder zu entziehen. Denn der Schutz der Familie ist ein sehr starkes Grundrecht. Familien auseinanderzureißen, kann also nur eine Lösung sein, wenn dem Kind mit einem Verbleib bei den Eltern schwerwiegende Nachteile drohen.

Es gab in der Vergangenheit immer wieder Fälle, wo Jugendämter zu lange zugeschaut haben und Kindern Leid zugefügt wurde bis hin zum Tod. Namen wie Lena, Kevin und Jenny stehen für Schickale, die alle aufwühlten. Das kann dazu führen, dass die Ämter vielleicht heute aufmerksamer hinschauen. Die Fälle werfen ein Licht auf ein Problem in unserer Gesellschaft, wo Eltern oft überfordert sind, auch wirtschaftlich. Dazu kommen immer mehr Flüchtlingskinder aus Krisenregionen, die oft unbegleitet einreisen und Fürsorge brauchen.

Gute und engeKontakte

Wohin aber mit den Kindern, wenn sie zu ihrem Schutz den Eltern entzogen werden? In wessen Obhut kann man sie geben? Pflegefamilien oder Heime kommen ebenso in Frage wie – natürlich – Großeltern und weitere Verwandte. Oft eine naheliegende Lösung, weil hier ohnehin schon gute und enge Kontakte bestehen. Das sieht auch das Bundesverfassungsgericht und hebt die Bedeutung der familiären Bindungen hervor; Erweitert so den Schutz der Familie aus Artikel 6 des Grundgesetzes.

Eine Gebrauchsanweisung für die Praxis: Großeltern sind wegen der Nähe bei einer Lösung gegenüber nichtverwandten Personen mit Vorrang in Betracht zu ziehen. Doch ist das kein Freibrief. Denn der letztlich entscheidende Maßstab ist das Wohl des Kindes. Also das, was ausseinerSicht die beste Lösung ist.

In Pflegefamilie verwurzelt

Im vorliegenden Fall klagte eine Großmutter. Sie erhielt die Betreuung ihres Enkelkinds nicht zugesprochen, das schon in einer Pflegefamilie verwurzelt und bestens aufgehoben war. Es ist also immer eine Frage des Einzelfalls. Das BVG stellt ergänzend klar: Verwandte sind stets anzuhören, aber wenn das Familiengericht eine Entscheidung trifft, steht Verwandten dagegen kein eigenes Rechtsmittel zu.

Die Entscheidung aus Karlsruhe ist so gesehen nichts ganz Neues. Das höchste Gericht bestätigt noch einmal, was in der Praxis ohnehin zu berücksichtigen war. Ein deutliches Signal, wirklich erst die familiären Bande abzuklopfen, bevor man Kinder in "fremde" Hände gibt.

Großelternrechte - Großelternpflichten
Marktcheck [10.07.2014] Trennen sich Eltern, verlieren Großeltern häufig den Kontakt zu ihren geliebten Enkeln. Welche Rechte sie haben, erklärt Rechtsexperte Karl-Dieter Möller.                         

Ohne Oma und Opa geht in vielen Familien gar nichts. Arbeiten beide Eltern, wird Hilfe häufig dringend gebraucht. Großeltern übernehmen die Betreuung der Enkel und werden zu wichtigen Bezugspersonen. Bei einer Trennung der Eltern, oder wenn einer der Partner stirbt, zerbricht oft auch diese Beziehung.

Recht, die Enkel zu sehen

Das sollte nicht sein. Großeltern haben einen gesetzlichen Anspruch darauf, ihre Enkel zu sehen. Aber das Wichtigste ist immer das Wohl des Kindes.

Großeltern können ihr Umgangsrecht notfalls bei Gericht einklagen. Haben Oma und Opa viel Zeit mit dem Kind verbracht und eine enge Beziehung, dann sind sie für das Kind auch wichtig. Das müssen die Großeltern im Zweifel nachweisen. Sie sollten sich auch schnell um eine Regelung kümmern, weil gerade kleine Kinder sich schnell entfremden.

Auch andere Bezugspersonen, mit denen ein Kind zusammenlebt, ein langjähriger Lebensgefährte oder entferntere Verwandte, können Umgangsrechte haben, wenn sie eine "elternähnliche" Beziehung zum Kind hatten.

Vorsicht Loyalitätskonflikt!

Lehnt der betreuende Elternteil den Umgang jedoch vehement ab, dann entscheiden viele Gerichte gegen ein Umgangsrecht, weil sie das Kind vor einem Loyalitätskonflikt schützen wollen. Auch die Kinder selbst richten sich instinktiv eher nach der Meinung des betreuenden Elternteils und versuchen, dem Streit auszuweichen.

Taskforce für Familien

Einige Gerichte versuchen bei einem Antrag der Großeltern mit dem so genannten "Cochemer Modell" den Familienstreit zu schlichten. Dabei ruft der Richter umgehend ein Expertenteam aus verschiedenen Fachbereichen zusammen. Jugendamt, Mediatoren, Kinderpsychologen, Beziehungsberater beginnen sofort mit der Beratung. So kann zunächst eine außergerichtliche Einigung versucht werden. Hat diese keinen Erfolg und weigert sich der betreuende Elternteil weiterhin, haben Großeltern keine großen Chancen auf Erfolg vor Gericht.

Großeltern bevorzugt

Wenn Eltern die Kinder nicht mehr betreuen können, werden diese oft direkt bei Pflegefamilien untergebracht. Das Bundesverfassungsgericht hat jetzt jedoch entschieden, dass die Kinder vorrangig bei den Großeltern untergebracht werden sollen, wenn die Eltern ausfallen (BVerfG, Urteil vom 7. 4. 2014, 1 BvR 3121/13).

Nicht ohne meine Enkel –
Welche Rechte haben Großeltern?
Beitrag: Sigrid Born und Nicole Würth [05.07.2014] Oma und Opa sind eine wundervolle Bereicherung für die Kinder. Sie sind wichtige Bezugspersonen und zugleich Spielkameraden. Viele von ihnen betreuen den Nachwuchs, wenn die Eltern ihrem Job nachgehen.
Häufig springen sie ein, wenn die Kinder krank sind und nicht zur Kita oder in die Schule gehen können. Über Jahre sind Großeltern und Enkel so ein eingeschworenes Team. Meist ist es dann eine streitige Scheidung oder der Tod des eigenen erwachsenen Kindes, der den Kontakt zu den Großeltern zerbrechen lässt. Dabei haben Oma und Opa ein gesetzliches Umgangsrecht.

Entscheidend ist das Kindeswohl

Großeltern haben einen Anspruch darauf, ihre Enkelkinder zu sehen und mit ihnen Zeit zu verbringen. Gerade in der Trennung oder beim Tod eines Elternteils spielen die Großeltern als stabile Bezugsperson häufig eine ganz wichtige Rolle für die Kinder. Deshalb hat der Gesetzgeber dieses Recht ins Gesetz aufgenommen (§ 1685 BGB). Voraussetzung ist allerdings, dass dieser Umgang dem "Wohl des Kindes dient". Der Kontakt muss also für das Kind förderlich sein, und darf ihm auf keinen Fall schaden.

Wie oft Großeltern das Kind sehen dürfen, hängt von der familiären Situation ab: Wie alt ist das Kind, wie weit wohnen die Großeltern entfernt, wie häufig war der Kontakt zuvor?

Wer sich vorher viel gekümmert hat, hat in einem Prozess bessere Chancen

Großeltern, die sich über Jahre um das Kind gekümmert haben, es etwa betreut haben, mit ihm in Urlaub gefahren sind, haben gute Chancen auch weiterhin ein Umgangsrecht zugesprochen zu bekommen. Boykottiert der betreuende Elternteil dieses Recht, können Großeltern ihren Anspruch beim Familiengericht einklagen. Allzu lange sollten diese allerdings nicht mit der Durchsetzung ihres Rechtes warten. Gerade jüngere Kinder haben ein anderes Zeitempfinden als Erwachsene. Ein paar Monate Kontaktabbruch kann schnell zu einer Entfremdung führen. Für die Großeltern wird es dann immer schwieriger den Kontakt erfolgreich einzuklagen.

Untersagt ein Elternteil den Umgang und trägt dieser dafür Argumente vor, müssen die Großeltern begründen und notfalls auch beweisen, warum es für das Kind förderlich ist, dass es weiterhin Kontakt zu ihnen hat.

Das Gericht prüft dann, ob sich das Kind in einem Loyalitätskonflikt befindet, es also zwischen den Großeltern und dem Elternteil stark hin- und hergerissen ist. Massive Streitigkeiten zwischen Eltern und Großeltern führen im Allgemeinen dazu, dass erhebliche Bedenken an einer Förderung des Kindeswohls bestehen. In der Regel geht dann das Erziehungsrecht der Eltern vor und häufig ziehen die Großeltern vor Gericht den Kürzeren.

Ältere Kinder dürfen selbst entscheiden

Starre Altersgrenzen, ab wann die Kinder selbst entscheiden dürfen, ob sie Oma oder Opa sehen dürfen, gibt es nicht. Richter haben auf jeden Fall die Möglichkeit, ältere Kinder, die sich schon eine Meinung bilden können, nach ihren Wünschen zu befragen. Nach Auffassung von Psychologen lehnen sich die meisten Kinder aber nur äußerst selten gegen den betreuenden Elternteil auf. Sie gehen dem daraus resultieren Konflikt lieber aus dem Weg.

Onkel Tanten und andere Bezugspersonen

Mit dem Kontaktabbruch zu den Großeltern verlieren häufig auch Onkel und Tante den Umgang zum Kind. Manchmal trifft es auch den Lebensgefährten eines Elternteils, etwa der langjährigen Lebenspartner, der das Kind mit großgezogen hat. Auch solche Personen können ein Umgangsrecht haben.

Erforderlich ist aber ein ganz enger Bezug zum Kind. Die Rechtsprechung fordert eine "elternähnliche Exklusivität" des Bezuges. Haben diese Verwandte mit dem Kind jahrelang zusammengelebt und war der Kontakt immer gut, ist von einer solchen engen Beziehung auszugehen.

Scheidungsopfer Opa
Beitrag: Xenia Böttcher [26.09.2013] "Es tut so weh, unser Enkelchen nicht mehr in den Arm nehmen zu können, obwohl er ganz nah ist", erzählt uns Bernd S. Sein Enkel wohnt ein Haus neben ihm, doch der Schwiegersohn möchte nicht, dass die Großeltern
ihn besuchen. Wie Bernd S. geht es vielen Großeltern in Rheinland-Pfalz.

Schätzungen zufolge hat die Hälfte der Scheidungskinder keinen Kontakt mehr zu ihren Großeltern. Kinder werden häufig als Druckmittel auf den Ex-Partner benutzt und die Großeltern geraten so in Sippenhaft. Die Gerichte urteilen selten zu Gunsten der Großeltern, das Recht der Eltern hat meist Vorrang.

Nur wenige Richter nutzen die Möglichkeit, eine Mediation anzuordnen, obwohl diese häufig zum Erfolg führt und die zerstrittenen Parteien zusammenführt. Denn gesetzlich vorgeschrieben ist sie nicht.

Recht so!
Ausschnitt von "Zehn Tipps zum Thema Familienrecht" [26.09.2013] Tipps zum Umgangsrecht mit den Kindern, nicht nur für getrennt lebende Eltern, sondern auch für Großeltern.

SHG Verstoßene Großeltern, Krefeld
Beitrag: Regina Bremer [26.07.2013] Mit Oma einen Kuchen backen. Opa beim Unkrautjäten helfen. Und dann mit beiden zusammen in den Zoo: Für Großeltern und Enkelkinder ist ein gemeinsamer Tag ein Traum. Doch der kann schnell zum Albtraum werden,
wenn die Kinder im Streit von Erwachsenen als Waffe eingesetzt werden. "Dann werden Großeltern mit dem Entzug ihrer Enkel bestraft", berichtet Katharina Dargus.

Die Gründe, warum Großeltern ihre Enkel nicht sehen dürfen, sind vielfältig. Mal verstehen sie sich nicht mit der Schwiegertochter oder dem Schwiegersohn, mal haben die eigenen Kinder den Kontakt abgebrochen. Oder eine Scheidung hat die Familie zerrissen. "Plötzlich stehen sie dann ganz allein da", berichtet die Tönisvorsterin. Die Folgen sind Selbstvorwürfe, Frustration, Trauer und Verzweiflung. "Ohne psychologischen Beistand kommen sie da nicht raus", sagt die Frau.

Wenn Großeltern verstoßen werden
Beitrag: Christina Noack [01.07.2013] Die Familie ist für viele Menschen das Wichtigste im Leben. Gerade die Beziehung zwischen Großeltern und ihren Enkelkindern ist oft ein sehr inniges. Umso schlimmer für Betroffene, wenn dieser Bund entzweit wird.
Eine Erfahrung, die auch Katharina Dargus schmerzlich erfahren musste. Um anderen mit ihrer Trauer zu helfen, hat sie eine Selbsthilfegruppe in Krefeld ins Leben gerufen.

Nicht ohne meinen Enkel!
Dokumentation zum Spielfilm in der ARD Die pensionierte Lehrerin Franziska Sendner (Thekla Carola Wied) und ihre Schwiegertochter Silke (Muriel Baumeister) haben seit Jahren ein angespanntes Verhältnis. Obwohl die Besuche oftmals für beide eine harte
Geduldsprobe sind, müssen die beiden dem Familienfrieden zuliebe miteinander auskommen.Besonders innig liebt Franziska ihren Enkel Tobias (Enzo Gaier), mit dem sie sehr viel Zeit verbringt. Zwischen den beiden unterschiedlichen Frauen steht Martin (Andreas Lust), Franziskas Sohn und Silkes Ehemann. Oftmals sind Silke und Andreas auf die Betreuung ihres Sohnes durch Franziska angewiesen, wenn in ihrer "Pension zur Sonne" am Wochenende großer Andrang herrscht: Die Hilfe können Silke und Martin nur allzu gut gebrauchen, aber dass Tobias seine Großmutter so sehr liebt, führt des Öfteren zu Missverständnissen zwischen Silke und Franziska. Als Martin tödlich verunglückt, nachdem er seine Mutter nach Wien gefahren hat, kommt es zum Bruch zwischen beiden Frauen. Franziska wird von ihrer Schwiegertochter vor die Türe gesetzt. Als Silke die von Franziska einbezahlte Lebensversicherung ihres Mannes, die eigentlich für die Ausbildung von Tobias gedacht war, in den Ausbau der Pension steckt, sieht Franziska keinen anderen Ausweg, als das Umgangsrecht für ihren Enkel einzuklagen. Ihr Nachbar und Vertrauter Werner (Christian Kohlund), der seit Längerem tiefe Gefühle für Franziska hegt, warnt sie eindringlich vor diesem Schritt.

Näheres zum Spielfilm: hier  (Achtung: die Seite lädt langsam - je nach verwendetem Browser)

Das Kind kriegst Du nicht!
Eltern im Scheidungskampf
Ein Film von Gesa Berg und Uta König [Beitrag vom 15.10.2012] Etwa eine Million Kinder in Deutschland haben keinen Umgang mit ihren Vätern oder Müttern, weil der andere Elternteil dies nicht zulässt. Der Film erzählt vom Schicksal der Eltern, die nach der Trennung vom Partner die
gemeinsamen Kinder gar nicht oder nur selten sehendürfen. Es sind Väter und Mütter, die sich zuvor auch im Alltag intensiv um ihre Kinder gekümmert hatten und eine liebevolle Beziehung zu ihnen pflegten. Nun wurden sie von einem Tag auf den anderen aus dem Leben ihrer Kinder gestoßen - trotz eines gemeinsamen Sorgerechts. Eine existenzielle Lebenskrise, vor der die Betroffenen fassungslos und ohnmächtig stehen.

In neun von zehn Fällen sind es die Mütter, die von den Gerichten - gemäß alter Rollenklischees - das Aufenthaltsbestimmungsrecht zugesprochen bekommen, und damit die Macht haben zu entscheiden. Oft sind es gekränkte Gefühle und Rachegelüste, die - bewusst oder unbewusst - auf dem Rücken der gemeinsamen Kinder ausgetragen werden. Mit oft tragischen Folgen.
Wissenschaftliche Studien zeigen: Kinder, die im Machtkampf der Eltern instrumentalisiert werden, erleiden schwere seelische Schäden, die sie häufig bis ins Erwachsenenalter verfolgen. Einfühlsam erzählen Grimme-Preisträgerin Uta König und Gesa Berg die dramatischen und bewegenden Geschichten mehrerer Väter und einer Mutter, die nach Trennung und Scheidung von ihren Kindern ferngehalten werden. Im Film wird deutlich, wie groß die Angst der Betroffenen ist, die geliebten Kinder ganz zu verlieren und wie verzweifelt ihre Bemühungen sind, ihnen auch nach der Scheidung Vater oder Mutter sein zu dürfen. Anhand der persönlichen Schicksale zeigt sich auch, welche psychologischen Mechanismen im Machtkampf der Eltern wirken und warum viele Richter vor der zerstörerischen Kraft des "mächtigeren" Elternteils kapitulieren. Damit sich Eltern bei der Trennung nicht im eigenen Gefühlschaos verlieren und das Wohl ihrer Kinder im Auge behalten, plädieren Experten dafür, den Scheidungspaaren professionelle Hilfe anzubieten. Anstatt juristischer Beschlüsse setzen mittlerweile viele Familiengerichte auf Mediation - mit gutem Erfolg, wie der Film zeigt.

Schmerzhafte Trennung ...
und der erste Schritt zum Guten
Beitrag: Bettina Lehnert [14.01.2012] In Margrit Thomas' Schaukelstuhl sitzen heute zwei Puppen. Er erinnert an die Zeit, als sie noch Oma sein durfte. Was Margrit Thomas widerfahren ist, passiert vielen Großeltern. Sie verlieren den Kontakt zu den Enkelkindern,
nachdem deren Eltern sich getrennt haben. Die Gründe vielschichtig. Mal möchte der sorgeberechtigte Elternteil auch die Familie des Ex-Partners aus seinem Leben streichen. Mal entlädt sich der Frust beider Partner an Oma oder Opa oder es sind alte Verletzungen im Spiel, die zu Rachegelüsten führen.

Am Nikolaustag hatte sie einen Brief der großen Enkelin im Briefkasten.
Sie schrieb, dass sie wieder den Kontakt zu ihr aufnehmen möchte ... erst einmal über einen Briefwechsel. Sie bedankte sich ganz lieb für die Geschenke zum Nikolaus und gab zum Ausdruck, dass sie die gemeinsamen Stunden und Aktivitäten vermisst. Es war das schönste Weihnachtsgeschenk, das die Enkelin ihrer Oma machen konnte.

Anmerkung:
Einige der von der Sprecherin erwähnten Fakten entsprechen leider nicht oder nur teilweise den Tatsachen.
M. Thomas
Lesen Sie hier die ganze Geschichte.

Doku: «Nicht ohne meinen Enkel»
Ein Film von Anja Kretschmer Im Keller bei Ehepaar W. steht eine Schultafel. "Danke Oma" hat Adeleine darauf geschrieben - vor vier Jahren. Auch ihr Zimmer oben im ersten Stock ist seitdem unberührt. Ihre Kinderzeichnungen liegen säuberlich gestapelt
auf dem Schreibtisch. Wie damals, als Adeleine zum letzten Mal Oma und Opa besuchen durfte. Noch während Adelines Besuchs bei Oma und Opa ist die Schwiegertochter plötzlich verstorben. Danach war nichts mehr wie vorher. Anfangs kümmerten sich die Großeltern um Adeline. Dann brach der Kontakt ab. Ehepaar W. - beide um die 70 - sind zum Jugendamt und vor Gericht gezogen, um die Enkelin, die mittlerweile 13 Jahre alt ist, endlich wieder zu sehen. Das war ein Fehler, sagen sie heute.

Mehr Papa als Opa

Ganz anders sieht es bei Familie Unger aus: Nach dem langen Arbeitstag in einem Großmarkt kommt Herr Unger nachhause, und jetzt will Cyrus unbedingt noch Fußball spielen. Vier Kinder haben die Ungers groß gezogen, "und aus allen ist was geworden". Dann kam plötzlich ein Anruf von der ältesten Tochter, ob sie Cyrus zu sich nehmen könnten.

Heute lebt der überaus lebhafte Fünfjährige bei Oma und Opa. Beide arbeiten noch, das Haus muss abbezahlt werden, und Cyrus ist eine Lebensaufgabe geworden, die alle ihre Pläne zunichte machte - mitunter auf vergnügliche Weise. Doch die Situation ist nicht immer einfach, bringt die Großeltern an ihre Grenzen. Auch Phillip (16), der jüngste Sohn der Familie, muss sich damit arrangieren, dass Cyrus viel Aufmerksamkeit fordert.

Eine unüberbrückbare Kluft

Ehepaar Thielke hat zwei Enkel. Maxim (12) kommt fast täglich vorbei, macht Hausaufgaben mit Oma, spielt Tischtennis mit Opa oder Karten mit seinen Großeltern. Wenn Herr Tielke Maxim abholt, steht manchmal die Haustür einen Spalt breit offen. Dann versucht er, wenigstens einen kurzen Blick auf seinen kleinen unbekannten Enkel zu erhaschen. Ehepaar Thielke hat zwei Enkel. Maxim (12) kommt fast täglich vorbei, macht Hausaufgaben mit Oma, spielt Tischtennis mit Opa. Seinen kleinen Halbbruder haben die Großeltern noch nie gesehen, obwohl sie im Nachbarort wohnen. Eine unüberbrückbare Kluft aus Verletzungen und Missverständnissen geht mitten durch die Familie. Die Eltern und Großeltern haben keinen Kontakt miteinander. Einziges Bindeglied ist Maxim. Niemand kann so recht über seinen Schatten springen - und doch leiden alle unter der Situation.

Trennung für alle?

Wenn Eltern auseinander gehen, leiden nicht nur die Kinder. Bei jeder Trennung sind Großeltern mit betroffen. Oft bricht der Kontakt ab, manchmal finden sich Ersatzgroßeltern, Ersatzenkel. Kinder brauchen Opa und Oma - ihre Erfahrung, ihre Gelassenheit und ihre Ruhe. Und Großeltern brauchen Enkel. Der Film begleitet Großeltern und Enkel bei ihren Versuchen, zueinander zu finden.

Film: «Mein Enkel fehlt mir so»
Ein Film von Christel Sperlich [13.04.2008] Sorgerechtsstreitigkeiten betreffen auch Großeltern. Wird der Kontakt zwischen dem Vater und seinem Kind untersagt, dürfen oft auch die Großeltern das Kind nicht mehr sehen, egal wie innig und intensiv die
Beziehung vorher war. Dieser Fernsehbeitrag schildert sehr eindringlich die Situation betroffener Grosseltern. Der Film lässt Großeltern erzählen, wie sie die Trennung von den Enkeln erleben und was sie auf sich nehmen, um sie nicht völlig zu verlieren.

Entsorgte Großeltern
[Beitrag vom 30.09.2010] Viele Mütter, bei denen die Kinder meistens leben, isolieren und manipulieren sie. Sie sind es, die die Kinder auch den Eltern ihres Ex-Mannes vorenthalten.                         

Wenn ein Stück Familie verloren geht
Ein Bericht von Charlotte Magin und Christiane Mayer [01.08.2010] Bei einer Scheidung leiden die Kinder nicht nur unter der Trennung von Papa oder Mama - oft verlieren sie auch Oma und Opa. Viele der Betroffenen wenden sich an Selbsthilfegruppen, die sich für den Kontakt zu den Enkeln
einsetzen. Helene Schmidt (Namen von der Redaktion geändert) freute sich jedes Wochenende aufs Neue, wenn ihre Enkel zu Besuch kamen. Es gab das Lieblingsessen der Kinder und selbstgebackenen Kuchen. "Ich wollte meinen Enkeln ein Stück Familie geben", sagt sie. Doch das ist lange her.

Als sich ihre Tochter scheiden ließ und der Stiefvater die Erziehung übernahm, kam es zum Bruch. Vor allem für den jüngsten Enkel herrschten nun neue Regeln. "Er musste auf dem Hof arbeiten, die Pferdeställe misten und bei jeder kleinen Gelegenheit bekam er Hofarrest. Das heißt, er durfte den Hof nicht verlassen", erzählt Helene Schmidt.

Besuchsverbot für Oma

Der Enkel wurde immer schweigsamer und verschlossener. "Ich hatte Schwierigkeiten an ihn ran zu kommen". Zu dem Hofarrest kamen harte Strafen und schließlich das Besuchsverbot für die Oma. Die Tochter hatte es gerichtlich erwirken lassen. Der Kontakt geschehe nicht zum "Wohle des Kindes", so die Begründung. "Ich habe ab diesem Moment nur noch Angst um ihn gehabt", sagt Helene Schmidt.

In ihrer Not wandte sie sich an die "Bundesinitiative Großeltern von Scheidung und Trennung betroffener Kinder", die sich dafür einsetzt, dass die Beziehung zwischen Kindern und Großeltern auch nach einer Trennung nicht abbrechen. Die ehrenamtlichen Helfer stehen den betroffenen Opas und Omas beratend zur Seite. "Die Initiative gibt Erfahrungen und Wissen weiter, damit Großeltern im Gespräch mit Behörden oder Anwälten richtig argumentieren können", sagt Rita Boegershausen, Sprecherin der Initiative.

Recht auf Umgang

Fälle wie der von Helene Schmidt, bei denen Großeltern der Kontakt zu ihren Enkeln nicht gestattet ist, sind keine Seltenheit. Jährlich sind laut Statistischen Bundesamt rund 150.000 Kinder von Scheidung betroffen - hinzu kommen diejenigen, deren Eltern nicht verheiratet waren. Studien zufolge verliert fast die Hälfte von Ihnen nach kurzer Zeit den Kontakt zu ihren Großeltern.

Bei der Initiative Großeltern erfahren die Betroffenen auch, dass sie den Umgang mit ihren Enkeln einklagen können. Seit der Reform des Kindheitsrechts 1998 ist das Umgangsrecht der Großeltern gesetzlich festgeschrieben. Jedoch mit dem Zusatz "wenn der Umgang dem Wohle des Kindes dient" - und das ist so eine Sache: "Was dem Wohl des Kindes dient, ist immer eine Frage der Auslegung", sagt Boegershausen, "besser wäre, im Interesse des Kindes."

Kinder brauchen Liebe

Gerade in einer äußerst belastenden Situation von Trennung und Scheidung kann der Kontakt zu Oma und Opa für Kinder wichtig sein. Besonders dann, wenn schon vor der Trennung eine enge Beziehung bestand. "Enkelkinder werden in eine Situation hineingezogen, für die sie nichts können. So entsteht ein gewisses Ohnmachtsgefühl", so Boegershausen. Aufgrund ihrer größeren Lebenserfahrung könnten Großeltern auch eine wohltuende Gelassenheit ausstrahlen. "Im Unterschied zu den Eltern können Großeltern die Wertigkeit von Streitigkeiten einschätzen und wissen wie Konflikte enden."

Die Initiative Großeltern unterstützt auch die Enkel, die häufig unter der Angst leiden, die Großeltern womöglich nie wieder sehen. "Für die Kinder ist es sehr entscheidend, zu wissen, sie werden von ihren Großeltern weiterhin geliebt", sagt Boegershausen und fügt hinzu: "Und Liebe kann man nie als Kind genug bekommen."

Großeltern und ihre Enkel
Ein Beitrag von Marion Mück-Raab  [01.08.2010] In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben Enkelkinder "neue" Omas und Opas bekommen: toleranter, hilfsbereiter, eigenständiger und intensiv beteiligt. Viele Großeltern können sich vor allem eines nehmen und das ist
auch das, was die Enkel am meisten schätzen: Zeit.
Klaus Schwednass ist Rentner und gerade sechzig geworden. Fast jeden Tag ist er mit seinen beiden Enkelsöhnen unterwegs. Beide besuchen noch den Kindergarten. Seine Tochter ist heilfroh darüber, denn sie ist alleinerziehend und berufstätig. Die Kinder hinbringen und abholen, Zeiten überbrücken, bis sie von der Arbeit kommt - ohne die Hilfe ihrer Eltern würde sie das gar nicht schaffen.

Da ist sie nicht die einzige. Auch Rolf Richter und seine Frau Sibylle sind für ihren Sohn und seine Frau eine unverzichtbare Stütze bei der Betreuung von Tochter Annika: "Ohne meine Eltern könnten wir nicht beide berufstätig sein", sagt Frank Richter. Er ist mit Frau und Kind extra in die Nähe der Großeltern gezogen.

Großeltern in der Kinderbetreuung

So wie diesen beiden Familien geht es vielen: Die Großeltern sind in Deutschland unentbehrlich, wenn es um die Kinderbetreuung geht. "Es sind Milliarden an Stunden, die Großeltern in Deutschland für die Betreuung ihrer Enkel aufwenden", weiß die Göttinger Psychologin Sabine Hoier. Nach Studien sind gut zwei Drittel aller Großeltern in irgendeiner Form bei der Kinderbetreuung beteiligt.

Für die Großväter ist das eine völlig neue Erfahrung. Sie waren berufstätig, kennen keine Elternzeiten. Für ihre Enkel haben sie heute viel mehr Zeit als früher für ihre Kinder. "Es ging ja morgens gleich los mit der Arbeit. Und abends hat man noch die Hausaufgaben kontrolliert," erinnert sich Klaus Schwednass. Mit seinen Enkeln kann er sich jetzt richtig austoben. Ins Schwimmbad gehen und in den Zoo, eine Radtour oder auch ein Ausflug mit der Straßenbahn machen. Klaus Schwednass lässt sich etwas einfallen, um seine zwei Jungs zu unterhalten. Und das machen viele Großväter: Sie genießen es noch viel mehr als die Großmütter, mit ihren Enkeln etwas zu unternehmen. Und fühlen sich dabei jung und aktiv.

Die neue Generation Großeltern

Auch Schwednass gehört zu den jungen Alten. Er ist fit und gesund, steht mitten im Leben. Dabei ist er eigentlich ein später Großvater - früher kamen die Enkel, als die Großeltern Mitte vierzig waren. Heute müssen sie im Schnitt fünf Jahre mehr auf Enkel warten. Trotzdem: Sie wirken immer jünger.

Auch Sibylle Richter ist keine Oma, wie man sie von früher kennt. Sie hat der Enkeltochter das Fahrradfahren beigebracht, Schwimmen und Tauchen - alles hat Annika von Oma gelernt. Im Vergleich zu den früheren Generationen gehören die Großeltern heute noch lange nicht zum alten Eisen. "Sie sind eingebundener in die Gesellschaft, so dass sie viele Sorgen der Kinder verstehen können. Damit sind sie sie auch kompetentere Ansprechpartner für ihre Enkelkinder." Auch das ist sicher ein Grund dafür, dass die Bindung zwischen Enkeln und Großeltern heute so innig ist wie nie zuvor. "Es ist ein ganz besonderes Verhältnis", sagt Sabine Hoier: "Die Liebe der Großeltern ist bedingungslos, sie erwarten keine Gegenleistungen. Diese Hingabe ist auch deshalb so frei und so beglückend, weil kein Erziehungsauftrag mehr dahinter ist."

Das Privileg, Kinder zu verwöhnern

Im Unterschied zu Eltern können Großeltern ganz entspannt sein: Für Schwierigkeiten sind die Eltern zuständig. Sie können sich den schönen Dingen widmen. Und das tun sie auch. Und lassen dabei fünf gerade sein. Denn wenn es um ihre Enkel geht, dann wird aus dem ehemals strengen Vater ein gütiger Opa.


Eltern erleben die eigenen Eltern auf einmal ganz anders: "Das hätte ich mir mal erlauben sollen", lacht Frank Richter, wenn er sieht, was sein Vater der Enkelin alles durchgehen lässt. Und findet es im Grunde okay: Denn seine Großeltern waren da ja auch nicht anders: "Es ist das Privileg von Großeltern, die Kinder zu verwöhnen". "Dafür sind Omas doch da", pflichtet die Mainzerin Käti Freidel ihm bei. Sie hat heute noch ein sehr enges Verhältnis zu ihrer Enkelin. Die ist zwar längst erwachsen, hat selbst Kinder, aber kommt immer noch zur Oma, wenn irgendetwas ist. Und dann ist es wie früher: Ihre Großmutter nimmt sich Zeit für sie. Ein Kontakt zwischen den Generationen, der wichtig ist. Für beide Seiten. "Viele Enkel erzählen, dass sie über die Großeltern zum ersten Mal damit in Berührung gekommen sind, dass die Zeit vergeht, dass es früher anders war. Sie merken zum ersten Mal, früher war es anders, Menschen werden alt. Es bleibt nicht alles so, wie es ist." Für die Enkel sind die Großeltern auch ein Blick zurück, für die Großeltern bedeuten die Enkel die Zukunft. Und sie werden zum Jungbrunnen, auch das ist erwiesen: Wer Enkel hat, bleibt länger fit und gesund.

Umgangsrecht der Großeltern
[Beitrag vom 30.05.2010] Ständiger Zoff unter Ehepartnern - irgendwann die Scheidung, und schon geht der Streit los: Wer darf wie, wann und wo die Kinder sehen? Auch Großeltern haben ein Recht auf Umgang mit ihren Enkeln - doch was nützt
es ihnen auf dem Papier, wenn sie es nicht durchsetzen können? Wenn Großeltern und Enkel sich nicht sehen, verschwinden sie aus der gegenseitigen Erinnerung. Doch was können Oma und Opa tun, um das zu verhindern? Das Gesetz sieht seit 1998 in § 1685 Abs. 1 BGB ein Umgangsrecht auch für Großeltern vor - doch nur, wenn es dem Wohl des Kindes dient. Das erste Problem: Was bedeutet der Begriff "Wohl des Kindes"?

Mit Laterne ins schwarze Loch leuchten

Für den ehemaligen Familienrichter Jürgen Rudolph ist dieser Begriff ein schwarzes Loch. Niemand wisse so genau, was diese Worte bedeuten sollen, wie sie ausgelegt werden sollen. Aufgabe der Familiengerichte sei es, mit einer Laterne in dieses schwarze Loch hineinzuleuchten, und das mache jeder anders. Immer wieder fordern Familienrichter im Prozess um den Umgang mit den Enkeln von den Großeltern einen Beweis, dass sie dem Wohl des Kindes dienen.

"Wie sollen Großeltern darlegen, dass sie dem Wohl des Kindes dienen, wenn sie keinen Kontakt mit den Enkeln haben?", so die berechtigte Frage von Cäcilie Karduck. Ohnehin ist die Tatsache, dass der Umgang "dem Wohl des Kindes dient" ein Umstand, der von Amts wegen zu ermitteln ist, das heißt das Familiengericht muss genau prüfen, nachhaken, ob der Umgang mit den Großeltern im Interesse des Kindes ist - die Großeltern sind eigentlich nicht beweispflichtig.

Kinderperspektive im Vordergrund

Jürgen Rudolph arbeitete gut 30 Jahre als Familienrichter und hatte oft über Fälle wie den der Karducks zu entscheiden. Heute beschäftigt er sich als Anwalt noch immer mit Familienrechtsstreitigkeiten und denkt, dass solche von den Gerichten auferlegte Beweislasten bei Streitereien um den Umgang mit den Kindern keine Rolle spielen sollten. "Da kann man nicht plötzlich eine Darlegungslast wie im herkömmlichen Zivilprozess anlegen. Man kann nicht sagen, Oma, dir gelingt der Beweis nicht, der Enkel hat Pech gehabt. Jugendämter, forensische Gutachter, psychologische Beratungsstellen, Rechtsanwälte und besonders die Gerichte haben von Amts wegen zu prüfen und nachzuhaken, ob der Umgang im Interesse des Kindes ist. Die Kindesperspektive sollte dabei viel mehr eine Rolle spielen als das, was die Erwachsenen wollen."

In anderen Ländern steht die Kindesperspektive viel stärker im Vordergrund. Frankreich kennt zum Beispiel eine "Umkehr der Darlegungslast". Auch Skandinavien und die USA setzen Umgangsrechte viel schärfer durch, kennen auch Sanktionsmöglichkeiten für Boykotte wie beispielsweise die Auferlegung einer Pflicht zur Therapie oder empfindliche Geldbußen.

Kindesinteressen zu wenig beachtet

Rudolph erklärt zu Frankreich: "Wenn der Umgang geregelt ist durch Gerichtsentscheidungen oder andere Vereinbarungen, und der Umgang scheitert, dann ist immer derjenige, der den Umgang nicht ermöglicht, in der Pflicht nachzuweisen, dass es nicht an ihm liegt, dass kein Umgang zustande kommt. Konkret darf man nicht jedes Mal sagen, dass das Kind die Masern hat etc. Das haben die Franzosen gemacht, um Umgangsstörungen zu verhindern. Derjenige, der aufgrund seiner starken Machtposition verpflichtet ist, den Umgang zu ermöglichen, muss beweisen, dass er den Umgang nicht boykottiert. Da gibt es auch Sanktionsmöglichkeiten, wenn der Umgang nicht ermöglicht wird."

Nach Meinung des Experten finden Kindesinteressen in Deutschland viel zu wenig Beachtung im Gesetz. Dabei geht es doch um die Kinder. Und Oma und Opa sind meist Menschen, die sie lieben - in den wenigsten Fällen schadet der Umgang ihnen.

Die Cochemer Praxis

Jürgen Rudolph rief, als er noch als Familienrichter tätig war, das so genannte "Cochemer Modell", mit ins Leben. Diese Arbeitspraxis, die mittlerweile bundesweit anerkannt wird, ruft alle Personen und Institutionen, die am familiengerichtlichen Verfahren beteiligt sind, an einen Tisch. Gemeint sind neben den Familien vor allem Rechtsanwälte, Familienrichter, Sozialarbeiter der Jugendämter, Psychologen der Beratungsstellen und forensische Gutachter. Mit der "interdisziplinären Zusammenarbeit" soll erreicht werden, dass die Kinder nicht als Verlierer aus den Streitigkeiten hervorgehen.

Die Eltern sollen trotz Trennung in die Lage versetzt werden, wieder miteinander zu sprechen, anstatt zu streiten, wenn es um die Frage des zukünftigen Umgangs mit den Kindern geht. Durch die Vernetzung der Professionen bei der Cochemer Praxis wird die Entwicklung des Verfahrens zum Wohl der Kinder eng begleitet, die Sichtweise des Kindes dabei in den Mittelpunkt gestellt.

Für ein menschlicheres Familienrecht

Ein Modell, das gesetzlich verankert werden sollte - für ein menschlicheres Familienrecht. Ebenso wie auch die "Interdisziplinäre Ausbildung" im Bereich Kindschaftsrecht. Dabei handelt es sich um eine verzahnte Ausbildung für Familienrichter, Rechtsanwälte, Berater, Sachverständige, Jugendamtsmitarbeiter, Mediatoren und Verfahrensbeiständen im Familienrecht.

Der geistige Vater des Cochemer Modells, Familienrechtsexperte Jürgen Rudolph, erklärt: "Es geht im Kindschaftsrecht darum, einen Konflikt zwischen Erwachsenen zu lösen, bei dem Kinder nicht die Verlierer sein dürfen, aber das können Juristen nicht leisten, weil es nicht Gegenstand des juristischen Handwerks ist, insbesondere nicht Gegenstand der Ausbildung. Rein mit juristischem Handwerkszeug ist das nicht zu lösen, mit Verteilung von Beweislasten oder mit der Auslegung von Begriffen wie Kindeswohl, von dem keiner weiß, was er umfasst, und der von jedem anders ausgelegt wird. Es müssen andere Kompetenzen miteinbezogen werden. Das muss professionell geschehen. Verzahnungen in der Ausbildung, Psychologiestudenten sollten gemeinsam mit Jurastudenten Vorlesungen besuchen etc., wenn es darum geht, familiendynamische Beziehungen zu regeln."

Diese Ansätze, vielleicht eine Möglichkeit für den Gesetzgeber und die Justiz, in Deutschland ein menschlicheres Familienrecht auf den Weg zu bringen.

Großeltern von Scheidungskindern
[Beitrag vom 30.05.2010] Unter einer Trennung oder Scheidung vom Partner leiden nicht nur die Kinder, sondern oft auch die Großeltern. Häufig bekommen sie ihre Enkelkinder dann nur noch selten oder gar nicht mehr zu Gesicht. Wer das
Sorgerecht hat, kümmert sich oft nicht mehr darum, dass der Kontakt zwischen Kind und der Familie des Ex-Partners bestehen bleibt.

Differenzen innerhalb auseinanderbrechenden Familien können so tiefgreifend sein, dass aus einem harmonischen Zusammenleben ein Streit an vielen Fronten wird. Nicht selten haben die Großeltern bei Trennungen das Nachsehen: Auf einmal wird ihnen der Kontakt zu den Enkelkindern verwehrt. Kommt es nicht zur Einigung, bleibt nur der Gang vor Gericht.

Es gibt zwar ein verankertes Umgangsrecht der Großeltern im Bürgerlichem Gesetzbuch, aber Familiengerichte entscheiden häufig nicht im Sinne der Großeltern. Schließlich muss jede Entscheidung zunächst dem "Wohle des Kindes dienen". Was darunter aber zu verstehen ist, wird im Gesetz nicht genauer definiert. Da die Beziehung zwischen Enkeln sowie Oma und Opa in jeder Familie unterschiedlich ist, sind die Entscheidungen des Familiengerichts immer an den Einzelfall gebunden.

Familiengericht entscheidet

Grundsätzlich sollen bestehende familiäre Beziehungen erhalten und die Besuche auch nach einer Scheidung in gewohnter Häufigkeit und Intensität fortgeführt werden. Daher ist es immer wichtig, die Gesamtsituation individuell zu betrachten: Wie intensiv ist das Verhältnis zwischen Enkel und Großeltern wirklich und in wieweit befriedigt dabei jede Partei ihre eigenen Bedürfnisse? Möchte die Oma ihr Enkelkind beispielsweise nur sehen, weil sie sich einsam fühlt?

Entscheiden sich die Großeltern ihr Besuchsrecht einzuklagen, kommt es darauf an, wie die Beziehung zwischen Großeltern und Enkeln vor der Trennung war. Das kann zum Beispiel durch Videoaufnahmen dokumentiert werden. Dass eine Klage vor dem Familiengericht aber ein steiniger Weg sein kann, weiß Juristin Birgit Franke. Nicht selten verschärfe die juristische Auseinandersetzung den Konflikt innerhalb der Familie. Zur Beweisaufnahme müssten zahlreiche Gutachten über die Familie erstellt, Befragungen durchgeführt und Aussagen protokolliert werden. Das Problem: Die Großeltern müssen quasi den Beweis erbringen, dass sie selbst dem Wohle des Kindes dienen.

Wichtiger Bezugspunkt

Dabei können Großeltern zweifelsohne einen wichtigen Bezugspunkt für Kinder darstellen, wenn ein regelmäßiger Austausch besteht. Da sie außerhalb des täglichen Familienalltags stehen, sehen sie Dinge mit anderen Augen und können wichtigen, emotionalen Beistand leisten. Doch wer das Sorgerecht hat, kann auch bestimmen wo und bei wem sich das Kind aufhält. Die Besuche beim Enkel mit den Eltern abzusprechen, sei ohnehin Pflicht: "Das Erziehungsrecht der Sorgeberechtigten hat Vorrang vor dem Umgangsrecht der Großeltern", sagt Birgit Franke. Schwierig wird die Situation immer dann, wenn Besuche kategorisch verweigert werden. So kann beispielsweise die Mutter mit ihrem Sorgerecht den Großeltern das Kind entziehen.

In Konfliktsituationen sollten Großeltern versuchen, freundschaftlich mit dem jeweiligen Ex-Partner umzugehen. Möglich ist auch, über Familienberatungsstellen oder das Jugendamt eine Gesprächsbasis zu schaffen. Wichtigste Voraussetzung für einen Kontakt ist natürlich, dass sich Großeltern aus dem Konflikt zwischen den getrennten Elternteilen heraushalten.

Erzwungener Umgang selten positiv

Langzeitstudien belegen, dass erzwungener Umgang für Kinder eher nachteilig ist, da die Kinder dadurch immer wieder in Gewissenskonflikte und Krisensituationen gebracht werden, die sie auf sich beziehen können. Denn sie stehen zwischen den Parteien und können sich unter Umständen schuldig fühlen.

Ein begleiteter Umgang kann vom Familiengericht angeordnet werden. Dabei sieht das Kind Großmutter oder Großvater nur in Gegenwart einer dritten Person. Diese kann von einer Beratungsstelle oder vom Kinderschutzbund sein. Allerdings wird dies nur bei Missbrauchsverdacht nötig oder wenn befürchtet wird, dass Großeltern ihre Enkel gegen die Eltern aufhetzen. Bei unüberbrückbaren Zerwürfnissen oder empfindlichen Störungen in der Beziehung zwischen Eltern und Großeltern bestehe aber kaum eine Chance, ein Umgangsrecht einzuklagen, so die Expertin.

Kein Kontakt zu den Enkeln
Beitrag von Uta Gaenztsch und Gudrun Holtz [28.01.2010] Die eigenen Kinder und Enkel in der Nähe zu haben ist prima. Es besteht die Möglichkeit spontan auf das Enkelkind aufzupassen, bei den Hausaufgaben zu helfen oder Sonntagnachmittag sich bei Kaffee und Kuchen zu treffen.
Doch das kann schnell vorbei sein, wenn die Ehe der Kinder auseinander geht. Häufig ist das auch für die Eltern schmerzhaft. Viele fragen sich, ob sie etwas falsch gemacht haben und viele versuchen zwischen dem Trennungspaar zu vermitteln. Besonders schlimm wird es allerdings, wenn über die Scheidung des Sohnes oder der Tochter auch der Kontakt zu den Enkeln verloren geht. Das hat Marianne Heß erlebt. Im Laufe der Scheidung ihres Sohnes durfte sie ihren Enkel zunehmend weniger sehen. Bis der Kontakt plötzlich völlig untersagt wurde. Doch das, ließ sie sich nicht gefallen. Sie ging vor Gericht und kämpfte um ihr Umgangsrecht.

Großeltern haben auch Rechte

Marianne Heß, 66 Jahre, dunkle Haare, dynamischer Blick, zielstrebiger Typ, war von Beruf Taxiunternehmerin. Sie ist glückliche Oma und verbringt regelmäßig Zeit mit ihrem Enkel. Doch das war nicht immer so. Durch die Scheidung von Axels Eltern durfte sie ihren Enkel über einen sehr langen Zeitraum nicht sehen. Die erste Zeit nach der Trennung konnten sich Oma und Enkel noch regelmäßig sehen, doch im Laufe der Scheidung, kamen immer mehr Probleme auf. Der Kontakt wurde unterbunden. Sie ist Leidtragende, obwohl sie mit dem Streit der Eltern nichts zu tun hat. Gespräche mit der Schwiegertochter nutzen nichts. Axel soll seinen Vater und die Oma nicht mehr sehen. Für Marianne Heß war klar, dass sie ihren Enkel so schnell wie möglich wieder sehen musste. Als erstes versuchte sie es mit Gesprächen. Doch die halfen nicht. Sie fühlte sich zum ersten Mal in ihrem Leben ohnmächtig und allein gelassen. Doch nach kurzer Zeit erwachte ihr Kampfgeist. Frau Heß stellt einen Antrag bei Gericht damit sie ein eigenes Umgangsrecht bekommt. Ihr war klar, dass ihre Gefühle nicht so wichtig sind, sondern, dass es einzig und allein um ihren Enkel geht. Sie wollte ihrem Enkel die Familie erhalten. Erst ein dreiviertel Jahr später hat sie einen Termin beim Richter. Ergebnis: Sie darf einmal in der Woche mit ihrem Enkel telefonieren. Gesehen hat sie ihn bis dahin immer noch nicht. Ob sie ihn überhaupt wieder sehen kann, soll eine Gutachterin prüfen. Oma Heß hat Angst, dass jetzt schon die Bindung zu ihrem kleinen Enkel zerbrochen ist. Das Gutachterverfahren zieht sich insgesamt zwei Jahre hin. Einmal durfte sie ihren Enkel sehen, aber nur unter der Aufsicht der Gutachterin. Letztendlich spricht sich die Gutachterin für Frau Heß aus. Doch bei Gericht gehen die Anträge hin und her. Das Verfahren zieht sich hin und findet kein Ende. Schließlich geht Frau Heß bis zum Oberlandesgericht. 2005 wurde ihr dann endlich Umgang zugesprochen.

Oma und Opa sind wichtig für Enkelkinder

Diplompsychologin Katharina Grünewald aus Köln, hat sich auf Beratungen von Patchworkfamilien spezialisiert. Sie berät in Einzelsitzungen Elternteile, Paare und Familien aus Patchworkfamilien und weiß, warum Großeltern in der Trennungsphase besonders wichtig sind. Gerade in Trennungsphasen der Eltern können Großeltern für die Kinder ein Ruhepol sowie Fluchtpunkt sein. Die Mädchen und Jungen können durch die Anwesenheit der Großeltern dem Gezerre, dem die meisten Kinder, während einer Trennung der Eltern ausgesetzt sind, entfliehen. Bei Oma und Opa können sie fühlen, wie es ihnen selbst geht und verstehen, dass sie mit der Trennungssituation der Eltern nichts zu tun haben. Falls Oma und Opa abwesend sind, dann hat das Mädchen oder der Junge erst einmal keinen Fluchtpunkt und bleibt in dem Gezerre der Eltern mittendrin stehen. Für die Kinder selbst bricht bei der Trennung der Eltern häufig der Boden unter den Füßen weg. Das Kind benötigt umso mehr halt von außen um zu verstehen welche Bedürfnisse es hat und das die Trennung der Eltern nicht bedeutet, das die gesamte Familie aus den Fugen bricht. Großeltern bereichern das ganze familiäre Umfeld und bieten den Enkeln eine Alternative an, wie man Beziehungen führt. Kinder haben dadurch auch die Möglichkeit sich unterschiedliche Beziehungsformen anzuschauen.

Großeltern haben ein eigenes Umgangsrecht

"Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren", so lautet das Lebensmotto von Marianne Heß. Sie hat während des Verfahrens um das Umgangsrecht Verbündete gesucht. 2003 gründete sie deshalb in Braunschweig die Selbsthilfegruppe „Großeltern pro Enkel“. Sie will ihr Wissen über die Rechte von Großeltern weitergeben und mit Rat und Tat den Gleichgesinnten zur Seite stehen. Das Interesse von betroffenen Großeltern ist groß. Viele wissen nicht, dass sie auch ein Umgangsrechte, unabhängig von den Eltern haben. Oma und Opa können das Umgangsrecht vor Gericht einfordern. Voraussetzung dafür: Der Kontakt zwischen dem Enkel und den Großeltern schadet nicht dem Kindeswohl. Richter prüfen innerhalb eines Verfahrens, ob der Umgang dem Kindeswohl dient. Und es wird genau kontrolliert, wie die Großeltern zum betreuenden Elternteil stehen. Respektieren Oma und Opa nicht deren Vorrang als Erzieher, dann kann das Umgangsrecht versagt werden. Denn wenn die Großeltern nicht den Elternteil respektieren, bei dem das Kind wohnt, gerät das Kind in einen Konflikt. Es wird dann nicht nur zwischen Mama und Papa hin und her gezerrt, sondern auch zwischen den Großeltern und Eltern. Das darf nicht sein und wird deshalb genau beobachtet. Die Teilnehmer der Selbsthilfegruppe, treffen sich bei Kaffee und Kuchen einmal im Monat zum Austausch. Sie unterstützen sich gegenseitig, niemand muss allein Kontakt zum Jugendamt, einer Beratungsstelle oder zum Gericht aufnehmen. Es ist ein langer Weg gewesen bis sich Marianne Heß und ihr Enkel wieder sehen durften. Die Gruppe stand ihr mit Rat und Tat zur Seite. Die Zeit, in der sich Axel und seine Oma nicht sehen konnten, kann ihnen niemand mehr zurückgeben. Umso mehr genießen die beiden nun die Zeit die sie miteinander verbringen.

Enkel brauchen Großeltern
[Beitrag vom 08.02.2010] Die Großeltern sind neben den Eltern die wichtigsten Bezugspersonen im Leben eines Kindes. Studien haben zudem gezeigt, dass Kinder, die in engem Kontakt zu den Großeltern leben, über besondere soziale ...